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Rund 280 öffentliche WCs sollen in zwei Jahren stehen

Mehr stille Örtchen
Berlin baut neue öffentliche Toiletten

Blick auf eine City Toilette. In Berlin soll es künftig mehr öffentliche Toiletten geben - viele Anlagen werden auch abgerissen und neugebaut.
Blick auf eine City Toilette. In Berlin soll es künftig mehr öffentliche Toiletten geben - viele Anlagen werden auch abgerissen und neugebaut. © Foto: dpa/Jörg Carstensen
dpa / 26.06.2018, 18:40 Uhr
Berlin (dpa) In Berlin soll es künftig mehr öffentliche Toiletten geben. Viele Anlagen werden dabei abgerissen und neu gebaut. Rund 280 öffentliche WCs sollen in zwei Jahren in der Hauptstadt stehen, wie Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos) am Dienstag sagte. Bisher gebe es 250 Anlagen. Weitere stille Örtchen sollen ab 2021 dazukommen, dann könnten es 366 werden.

Betrieben werden die meisten Toiletten auch in Zukunft vom Unternehmen Wall. Es habe sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt, sagte Günther. Etwa zwei Drittel der älteren Toiletten werden abgerissen. Wer unterwegs mal muss, soll auch in Zukunft 50 Cent zahlen.

Bei der Gebühr gehe es weniger um die Einnahmen, sondern eher um den Schutz gegen Missbrauch, erläuterte Günther. Damit man die Toiletten findet, ist eine App geplant. Die Anlagen sollen barrierefrei sein, 28 bekommen einen Wickeltisch. Nicht geplant seien Frauen-Urinale, sagte Günther. Sie betonte: „Wir haben entgegen dem Gerücht keine Trockentoiletten. Nirgendwo.“

Um das Toilettenkonzept des Senats hatte es einigen Wirbel gegeben. Denn Wall betreibt schon jetzt den Großteil der öffentlichen WCs, darunter 170 automatische City-Toiletten. Der Stadt entstanden bisher keine Kosten, weil das Unternehmen im Gegenzug Werbeflächen nutzen durfte. Nun will das Land beides trennen: Berlin vermarktet die Werbeflächen selbst, bezahlt dafür aber den Toilettenbetreiber.

Günther begründet das mit rechtlichen Gründen. Sie finde solche „Koppelgeschäfte“, wo viel Geld intransparent am Abgeordnetenhaus vorbei vergeben werde, nicht richtig. Die neuen Toiletten sollen auch nicht mehr nur an Orten entstehen, wo es viele Werbeflächen gebe. Zudem lohne sich das Ganze finanziell.

Der neue Vertrag mit Wall läuft 15 Jahre. Der Senat rechnet damit, dass er während dieser Zeit etwa 350 Millionen Euro mit den Werbeflächen einnimmt. Der Toilettenbetrieb koste etwa 240 Millionen Euro, hinzu kämen Kosten für die Brunnen (60 Millionen Euro) und die Kontrolle der Anlagen (7,5 Millionen). Damit bleibe unter dem Strich ein Gewinn von etwa 40 Millionen Euro.

Der FDP-Abgeordnete Thomas Seerig bezweifelte, dass der Senat wirklich so viel Geld mit Werbung einnimmt. „Wir werden ein kritisches Auge darauf haben, ob das Land hier ins Minus rutscht oder man sich die Bilanz schönrechnet“, hieß es in einer Stellungnahme. Die CDU nannte die Entscheidung für Wall richtig, es sei aber fraglich , ob die Abkehr vom „bisher erfolgreichen Toilettenkonzept“ wirklich alternativlos gewesen sei.

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