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Sommerserie
Mönche importierten den Karpfen

Mario Merkel / 12.07.2018, 08:30 Uhr - Aktualisiert 12.07.2018, 09:36
Frankfurt (Oder) (Mario Merkel) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 3: Karpfen und Schleie.

Es gibt wohl kaum einen zweiten Fisch, an dem sich die Gemüter so reiben, wie am Karpfen (Cyprinus carpio). Ist er wirklich ein heimischer Fisch und gehört er überhaupt in unsere Gewässer?

Fakt ist, der Karpfen ist asiatischen Ursprungs und wurde erst durch Menschen nach Europa gebracht. Es sollen die Mönche im Mittelalter gewesen sein, die diesen begehrten Speisefisch in Teichen hielten, um die Fastenzeit zu überbrücken.

Doch warum ist der Karpfen eigentlich so umstritten? Dieser massige Fisch folgt seiner Bestimmung und durchwühlt mit seinem rüsselartigen Maul den Grund nach allem Nahrhaften. Alle pflanzliche und tierische Kost wird aufgenommen und verwertet. Und dabei ist er nicht zimperlich.

Große Sedimentwolken verraten dem Taucher schon von Weitem Aktivitäten des Karpfens. Die Sedimente trüben das Wasser, legen sich auf das Grün der Wasserpflanzen und vermindern Wachstum und Sauerstoffproduktion. Ganze Flächen von Unterwasserpflanzen werden gerodet und vernichtet. Man stelle sich eine Rotte Schwarzkittel im Garten vor. Dieses Verhalten verändert die Unterwasserwelt der heimischen Klarwasserseen drastisch und nachhaltig.

Der Karpfen in seinen verschiedenen Zuchtformen (Schuppen-, Spiegel- und Lederkarpfen) erfreut sich auf der anderen Seite als Speisefisch großer Beliebtheit und ist in der Fischerei ein Wirtschaftsfaktor. Angler schätzen den Drill eines kapitalen Karpfens, der ein Gewicht von 15 Kilogramm erreichen kann.

Für eine Vermehrung ist es in der Regel in den Seen zu kalt. Denn Karpfen lieben das warme Wasser. Daher erfolgt ein regelmäßiger Besatz mit Fischen aus der Zucht. Den Rahmen für den Fischbesatz gibt die Fischereiordnung des Landes Brandenburg vor. Bei den Hegemaßnahmen ist vom „heimischen, artenreichen, ausgewogenen und gesunden Fischbestand“ die Rede. Das wiederum erklärt die eingangs gestellte und viel diskutierte Frage: „Ist der Karpfen ein heimischer Fisch?“.

Dem Karpfen ist die Diskussion so ziemlich egal. Einmal in den See entlassen, tut er das, was das Genom vorgibt. Er schwimmt, wühlt, frisst und scheidet aus. Karpfen haben einen massigen Körper. Wohlgenährte Tiere können einen ausgeprägten Bauch entwickeln, nicht zu verwechseln mit der Bauchwassersucht, einer Fischkrankheit. Ein eindeutiges Merkmal für die Karpfenfische sind die beiden Barteln an den Maulwinkeln, wichtige Hautorgane für den Geschmacks- und Tastsinn. Die Barteln helfen dem Fisch das Aufspüren von Kleinlebewesen im Boden (Zoobenthos). Beobachtungen und Anglerfänge dokumentieren, dass Karpfen auch räuberisch Kleinfischen nachstellen.

Zu den Karpfenfischen, Karpfenartigen zählen unter anderen auch Gründlinge, Bitterlinge und die Schleien. Die Schleie (Tinca tinca) mit ihrem dunkeloliven, feinen Schuppenkleid und den bernsteinfarbenen Augenringen sind ausgesprochen schöne Fische. Kräftige Flossen sorgen für nötigen Vorschub und Wendigkeit. Sie sind wie die Karpfen sehr vorsichtig: Das Geräusch aufsteigender Blasen von Tauchern lässt die scheuen Fische flüchten, bevor man sie zu Gesicht bekommen hat. Allein die Sedimentwolken verraten ihre Anwesenheit.

Die Paarungszeit bei den Schleien ist in Abhängigkeit von der Wassertemperatur von April bis Juni. Die Weibchen (Rogner) legen ihre klebrigen Eier an Wasserpflanzen ab, wo sie von den Männchen (Milchner) befruchtet werden. Eine zu starke Population durch fehlende Räuber, unsachgemäßen Besatz und das hohe Alter kann Brandenburger Gewässer nachweislich und sichtbar schaden.

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