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Bus zum Schnäppchenmarkt
Für fünf Euro nach Polen

Schnäppchen und ein bisschen Abwechslung: Die Rentnerinnen Monika König und Gerlinde Möller stehen in Berlin vor dem Bus zum Polenmarkt nach Osinów Dolny.
Schnäppchen und ein bisschen Abwechslung: Die Rentnerinnen Monika König und Gerlinde Möller stehen in Berlin vor dem Bus zum Polenmarkt nach Osinów Dolny. © Foto: dpa/Jörg Carstensen
Caroline Bock / 07.07.2018, 08:30 Uhr
Berlin/Cedynia (dpa Dietrich Schröder) Von Berlin-Marzahn fährt drei Mal täglich ein Bus zum Schnäppchenmarkt an die deutsch-polnische Grenze. Was hat es damit auf sich? Und wer fährt da mit?

Schon eine halbe Stunde vor Abfahrt stehen die Leute Schlange am Bus. Dabei ist nicht Monatsanfang. Wenn es Hartz IV gibt, kann es voll werden. Das hat Monika König erlebt. „Ich bin einmal nicht mitgekommen“, erzählt die Rentnerin. Drei Mal täglich fährt der Bus zum Einkaufen nach Osinów Dolny (Niederwutzen), östlich von Bad Freienwalde. Fünf Euro kostet das einfache Ticket.

Der Bus wird vom dortigen Polenmarkt organisiert. Viele unternehmenslustige Rentner sind unterwegs, auch Menschen, die aufs Geld gucken müssen. „Ich kaufe nur Zigaretten, dann fahre ich zurück“, sagt eine Frau. Die Stange koste sie 29 statt 70 Euro. Das lohnt sich, wenn man Zeit hat. Der Bus fährt an Windrädern, Wiesen und Dörfern vorbei. Nach etwas über einer Stunde biegt er auf den Parkplatz des Polenmarkts.

An den Ständen gibt es: Zigaretten, Bier, Unterhosen, Schaschlik, Gardinen, Radkappen, Brautkleider, Kinderwagen, Gartenzwerge, Schlagermusik, Schlagringe, Unkrautmittel, Hundekörbe und Blumen. Man kann in Euro bezahlen. Im Restaurant steht Soljanka-Suppe auf der Karte, der Cappuccino wird mit Sprühsahne serviert. Die Verkäufer rufen „Tabak, die Dame?“ oder „Zigaretten vielleicht, hallo?“

Wer die Berlin-Brandenburger Schnauze sucht, hier auf dem Markt ist sie unterwegs. „So‘ne Klimperscheiße“, sagt eine Frau, die an einem Stand mit Deko und Windspielen für den Balkon vorbeigeht. Am Schmuckstand buchstabiert Jacqueline Schwerdtfeger ihren Namen: „mit ‚dt’, wie Damentoilette“.

Ein Rentner-Ehepaar hat sich für 60 Euro mit Petunien, Elfenspiegel und Verbenen für den Balkon eingedeckt. Für die Blumen würden sie in Deutschland das Doppelte bezahlen, erzählen sie. Ein etwas verwittert aussehender Berliner sagt: „Beim Fidschi sind die Zigaretten billiger, aber da sind auch geschredderte CDs drin.“ Ob die Behauptung mit den CDs stimmt – naja.

Am vergangenen Sonntag gab es mit dem Bus einen Unfall. Der Fahrer war laut polnischen Medienberichten beim Losfahren an der Haltestelle in Osinów Dolny mit acht Personen – die meisten Rentner – zusammengestoßen. Polnische Rettungskräfte übernahmen die Versorgung der leicht Verletzten.

Etwa vier Stangen Zigaretten pro Person sind bei der Einreise nach Deutschland erlaubt. Beim Zoll heißt es: „Es wird kontrolliert, klar.“ Auf dem Markt geht es aber nicht nur um billiges Benzin und Zigaretten. Es ist auch ein bisschen Abwechslung, wie Kino. „Man kann über Leute lästern“, sagt Monika König, eine von den unternehmungslustigen Rentnerinnen aus dem Osten Berlins. Als sie und Gerlinde Möller wieder in den Bus steigen, haben sie Tomatenpflanzen und Gardinen in ihren Tüten.

Vom 16. Juli, 12 Uhr, bis zum 28. Juli wird die Oderbrücke, über die man nach Polen kommt, für Bauarbeiten gesperrt. Der Bus fährt trotzdem „bis zum Parkplatz auf deutscher Seite“, wie man bei der Telefon-Hotline des Anbieters erfährt. Über die Brücke zum Markt müsse man dann fünf Minuten laufen.

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