Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Baustart verschoben
Streit um Eisenbahnbrücke vorerst beigelegt

So soll sie einmal aussehen: Die Computerdarstellung zeigt den Siegerentwurf einer Netzwerkbogenbrücke für die Bahn über die Oder bei Küstrin. Die Bahn will in Planung und Bau dieser und einer Vorflutbrücke 47 Millionen Euro investieren.
So soll sie einmal aussehen: Die Computerdarstellung zeigt den Siegerentwurf einer Netzwerkbogenbrücke für die Bahn über die Oder bei Küstrin. Die Bahn will in Planung und Bau dieser und einer Vorflutbrücke 47 Millionen Euro investieren. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Dietrich Schröder / 12.07.2018, 08:15 Uhr
Küstrin (MOZ) Auf dem jüngsten deutsch-polnischen Bahngipfel, der Anfang Juni in Potsdam stattfand, hatte diese Nachricht für heftige Debatten gesorgt: Eine neue, von deutscher Seite bereits komplett geplante Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin kann nicht gebaut werden, weil es von polnischer Seite  nachträgliche Forderungen gab. Das Ministerium für Hochsee- und Binnenschifffahrt in Warschau hatte gefordert, dass die Durchlasshöhe dieser Brücke von 5,20 auf sieben Meter erhöht werden soll.

Hinter dieser Forderung standen Pläne, die Oder als Wasserstraße so auszubauen, dass dort auch zweilagig beladene Containerschiffe  fahren können. Was angesichts der seit Jahren anhaltenden Niedrigwasserstände auf dem Grenzfluss anmutet wie ein Witz, war der Warschauer Seite bitterernst.

Die Deutsche Bahn hatte ihre Pläne für die Neubauten 2015 vorgestellt. 47 Millionen Euro sind für die Brücke über den Hauptstrom sowie eine weitere über die westliche Odervorflut  veranschlagt. Der Baustart hätte ursprünglich in diesem Sommer sein sollen. Der Neubau ist dringend erforderlich, weil die derzeitige Brücke schon in der technischen Abnutzungsphase ist. Ihre Pfeiler sind über 150 Jahre alt, die Oberteile waren nach 1945  nur als Provisorium gedacht und Züge dürfen maximal noch mit 30 km/h über das Bauwerk schleichen.

Die Verwaltungschefin der Wojewodschaft Lebuser Land, Elzbieta Polak, hatte den Bahngipfel in Potsdam genutzt, um Druck auf die Zentralregierung in Warschau auszuüben. Denn auch bei einer zweiten Brücke, die in der Nähe von Zielona Góra über die Oder gebaut werden soll, bestand das gleiche Problem. Auch hier musste der Baustart wegen der gleichen Höhen-Forderung verschoben werden.

Jetzt hat das polnische Ministerium offenbar eingelenkt. „Die beiden Brücken können wie ursprünglich geplant gebaut werden“, verkündete Polak am Dienstag, nachdem eine entsprechende Information aus Warschau bei ihr eingegangen war. Die Regionalpolitikerin verwies zugleich auf die entstandenen Verzögerungen.

Denn auch die Deutsche Bahn hatte den Baustart wegen früherer Querelen schon auf 2020 und wegen des jetzigen Streits um weitere zwei Jahre verschoben. Am Mittwoch war man bei der zuständigen Regio-Verwaltung Nordost noch nicht offiziell aus Warschau informiert worden. „Vielleicht können wir ja doch schon ab 2020 bauen“, meinte ein Verantwortlicher.

Pure Freude dürfte die Nachricht dagegen bei Umweltschützern auslösen. Denn mit dem Rückzieher verabschiedet man sich in Polen auch indirekt von den hochtrabenden Plänen für den Ausbau des Flusses.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG