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Bildungsausschuss des Landtags diskutiert über Computernutzung an Schulen

Digitalisierung
Die Medienscheu der Lehrer

Modern: Ein Schüler der Voltaire-Schule in Potsdam löst eine Aufgabe mit iPad und Computer.
Modern: Ein Schüler der Voltaire-Schule in Potsdam löst eine Aufgabe mit iPad und Computer. © Foto: dpa/Bernd Settnik
Mathias Hausding / 15.06.2018, 07:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Der Landtag hat am Donnerstag eine Bestandsaufnahme zu Digitalisierung und Medienbildung an den Schulen gemacht. Frohe Kunde war kaum zu erwarten. Vom Ausmaß der Defizite zeigten sich mehrere Abgeordnete jedoch schockiert.

Brandenburger Schüler sollten früh an die Arbeit mit modernen Medien herangeführt werden. Darin waren sich in der Expertenanhörung vor dem Bildungsausschuss alle einig. Es gehe darum, neue Formen der Wissensvermittlung zu erschließen und einen kritischen Umgang mit Medien zu lernen.

So weit die Theorie. In der Praxis sieht es so aus, dass sich im Brandenburg des Jahres 2018 nicht einmal angehende Lehrer im Studium mit dem Thema befassen. Es war vor allem der Vortrag von Ilka Goetz vom Zentrum für Lehrerbildung an der Uni Potsdam, der für Kopfschütteln und teils scharfe Kritik der Abgeordneten sorgte. Goetz räumte ein, dass es keine verpflichtende Lehrveranstaltung zur Medienbildung gebe. Digitale Medien würden in der Lehre „nur punktuell“ zum Einsatz kommen.

Hinzu komme, dass Lehramtsstudenten tendenziell eher wenig Neigung zur Arbeit mit den digitalen Medien hätten. Ilka Goetz konnte dazu auf Studien verweisen, wonach bei Nachwuchs-Lehrern das gedruckte Buch weiterhin höchste Wertschätzung genieße und moderne Medien teilweise ganz bewusst gemieden werden.

Die Grünenabgeordnete Marie Luise von Halem zeigte sich „erschrocken“ von diesen Schilderungen und sprach von einem „vernichtenden Fazit“. Helmut Barthel (SPD) warf der Uni Tatenlosigkeit vor. „Wenn ich das höre, muss ich mich fragen, ob wir mit dem Zentrum für Lehrerbildung gut aufgestellt sind“, ärgerte sich der Abgeordnete. Er wollte genauso wie Kathrin Dannenberg (Linke) wissen, was die Universität für eine Verbesserung der Situation unternehme.

Ilka Goetz blieb in ihren Antworten vage. Ein verpflichtendes Modul zur Medienbildung sei wichtig, aber nicht so einfach umzusetzen. Wo genau die Hürden liegen, ließ sie offen. Immerhin habe man im vergangenen Jahr einen Arbeitskreis gegründet, um das Thema anzugehen. Im Übrigen sei der Schulbereich „ein Tanker, bei dem Veränderungen ihre Zeit brauchen“.

Matthias Specht vom Landesfachverband Medienbildung Brandenburg (LMB) bemühte sich in seinem Vortrag um einen optimistischen Grundton. So gebe es viele Akteure und Projekte im Land zum Thema Medienbildung. Es fehle jedoch Vernetzung sowie ein Konzept für die flächendeckende Versorgung.

Der Medienwissenschaftler Guido Bröckling berichtete mit Verweis auf eine Studie über die Kooperation zwischen externen Partnern und Schulen, dass es an bildungspolitischen Vorgaben fehle, was Medienbildung zu leisten habe. „Alles wird bei den Schulträgern abgeladen, über Verantwortlichkeiten und Ziele wird kaum gesprochen.“ Bröckling erzählte an einem Beispiel, wie gute Medienbildung aussehen könne. So habe man vor einem Jahr an einer Schule in Prenzlau fächerübergreifend den stark über Medien geführten US-Wahlkampf analysiert. „Die Schüler schlüpften in verschiedene Rollen, und die Hauptaufgabe war die mediale Vermittlung von Standpunkten.“

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