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Polizei untersucht betroffene Flüchtlingsunterkunft in Cottbus nach Waffen / 26 Tschetschenen zeitweise in Gewahrsam

Ermittlungen
Mehrere Verletzte nach Attacken unter Asylbewerbern

Polizisten stehen vor dem Asylbewerberheim in der Hegelstraße. Nach mehreren Angriffen unter Asylbewerber-Gruppen in Cottbus hat die Polizei damit begonnen, die betroffene Flüchtlingsunterkuft zu durchsuchen.
Polizisten stehen vor dem Asylbewerberheim in der Hegelstraße. Nach mehreren Angriffen unter Asylbewerber-Gruppen in Cottbus hat die Polizei damit begonnen, die betroffene Flüchtlingsunterkuft zu durchsuchen. © Foto: dpa/Michael Helbig
dpa / 13.06.2018, 17:22 Uhr - Aktualisiert 13.06.2018, 20:14
Cottbus (dpa) Cottbus geriet schon zu Jahresbeginn wegen Attacken zwischen Deutschen und Ausländern bundesweit in die Schlagzeilen. Die Lage hatte sich zuletzt nach Einschätzung vieler beruhigt. Doch jetzt gibt es neue - anders gelagerte - Vorfälle.

Binnen Stunden hat es in Cottbus gleich mehrere heftige Angriffe unter Asylbewerbern mit Verletzten gegeben. Wegen der Vielzahl der Auseinandersetzungen wurden am Dienstag alle verfügbaren Kräfte der Polizeidirektion Süd, der Bereitschaftspolizei und ein Polizeihubschrauber nach Cottbus beordert, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. 26 Tschetschenen seien in der Nacht in Polizeigewahrsam genommen worden. Am Mittwochabend wurde außerdem ein 27-jähriger Mann aus Afghanistan vorläufig festgenommen. Er wird dringend verdächtigt, mit einem Messer bewaffnet an den Auseinandersetzungen am Vorabend beteiligt gewesen zu sein.

Am Mittwoch durchsuchte die Polizei einem Sprecher zufolge per richterlicher Anordnung die betroffene Flüchtlingsunterkunft. Dies diene dem Ziel, möglicherweise vorhandene Waffen sicherzustellen und weitere Auseinandersetzungen zu verhindern. Man wolle mit aller Konsequenz die Straftaten aufklären. Die Durchsuchungen dauerten am Nachmittag noch an. Bislang seien Schlagwerkzeuge sichergestellt worden, die teilweise in Verstecken lagen. Darunter seien Golfschläger, massive Holzlatten und Fahrradschlösser.

Bei den Attacken unter Asylbewerbern erlitt ein 28 Jahre alter Tschetschene eine Stichverletzung im Rippenbereich, zwei weitere Landsmänner im Alter von 17 und 18 Jahren trugen Kopfverletzungen davon, drei Afghanen (19, 20 und 27 Jahre) Gesichtsverletzungen. Ein Zeuge habe die Beamten zu einem Sportplatz gerufen, in der Nähe befindet sich das Asylbewerberheim. Die Polizei habe zwei Gruppen angetroffen: Etwa 15 Männer aus Afghanistan auf dem Sportplatz und eine größere Männergruppe aus Tschetschenien an der Unterkunft.

Bereits am Sonntag hatte es im selben Asylbewerberheim im Süden von Cottbus laut Polizei eine Schlägerei gegeben. Ein 28 Jahre alter Afghane war demnach von mehreren Männern aus Tschetschenien angegriffen worden. Der Verletzte kam ins Krankenhaus. Nach Polizeiangaben hatte den Angreifern missfallen, dass der Mann mit entblößtem Oberkörper zurück zur Unterkunft kam, nachdem er Sport getrieben hatte.

Bei der Flüchtlingsunterkunft handelt es sich nach Angaben der Stadtverwaltung Cottbus um einen Verbund mehrerer Wohnungen. Derzeit lebten dort rund 180 Menschen, davon 30 alleinstehende Männer. Neben Afghanen und Tschetschenen seien dort unter anderem auch Menschen aus Nigeria, Pakistan, Syrien und dem Irak untergebracht.

Am Dienstag kam es laut Polizei kurz nach den Vorfällen im Umfeld der Asylbewerberunterkunft zu einem weiteren Angriff in der Notaufnahme des Cottbuser Klinikums. Ein Tschetschene habe mit einem Feuerlöscher gegen den Kopf eines Afghanen geschlagen, ein Klinikmitarbeiter habe daraufhin die Beamten alarmiert.

An einem anderen Ort sei wenig später zudem ein Syrer von acht Afghanen mit Faustschlägen und Pfefferspray angegriffen worden. Ein Deutscher soll außerdem in der Innenstadt von einer mit Latten ausgerüsteten Gruppe verfolgt worden sein. Ein Zeuge habe die Polizei alarmiert, hieß es. Die Nationalität der Menschen aus der Gruppe war noch unklar.

Die 26 Tschetschenen wurden laut Polizei am Mittwochnachmittag wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Nach den Vorfällen am Dienstag ermitteln die Beamten wegen Landfriedensbruchs. Dabei handelt es sich laut Strafgesetzbuch (Paragraf 125) unter anderem um Gewalttätigkeiten gegen Menschen, die aus einer Menschenmenge heraus in einer die öffentliche Sicherheit gefährdenden Weise begangen werden.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) kritisierte die Übergriffe unter den Asylbewerbern scharf: „Eine derartige Eskalation der Gewalt ist nicht hinnehmbar, gerade nicht von Menschen, die angeben, vor Gewalt in ihrer Heimat bei uns in der Stadt Schutz zu suchen. Wenn Gespräche und klare Ansagen nichts nutzen, dann muss konsequent und rechtsstaatlich gestützt abgeschoben werden.“

Erst am Dienstag hatte das brandenburgische Innenministerium mitgeteilt, dass es in der Cottbuser Innenstadt eine neue Anlaufstelle für Sicherheit und Ordnung für Bürger geben soll. Dort sollen Polizisten und Ordnungsamt Ansprechpartner sein.

Cottbus war Anfang des Jahres bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil es in Brandenburgs zweitgrößter Stadt zu gehäuften Angriffen zwischen Einheimischen und Ausländern gekommen war. Zudem hatte es im vergangenen Jahr immer wieder an Brennpunkten Angriffe und Pöbeleien zwischen mehreren Gruppen - darunter Trinkermilieu, Drogenszene, Jugendliche, Rechtsextreme und Flüchtlinge - gegeben. Die Stadt hatte deshalb ein zeitweise geltendes Alkoholverbot in Teilen der Innenstadt eingeführt.

Ein weiteres Flüchtlingsheim in Südbrandenburg hatte ebenfalls am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Polizisten fuhren in die Unterkunft in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz), weil dort ein Asylbewerber aus dem Tschad randaliert haben soll. Laut Polizei ging er dabei mit einem Messer auf die Beamten los, worauf der 24-Jährige durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe an der Schulter verletzt wurde.

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