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Vorwurf mangelnder Kommunikation, widersprüchlichem Verhalten und Ignoranz

Wolfsmanagement
Verbände schieben Frust

Frustrierte Jäger: In sogenannten FFH-Gebieten befürchten Jäger Hochsitze nur nach Antrag errichten zu können.
Frustrierte Jäger: In sogenannten FFH-Gebieten befürchten Jäger Hochsitze nur nach Antrag errichten zu können. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Ulrich Thiessen / 04.09.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 04.09.2018, 08:35
Potsdam (MOZ) Brandenburgs Jäger, Fischer, Angler, Waldbesitzer und Landwirte beklagen sich über das Landwirtschafts- und Umweltministerium. Der Chef des Hauses, Jörg Vogelsänger (SPD), wird zum Teil von der Kritik ausgenommen.

Der Forderungskatalog des Forum Natur umfasst sechs Punkte, die im letzten Jahr der Legislaturperiode dringend angegangenen werden müssen. Der Zusammenschluss von sechs brandenburgischen Landnutzerverbänden kritisiert unter anderem  die „rechtlich fragwürdige und fachlich katastrophale Umsetzung“ der Sicherung von Schutzgebieten, ein Wolfsmanagement, das den nicht Namen verdient und die fehlende Novelle des Jagdgesetzes. Das Papier soll den Landtagsfraktionen noch in dieser Woche zugehen.

Auf einer Pressekonferenz der Verbandspräsidenten ging es am Montag in erster Linie um die Arbeit der Verwaltung. Die Jäger sind verärgert, dass sie nicht informiert wurden als die Oberste Jagdbehörde aufgelöst der Forstverwaltung angegliedert wurde. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Jagdverbandes, zeigte sich ungehalten, dass es in den vergangenen zehn Jahren nicht gelungen sei, eine neue Verordnung mit höheren Gebühren für die Jagdprüfung zu verabschieden. Die Politik fordere mit Sicht auf die afrikanische Schweinepest eine verstärkte Jagd, schränke aber auf immer mehr Flächen aus Naturschutzgründen die Jagd ein. „Der Frust im Landesjagdverband geht bis zur Augenhöhe“, so der Verbandschef. Das Ministerium, forderte Wellershoff, müsse seine Hausaufgaben machen und endlich wieder einen Jagdreferenten einstellen. Auf geballten Unmut treffen die Managementpläne für die Sicherung der Schutzgebiete (FFH-Gebiete nach EU-Vorgaben). Das seien bürokratische Monster von 400 bis 500 Seiten je Schutzgebiet, klagen der Verband der Familienbetriebe Land und Forst sowie der Waldbesitzerverband. „Die Mitwirkung bei den Managementplänen wird fast immer verweigert“, so Gunter Fritsch, Präsident des Angelverbandes und früher SPD-Landwirtschaftsminister und Landtagspräsident. Die Angler warten auf Verordnungen, um mit Elektrobooten wie die Fischer auf geschützten Wasserflächen fahren zu können. Die Fischer ihrerseits warten sei mehr als zwei Jahren auf eine Verordnung, die endlich die Auszahlung bei Biberschäden regeln soll. Bauernpräsident Henrik Wendorff fragte, warum ständig über die neue Düngemittelverordnung geredet wird, das Ministerium aber nicht in der Lage ist, rechtzeitig einen neuen Referent für das Düngemittelrecht einzustellen und einzuarbeiten. Außerdem waren alle Verbände erbost, dass im August der Entwurf des neuen Wolfsmanagementplanes vorgestellt wurde, aber die Landnutzer nicht in dessen Erarbeitung einbezogen worden waren.

Bei soviel Kritik am Ministerium blieb die Frage nach Minister Vogelsänger nicht aus. Da jedoch waren die Präsidenten zurückhaltend. Die Verwaltung habe sich verselbständigt, setze Dinge, die das Parlament beschlossen hat nicht um, so der Präsident des Fischereiverbandes, Gernot Schmidt (SPD). Von Illoyalität gegenüber Vogelsänger war die Rede.

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