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Pilotenstreik
Ryanair vermiest Urlaubsstimmung

Schlange stehen am Schalter von Ryanair
Schlange stehen am Schalter von Ryanair © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 10.08.2018, 15:33 Uhr - Aktualisiert 10.08.2018, 16:25
Schönefeld (MOZ) Der Pilotenstreik bei der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair hat am Freitag auch Berlin und Brandenburg erreicht.

Besonders betroffen war der Flughafen Schönefeld. Zwar waren viele Schnäppchen-Touristen gewarnt, einige Familien und Pärchen hat eserst am Flughafen eiskalt erwischt. Doch sie haben Glück im Unglück.

Bei Thomas Oldrich am Terminal D liegen am Freitag die Nerven blank. Der Tscheche – Sonnenbrille, blaues Käppi, Jutebeutel - wollte um 13.15 mit seiner Familie von Berlin-Schönefeld nach Athen fliegen, das Hotel war bereits gebucht, er war schon richtig in Urlaubsstimmung. Doch sein Flug, ein echtes Schnäppchen, wurde vom Lowcoster Ryanair gestrichen. Obwohl seit Mitte der Woche klar war, dass das aufgrund des größten Pilotenstreiks in der Ryanair-Geschichte heute so läuft, hat der 42-jährige Familienvater aus Pilsen davon nichts mitbekommen. „Keine E-Mail, kein Anruf, keine SMS – und jetzt stehen wir hier“, ist Oldrich frustriert.

 

Seine Frau und seine zwei Söhne, neun und 14 Jahr alt, warten mit gepackten Koffern im Terminal A. Gebucht hat der Angestellte über die tschechische Online-Service kiwi.com, die er eben auch kontaktierte, um einen anderen Weg ans Meer zu finden. Nachdem er keinen Erfolg hatte, versuchte er es über die Ryanair-Hotline – konnte aber niemanden erreichen. „Das ist einfach nur total unprofessionell und frustrierend“, lässt Oldrich Dampf ab. Erst das Ryanair-Personal am Ticketschalter am Flughafen kann ihn beruhigen - mit einem neuen Flug. Am Sonnabendmorgen um 3.55 werden er und seine Familie nach Athen fliegen, auch wenn sie in Kos zwischenlanden müssen.

Weil die Piloten des Billigfliegers Ryanair von Freitag 3.01 Uhr bis Sonnabend 2.59 Uhr streikten, musste das irische Unternehmen europaweit 400 von 2400 geplanten Flügen absagen. Es ist der größte Unternehmensstreik in der Geschichte des irischen Lowcosters – und das mitten in der Urlaubszeit: Etwa 55 000 Passagiere waren betroffen, davon 42 000 in Deutschland. Betroffen vom Streik waren zahlreiche Verbindungen, die aus Deutschland abheben sollten. Besonders betroffen war der Flughafen Berlin-Schönefeld, wo Ryanair 31 von 46 Flügen gestrichen hat. In Tegel kenzelten die Iren nur vier von 10 Flügen, von beiden Flughäfen starteten zahlreiche Flüge mit Verspätung.

Zurück am Terminal D: Für das Personal am Infostand „Flughäfen Berlin Brandenburg“ war es ein vergleichsweise ruhiger Tag. Wo zu Ende der Woche normalerweise Chaos herrscht, ist es heute sehr überschaubar. Die Schlange vor den Ryanair-Schaltern hat sich zur Mittagszeit gelichtet. „Wir sind mitten in der Urlaubssaison, normalerweise ist hier das Chaos los, heute ist es sehr ruhig“, sagt ein Mitarbeiter, der seit 6 Uhr morgens vor Ort ist. „Viele wussten Bescheid, weil sich der Streik so früh abzeichnete.“ Und diejenigen, die direkt über Ryanair gebucht haben, wurden per E-Mail über ihren gestrichenen Flug informiert, bestätigt die Leere am Flughafen.

Es gibt jedoch einige Ausnahmen, vor allem bei Kunden von Online-Reisebüros. Eine Frau mit zwei Riesenkoffern und deutlichen Augenringen neben dem Checkin-Schalter sieht verloren aus. Wie sich herausstellt, hat Manan Bankar, 36, aus Indien einen romantischen Sommertrip mit ihrem Freund geplant – doch auch ihr Flug um 12.40 Uhr nach Venedig wurde gestrichen. Sie sind am frühen Morgen aus Wroclaw angereist, wo sie leben und arbeiten. „Wir waren total überrascht, dass der Flug ausfällt, keiner hat uns benachrichtet“, sagt Manan Bankar, sie ist noch ganz aufgeregt. Ihr Freund hat am Ticketschalter einen neuen Flug ergattern können: Um 6 Uhr morgens über Bari nach Venedig. Für sie entstehen keine zusätzlichen Kosten, nur eine Nacht um Hotel haben sie vergeblich bezahlt.

Auch für Familie Oldrich ging es glimpflich aus: Die Tschechen machen sich notgedrungen noch einen weiteren Sightseeing-Tag in Berlin. „Wir fahren jetzt zurück in die Stadt und schauen uns das Pergamon-Museum an“, verrät

Thomas Oldrich, der kurz vor 12 Uhr mit seinem Koffer in Richtung Bahnhof Schönefeld rollt. Im Laufe des Sonnabends wird er vermutlich endlich im Urlaub ankommen.

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