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Axel Hilpert machte erst in der DDR, dann im wiedervereinigten Deutschland fragwürdige Deals / Seit einem Monat saß er seine Haft wegen Subventionsbetrugs ab / Jetzt ist er tot

Axel Hilpert
Trauriges Ende eines schillernden Geschäftsmanns

Ein Bild aus alten Zeiten: Axel Hilpert im Frühjahr 2005 als damaliger Geschäftsführender Gesellschafter des Hotels Seaside Garden im „Resort Schwielowsee“.
Ein Bild aus alten Zeiten: Axel Hilpert im Frühjahr 2005 als damaliger Geschäftsführender Gesellschafter des Hotels Seaside Garden im „Resort Schwielowsee“. © Foto: dpa/Nestor Bachmann
Mathias Hausding / 10.08.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 10.08.2018, 06:43
Potsdam (MOZ) Erst vor einem Monat hatte der Ex-Hotelier Axel Hilpert in Berlin seine Haftstrafe wegen Subventionsbetrugs angetreten. Er war im offenen Vollzug, aber noch ohne regelmäßigen Ausgang. Am Donnerstag ist der 70-Jährige im Gefängnis wohl eines natürlichen Todes gestorben. Gewissheit soll eine Obduktion bringen.

Es war der 9. Juni 2011, als sich sein Leben um 180 Grad wendete. Bis dahin war er eine schillernde Figur, ein Mann mit Freunden in der ganzen Welt und in allen politischen Lagern. Er hatte als Stasi-Mann zu DDR-Zeiten fragwürdige Geschäfte gemacht, was ihm nicht schadete, als er nach der Wende neue Netzwerke knüpfte. Im Jahre 2007 waren in seinem Resort Schwielowsee die Finanzminister der G8-Staaten zu Gast.

Wer ihn damals traf, erlebte einen freundlichen und geselligen Mann. Gerüchte über krumme Machenschaften rund um den Bau des Luxushotels konnten ihm nichts anhaben. Axel Hilpert schien unantastbar. Und dann wird er am 9. Juni 2011 auf offener Straße festgenommen. Der Vorwurf: millionenschwerer Subventionsbetrug. Um sich zu bereichern, blähte Hilpert die Baukosten des Hotels über ein System von Scheinfirmen und Scheinrechnungen künstlich auf. Seit April ist der Richterspruch – knapp vier Jahre Haft – rechtskräftig. Vor einem Monat hatte er seine Strafe im offenen Vollzug angetreten. Nun ist er dort tot aufgefunden worden.

Hilpert und seiner treuer Clan aus Freunden und Familienangehörigen, der ihm stets den Rücken stärkte, für ihn Partei ergriff, bei jeder Gerichtsverhandlung dabei war, sie alle hielten seine Festnahme, den Prozess und das Urteil vom Anfang bis zum Ende für einen einzigen Irrtum. Dementsprechend selbstbewusst ging Hilpert am 9. Januar 2012 aus der U-Haft heraus in den ersten Prozess vor dem Landgericht Potsdam. Gelassen lächelte er zum Prozessauftakt in das Blitzlichtgewitter der Reporter, warf seiner Familie Kusshände zu.

Doch dieses Lächeln verging ihm, als er merkte, welch einen unerbittlichen Gegner er in Staatsanwalt Ivo Maier hatte. Der ließ sich nicht auf Hilperts Legende ein, wonach die Landesinvestitionsbank ILB rund um den Hotelbau alles genau so gewollt habe, wie er es eingefädelt hat. Hilperts Sohn Christian schrieb damals einen emotionalen Brief an Brandenburgs Justizminister, in dem er sich erfolglos über die harte Gangart gegen seinen herzkranken Vater beschwerte.

Juristisch drehte sich alles um die Frage, ob die ILB „Gewinnaufschläge“ von Hilpert-Firmen an Hilpert-Firmen in der vor dem Bau getroffenen Fördervereinbarung für zulässig erklärt oder ausgeschlossen hatte.

Diese Frage entschied für Hilpert über Sieg oder Niederlage. Er verlor im ersten Prozess auf ganzer Linie. In einem weiteren Verfahren wurde der durch den Betrug entstandene Schaden von 9,2 auf 2,6 Millionen Euro korrigiert, Hilperts Strafe um zwei Jahre reduziert.

Als er im April 2016 im Revisionsverfahren seine Felle davonschwimmen sah, ergriff er erstmals das Wort, um sein „Lebenswerk“ zu verteidigen. Die Bundesregierung um den damaligen Kanzler Gerhard Schröder sei es gewesen, die ihn beim Hotelbau zeitlich unter Druck gesetzt habe, dass es bei der Beantragung der Fördergelder etwas hemdsärmelig zugegangen sei.

Weiter sagte Hilpert, dass er um die Jahrtausendwende beschlossen habe, das seit 1989 zur Müllhalde verkommene Gelände eines Jugendtourist-Hotels am Schwielowsee zum Leben zu erwecken. Er habe 6000 Tonnen Abfälle entsorgt, dafür gesorgt, dass man im See wieder baden kann. „Alles ohne Honorar, ich habe das gern getan.“ Ein „Leuchtturm“ sollte sein Projekt werden. „Alle waren einverstanden, aber es gab Hürden, mit 30 verschiedenen Institutionen hatte ich zu tun.“ Und dann der Zeitdruck vor dem G8-Treffen.

Staatsanwalt Ivo Maier erinnerte nach Hilperts Ausführungen kühl daran, dass nun ein Insolvenzverwalter über das Schicksal seines Lebenswerks bestimmt. Das Resort hat seit Eröffnung stets rote Zahlen geschrieben. Inzwischen hat es neue Besitzer.

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