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Am Rande kommt es auch zu einem Todesfall.

Schrille Party
Zehntausende beim CSD - Unwetter verkürzt Abschlussparty

Teilnehmer feiern auf der Parade zum Christopher Street Day (CSD).
Teilnehmer feiern auf der Parade zum Christopher Street Day (CSD). © Foto: dpa/Gregor Fischer
dpa / 29.07.2018, 15:29 Uhr
Berlin (dpa) „Happy Pride!“ - Zehntausende Menschen haben in Berlin den 40. Christopher Street Day gefeiert. Langsam schob sich die Parade am Samstag vom Kudamm in Richtung Brandenburger Tor. Von dekorierten Wagen dröhnten etwa Bässe und die Village People mit „YMCA“. Am Abend brachen die Veranstalter die Abschlussfeier am Brandenburger Tor frühzeitig ab, weil Behörden vor Unwetter gewarnt hatten. Der Auftritt der ESC-Gewinnerin Netta fiel aus.

Wie die Polizei mitteilte, starb ein Mann auf der Strecke. Er brach zusammen und blieb reglos liegen. Rettungskräfte hätten versucht, ihn zurück ins Leben zu holen - ohne Erfolg. Hinweise auf Fremdverschulden gab es zunächst nicht, wie die Polizei erklärte. Eine Obduktion sei durch die Beamten angeregt worden.

Die Veranstalter sprachen von rund 600 000 Teilnehmern, die Polizei am Sonntag von mehreren Zehntausend. Am Rand drängten sich viele Schaulustige. Das Motto der Parade in diesem Jahr lautete „Mein Körper – meine Identität – mein Leben!“. Die Veranstalter veröffentlichten elf politische Forderungen, darunter für die Themen „Trans“, „lesbische Sichtbarkeit“ und „Regenbogenfamilien“.

Stundenlang hatte die Sonne die Besucher zum Schwitzen gebracht. Doch dann zog ein Gewitter auf und die Party auf der Straße des 17. Juni wurde deswegen abgebrochen. „Die Sicherheit der Teilnehmer*innen ist unsere höchste Priorität“, sagte Alexandra Knoke vom CSD-Vorstand laut Mitteilung. Gegen 19.30 Uhr war die Feier demnach zu Ende.

Wegen des Abbruchs fielen die geplanten Auftritte von Netta, der Gewinnerin des diesjährigen Eurovision Songcontests aus Israel, und DJ Felix Jaehn aus. Jaehn bedauerte auf Instagram den Abbruch des CSD: „Ich bin echt verdammt traurig, ich habe mich seit langem gefreut, mal beim CSD aufzulegen“, erklärte Jaehn am Samstag in einem Video.

Es gab auch einige Polizeieinsätze am Rande der Parade. Eine Frau wurde homophob beleidigt und mit einer Flasche ins Gesicht geschlagen. Die 28-Jährige gab laut Polizei an, von einer Unbekannten zunächst beschimpft worden zu sein. Anschließend habe die mutmaßliche Angreiferin zugeschlagen. Das Opfer erlitt am S-Bahnhof Brandenburger Tor Verletzungen am Kopf und kam ins Krankenhaus.

Ein betrunkener Mann soll außerdem mehrere Menschen angepöbelt und geschubst haben. Als eine 21-Jährige ihn darauf ansprach, soll er die Frau nach Angaben der Ermittler rassistisch beleidigt haben. Die Polizei fesselte den Mann und nahm ihn vorübergehend mit. Zivilfahnder schnappten auch drei mutmaßliche Taschendiebe.

Zur CSD-Parade kam auch viel Polit-Prominenz. „Der CSD ist ein starkes Signal queerer Selbstbehauptung“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Das wolle er denjenigen sagen, die behaupteten, der CSD sei heute nur noch Party und Kommerz. Auch Feiern könne politisch sein. Der frühere Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) war ebenfalls anwesend. Der neue US-Botschafter Richard Grenell twitterte ein Foto von sich mit Sonnenbrille.

Autofahrer mussten sich in der Hauptstadt auf erhebliche Behinderungen einstellen, Linienbusse wurden großräumig umgeleitet. Am Tag danach waren die Straßen auf der Paradestrecke seit 7.00 Uhr wieder sauber, wie ein Sprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR) mitteilte. Laut BSR hatten die Aufräumarbeiten schon direkt nach dem Start der Parade am Mittag begonnen. 130 Straßenreiniger in Orange und 60 Fahrzeuge waren laut BSR im Einsatz, unter ihnen auch die BSR-Chefin. Das Wetter hatte den Räumeinsatz erschwert.

Der CSD erinnert traditionell an Vorfälle um den 28. Juni 1969 in New York: Nach einer Polizeirazzia in der Bar „Stonewall Inn“ kam es zum Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen mit Straßenschlachten in der Christopher Street.

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