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Sommerserie
Gut geschützt vor Fressfeinden

Mario Merkel / 10.08.2018, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 7: die Stachligen

In der Pflanzenwelt kennt sie ein jeder. Rosen und Kakteen tragen sie: Stacheln und Dorne. Auch Bewohner der heimischen Unterwasserwelt bewehren sich mit ihnen und erfahren so Schutz vor möglichen Fressfeinden. Schon die eine oder andere Hand bekam beim Lösen eines Angelhakens die Stacheln an Kiemendeckel und Rückenflosse von Kaul- oder Flussbarsch schmerzhaft zu spüren.

Namensgebend gar sind die drei aufstellbaren Stacheln auf dem Rücken eines kleinen Räubers. Nur wenige Zentimeter groß, gehört der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) zu den Zwergen unserer heimischen Fischfauna und ist dennoch ein ganz „Großer“. Der Barschartige ernährt sich selbst räuberisch von Zooplankton, Insekten, Würmern und verschmäht den Fischlaich anderer Arten nicht. Die metallisch schimmernde und marmoriert braunschwarze, schuppenlose Haut ist mit kleinen Knochenplatten belegt. Große Brust- und Schwanzflossen sorgen für schnellen Antrieb und Wendigkeit. In den warmen Sommermonaten sind die Stichlinge in Schwärmen im Uferbereich unterwegs. Mit fallenden Wassertemperaturen im Winter ziehen sie sich zurück in tiefere Wasserschichten und ruhen am Grund im Schlamm und zwischen Dreikantmuscheln.

Die wärmende Sonne im Frühjahr weckt die kleinen Fische aus dem Winterschlaf und lässt sie erneut wieder aufsteigen. Es ist Paarungszeit. Das Männchen legt das schönste Brutkleid an und verwandelt sich in einen farbenprächtigen Fischmann. Der Kopf und die Unterseite erstrahlen in einem leuchtenden Orangerot. Die Augenringe und Seitenpartien färben sich türkisblau. Einfach schön anzuschauen.

Für das Männchen beginnt jetzt eine anstrengende Zeit. Zunächst wird aus Pflanzenteilen, Muschelresten, Steinchen und anderem seetypischen Material ein Nest gebaut und mit körpereigenem Sekret verklebt. Mit dem Maul wird die eigentliche Nestmulde geformt und wieder und wieder geprüft und korrigiert. Am Ende lockt das Stichlings-Männchen mit einem flotten Zick-Zack-Tanz ein Weibchen. Zeigt sich das Weibchen mit dem Nest zufrieden, verschwindet es darin und legt die Eier, die unmittelbar vom Männchen befruchtet werden.

Von nun an duldet das bewehrte Männchen keinen Eindringling mehr in der Nähe des Nestes. Ungeachtet der Größe wird jeder attackiert und verbissen. Dank seiner wehrhaften Stacheln an Rücken und Bauch wird der Stichling von seinem Räuber sofort wieder ausgespien, sollte er einmal in dessen Maul landen.

Aufopferungsvoll bewacht und verteidigt er das Nest, bessert es stetig aus und fächelt dem Gelege bis zum Schlupf mit den großen Brustflossen frisches Wasser zu. Zwei bis drei Wochen kräftezehrender Brutpflege fordern Opfer – und nicht jedes Männchen überlebt diesen Einsatz.

Ein weiterer Bewohner Brandenburger Seen setzt auf den Schutz durch Dornen. Der am Boden lebende Steinbeißer (Cobitis taenia), auch Dorngrundel genannt, trägt unter seinem Auge einen ausklappbaren Stachel. Mit zehn bis zwölf Zentimetern Körperlänge zählt auch der Steinbeißer zu den kleinen Fischen heimischer Seen. Sein schlanker, langgestreckter Körper lässt ihn scheinbar spielerisch in den Sand am Grund eintauchen, wo er auch die meiste Zeit des Tages verbringt.

Zum Fressen tritt er hervor und robbt auf seinen großen Brustflossen über den Sand. Braungelb gemustert ist er nur schwer auszumachen. Sein unterständiges, bartelbesetztes Maul ist ein ideales Werkzeug zur Nahrungsaufnahme. Der Steinbeißer saugt den Sand auf und filtert alles Verwertbare heraus. Die Sandkörner werden über die Kiemendeckel wieder ausgeschieden. Diese Schmerlenart benötigt den sandigen und schlammfreien Lebensraum und ist ein Indikator für gute Wasserqualität.

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