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Susanne Melior
Brandenburgs Stimme in Brüssel

Josefin Roggenbuck / 21.06.2018, 06:30 Uhr
Brüssel/Potsdam (MOZ) Sie gilt als Brandenburgs sozialdemokratische Stimme in Brüssel. Bei den kommenden Europawahlen tritt Susanne Melior nicht mehr an. Als Nachfolger wäre ihr am liebsten jemand Junges. Doch ob überhaupt ein Kandidat der Brandenburger SPD ins Europaparlament einzieht, hängt nicht nur vom Wahlergebnis ab.

Es ist einer dieser warmen Sommertage, den Susanne Melior am liebsten im heimischen Garten in Michendorf genießt. Die studierte Biologin liebt die Natur. Aber auch die Politik. Seit knapp 30 Jahren ist sie dort aktiv – zuerst auf kommunaler Ebene, dann als Mitglied des Landtages. Immer für die SPD. Für ihre Partei ist sie nach den vergangenen Europawahlen im Jahr 2014 ins europäische Parlament eingezogen, gehört der Fraktion S&D an. Seitdem pendelt sie fast jeden Montag nach Brüssel oder Straßburg, Donnerstag geht der Flieger zurück nach Berlin.

Im kommenden Jahr tauscht die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin ihre Brüsseler Wohnung wieder gegen das Einfamilienhaus auf dem Land. Sie wird nicht mehr um ein Mandat kämpfen, was ihr aber nicht so schwer fällt. „Klar, die Arbeit hat Spaß gemacht und ich habe sie auch gern getan. Sie war aber auch sehr anstrengend“, sagt Melior. Es sei ein ständiges Leben aus dem Koffer gewesen, das sie nun so nicht mehr führen will.

Doch ein wenig gerät die 59-Jährige ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Arbeit der vergangenen Jahre berichtet. Der Wechsel vom Landtag ins Europaparlament sei für sie wie ein Blick über den Tellerrand gewesen. In den ersten Wochen habe sie dort den Vertretern der anderen Mitgliedstaaten in den Sitzungen staunend zugehört, sich dann immer mehr eingebracht. „Ich bekam ein Gefühl dafür, wie andere Mitgliedsstaaten ticken“, sagt Melior. Sie ist im Ausschuss für Umweltfragen und Lebensmittelsicherheit sowie im Landwirtschaftsausschuss aktiv.

Dort beschäftigt sich die Brandenburgerin gerade unter anderem mit der Alkoholrichtlinie. Also der Regulierung, wann beispielsweise ein Eierlikör als Eierlikör bezeichnet werden darf. Bislang muss die Spirituose aus Eigelb, Alkohol und Zucker sowie Aromen bestehen. Milchprodukte dürfen nicht zugesetzt werden. Zuvor ging es auch um geografisch geschützte Lebensmittel, beispielsweise die Spreewälder Gurke oder den Beelitzer Spargel, die nach EU-Recht nur so bezeichnet werden dürfen, wenn sie auch daher kommen. Die Regulierung gilt europaweit: auch für Tiroler Bergkäse oder Krupnioki slaskie (Schlesische Grützwurst).

Einen Fraktionszwang, wie er im Bundestag typisch ist, gab es nicht. Trotzdem wurden Entscheidungen anhand von Parteilinien getroffen. Doch die Orientierung auf die Sache bestimme das Tagesgeschehen, auch im Austausch mit Kollegen anderer Fraktionen, erläutert Melior und fügt noch hinzu: So manche Regulierungen mögen kleinteilig rüberkommen, sie seien aber trotzdem wichtig für den gesamten Binnenmarkt.

Während ihrer Arbeit habe sie stets den Blick für ganz Europa behalten, sagt Melior. Das wünscht sie sich auch von ihrem Nachfolger. Doch die Zeiten für die SPD sind nicht gerade rosig, noch schlimmer trifft es die Brandenburger Sozialdemokraten. Zur Europawahl im Frühsommer stellt die SPD eine Europaliste auf. Bislang war ein Kandidat aus der Mark stets im vorderen Drittel zu finden. Melior reichte 2014 Listenplatz 23, um in das Parlament einzuziehen. Da bekamen die Sozialdemokraten aber auch noch 27 Prozent der Stimmen, also auch 27 Mandate für das Parlament. Bei der derzeitigen Schwäche der SPD, Umfragewerte belaufen sich auf durchschnittlich 18 Prozent, wird es nicht mehr reichen. Da müssten andere Landesverbände Plätze frei machen.

Darauf, auf ein plötzliches Erstarken der SPD und auf einen jüngeren Kandidaten hofft Melior jetzt. Den jungen Leute müsse eine Chance gegeben werden. Nicht wie sie es gemacht hat – von der Kommunal-, über die Landes- zur Europapolitik –, sondern einfach mal die umgekehrte Leiter nehmen. Und wenn derjenige dann aus Brüssel zurückkehrt, hat er die nötige Erfahrung mitzuarbeiten, etwas zu bewirken, sagt die 59-Jährige. Im Europaparlament werden schließlich die grundlegenden Entscheidungen der Politik getroffen.

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