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Nach Gerichtsentscheid zugunsten des Tierschutzes und gegen Windräder zerstören Unbekannte einen Horst bei Klosterfelde

Tierschutz
Vertreibung der Schreiadler

Vom Aussterben bedroht: der Schreiadler, hier ein Exemplar aus der Vogelschutzwarte in Woblitz bei Himmelpfort. In Brandenburg sind für den auf der Roten Liste geführten Greifvogel nur noch 22 Reviere registriert.
Vom Aussterben bedroht: der Schreiadler, hier ein Exemplar aus der Vogelschutzwarte in Woblitz bei Himmelpfort. In Brandenburg sind für den auf der Roten Liste geführten Greifvogel nur noch 22 Reviere registriert. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Sabine Rakitin und Hans Still / 23.08.2018, 06:35 Uhr
Klosterfelde (MOZ) Der Horst eines Schreiadlers ist von Unbekannten in der Nähe eines Windfeldes bei Klosterfelde (Barnim) beseitigt worden. Damit entfällt möglicherweise ein wichtiges Argument der Windkraftgegner gegen den Bau neuer Anlagen. Die Gemeinde Wandlitz wird nun Strafanzeige gegen Unbekannt stellen.

Wie ein Mahnmal steht bei Klosterfelde eine bis zur Hälfte errichtete Windkraftanlage seit Monaten in der Landschaft. Nicht nur der Rotor und das Getriebe fehlen, der Turm ragt im Vergleich zu den übrigen Windspargeln nur halb so hoch in die Höhe. Der Gemeinde Wandlitz war es im Frühjahr in einem Eilverfahren beim Oberverwaltungsericht (OVG) gegen das Landesumweltamt gelungen, einen Baustopp zu erwirken und erfolgreich durchzusetzen, da der Investor anfangs noch mutig weiterbauen ließ.

Eines der wichtigsten Argumente gegen den Bau der Anlage liefert der per Gesetz garantierte Schutz bedrohter Arten (Rote Liste). Schwarzstörche wurden im Umfeld des Windrades registriert, ebenso ein Brutpaar Schreiadler. Hoch geheim sind die Standorte, die von Fachleuten des Landesumweltamtes immer wieder mal inspiziert werden. Bei einer derartigen Begehung machten die Kontrolleure jüngst eine Entdeckung, die Hans-Joachim Klemm von der Bürgerinitiative „Hände weg vom Liepnitzwald“ als „niederträchtige Straftat“ geißelt. Der Adlerhorst ist nämlich spurlos verschwunden und an der Baumrinde finden sich urplötzlich die Spuren von Klettereisen. „Wir stehen sprachlos vor dieser Sauerei“, kleidet der Klosterfelder Ortsvorsteher Klaus Pawlowski seine Wut in Worte.

Über die möglichen Täter haben längst Spekulationen eingesetzt. So will keiner der Windkraftgegner ausschließen, dass eventuell Nutznießer der Windkraftanlagen für die Nacht- und Nebel-Aktion verantwortlich sind. Auch gibt es eine Antwort auf die Frage, wie die geheimen Standortdaten bekannt geworden sein könnten. Im Gerichtsstreit musste die Wandlitzer Verwaltung die Koordinaten nennen, um die Existenz der seltenen Greifvögel glaubhaft darzustellen.

Die mutwillige Zerstörung von Brutstätten seltener Vögel in der Umgebung geplanter Windkraftanlagen hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. So wurde im Mai 2017 bei Herzfelde (Uckermark) ein Baum gefällt, auf dem sich ein Seeadler-Horst befand. Auch in diesem Bereich sollte ein Windpark entstehen. Wegen zwei ähnlicher Vorfälle im Norden der Uckermark war damals bereits Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt worden. In Schwedt (Uckermark) laufen Natur- und Tierschützer Sturm gegen die Genehmigung des Landesumweltamtes zur Aufstellung von zwei Windkraftanlagen in direkter Nähe zu einem Horst des Schwarzstorches unweit des PCK-Geländes. Der Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg  hat – wie die Gemeinde Wandlitz im Nachbarkreis Barnim – in dieser Sache das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg angerufen, nachdem er mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht Potsdam gescheitert war. Dem künftigen Betreiber der Windkraftanlagen wurden bereits zu Beginn der Planung 2016 Ablenkungsfütterungen für die Störche nachgesagt, um zu erreichen, dass die Schwarzstörche nicht mehr Richtung PCK und damit in den Bereich der Windrad-Rotoren fliegen.

„In Brandenburg ist es üblich, dass Planungshindernisse beseitigt werden“, sagt Paul Sömmer von der Außenstelle Himmelpfort (Oberhavel) der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow sarkastisch. „Solche Fälle gibt es immer wieder, beispielsweise in der Uckermark oder in Oberhavel. Da werden die Bäume, auf denen Seeadler und Uhu nisten, kurzerhand gefällt“, erzählt der Experte.

Dass es bei Klosterfelde ein Schreiadler-Paar gibt, ist ihm bisher nicht bekannt gewesen. In den 1960er-Jahren hätten es dort drei Paare gegeben, weiß er aber. „Schreiadler sind eine aussterbende Art. Offiziell sind noch 22 Reviere in Brandenburg registriert“, sagt Sömmer. Ob das Schreiadler-Paar, das den Horst in einer dreistämmigen Erle bei Klosterfelde im Sommer 2016 besetzte, mit der Beseitigung der Brutstätte ein für alle mal vertrieben wurde, bezweifelt der Vogelschützer. „Schreiadler leben sehr, sehr lange und sie kehren immer wieder in ihr Revier zurück – meist über viele Jahrzehnte hinweg“, stellt er fest.

In der Regionalplanung bleibt der Horststatus mindestens fünf Jahre nach Verschwinden eines geschützten Vogels aufrechterhalten. In dieser Zeit dürfen Windkraftanlagen auch nicht gebaut werden.

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Paul Müller 23.08.2018 - 11:40:11

Sauerei ...

... und ich unterstütze mit meinem viel zu teuren Strom auch noch die Windkraftmafia !

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