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Friederike von Born-Fallois ist seit 30 Jahren Aufpasserin im Museum / Für sie ist das mehr als ein Job

Berlinische Galerie
Die Hüterin der Kunst

Immer ein offenes Ohr für die Besucher: Friederike von Born-Fallois in einem Ausstellungsraum mit Arbeiten von Loredana Nemes in der Berlinischen Galerie.
Immer ein offenes Ohr für die Besucher: Friederike von Born-Fallois in einem Ausstellungsraum mit Arbeiten von Loredana Nemes in der Berlinischen Galerie. © Foto: dpa/Kristin Bethge
Thomas Sabin / 09.07.2018, 06:30 Uhr
Berlin (dpa) Wer ins Museum geht, sieht sie im Hintergrund stehen oder sitzen: Mitarbeiter, die auf die Kunst aufpassen. Ist das ein öder Job? Ein Besuch in der Berlinischen Galerie.

Fast jeder Beruf hat seinen typischen Satz. Für die Aufpasser in Museen lautet er: „Nicht so dicht ran“. Manchmal fallen die Sätze im Befehlston, so dass sich Besucher fast ein bisschen erschrecken. Friederike von Born-Fallois macht ihren Job auf die charmante Art. Befehle sind nicht ihr Ding. Sie liebt Kunst. Und sie schätzt Menschen, die sie gern betrachten. Die 58-Jährige arbeitet seit 30 Jahren in der Berlinischen Galerie, einer guten Adresse für moderne Kunst in einem ehemaligen Glaslager. Für sie ist es mehr als ein Job.

Von Born-Fallois trägt Galeristen-Schwarz. Sie sitzt vor den schwarz-weiß Fotos der Künstlerin Loredana Nemes. „Gier, Angst, Liebe“ heißt die Ausstellung. Als Besucherbetreuerin begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen: Studenten mit Skizzenblock, Touristen, Schulklassen – und ausgewiesenen Kunstkennern. Und wie sehen sie die Aufsicht? „Viele denken, dass wir ein umfangreiches Kunstwissen haben müssen“, sagt von Born-Fallois. „Das ist nicht so. Wenn, dann weil es aus persönlichem Interesse entsteht.“ Wie bei ihr.

Mit der Zeit kann sie Gäste erkennen, die Kunst gern im Stillen betrachten. Und die anderen mit den vielen Fragen. Die sind bei ihr richtig. „Als Besucherbetreuerin versuche ich, die Kunst in die Herzen und Köpfe der Gäste zu transportieren.“

Wer ins Museum geht, weiß sich meist zu benehmen. Nur selten will jemand Mantel oder die Tasche nicht abgeben. Eher schon gibt es Debatten, weil Besucher keine Fotos machen dürfen. Solche Konflikte sind Teil des Jobs. „Doch die meisten Besucher sind überaus freundlich“, lobt von Born-Fallois.

Ihre wichtigste Aufgabe sei die Sorge dafür, dass die Kunst während einer Ausstellung so belassen wird, wie sie ist. Manchmal sei das mit Erschöpfung verbunden – immer gleich aufmerksam zu sein, dass Besucher in sicherer Entfernung zu den Werken bleiben. Aber manchmal passiert es eben doch – und Kunst wird von Besuchern beschädigt.

2004 randalierte eine Frau während der Flick-Ausstellung im Museum Hamburger Bahnhof. Das überrumpelte Wachpersonal konnte nicht mehr eingreifen. 2015 füllte eine 91 Jahre alte Besucherin im Neuen Museum Nürnberg spontan ein Kreuzworträtsel-Kunstwerk aus. Und ein Jahr stellte sich eine Putzfrau in Mannheim die Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? Im Ergebnis ließ sie Teile der Installation „Behausung 6/2016“ im Mülleimer verschwinden. Die Künstlerin war verärgert, aber sie reagierte souverän: Sie baute die Mülleimer in ihr Werk ein.

Solche Beschädigungen kämen zum Glück selten vor, sagt von Born-Fallois. Der Druck für die Aufpasser sei dann besonders hoch, wenn sich ein Museum fülle. Auch Schulklassen können zur Herausforderung werden. Dennoch findet sie: „Das ist ein toller Job.“ Die positiven Erfahrungen überwögen. Um die Kunst zu schützen, hat sie noch eine andere Möglichkeit gefunden: Begeisterung. Sie referiert impulsiv über die Werke und geht dabei tief ins Detail. Sie interpretiert das, was sie sieht. „Manche Kollegen entwickeln mit der Zeit eine eigene Beziehung zu den Werken“, sagt sie. Und wohl niemand schaut die Kunst so oft an wie die Museumsaufsicht.

Oft beobachtet von Born-Fallois die Reaktionen der Besucher auf die Kunst. „Das hilft, die Eintönigkeit zu kompensieren“, sagt sie. Manchmal kommt sie mit einem Gast ins Gespräch. „Diese Unterhaltungen haben mich enorm bereichert.“ Einen anderen Job mag sie sich nicht vorstellen. „Ich bin eine Art Hüterin der Kunst.“

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