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Die neuen barrierefreien City-Toiletten kann man künftig per Handy bezahlen

Neue City-Toilette
Vollautomatisches Örtchen

Neue Generation: Seit Dienstag steht ein Prototyp der neuen City-Toiletten vor dem Roten Rathaus.
Neue Generation: Seit Dienstag steht ein Prototyp der neuen City-Toiletten vor dem Roten Rathaus. © Foto: Maria Neuendorf
Maria Neuendorff / 12.09.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 12.09.2018, 08:57
Berlin (NBR) Sie sind barrierefrei, selbstreinigend und können auch per Handy bezahlt werden: Die Firma Wall will noch in diesem Jahr mit der Produktion  der neuen City-Toiletten in Velten (Oberhavel) beginnen. Der Prototyp dazu kann derzeit am Molkenmarkt in Berlin-Mitte begutachtet werden.

Noch muss man weder 50 Cent einwerfen noch das Handy zum Bezahlen an die Tür halten, um einen Blick in das Klosett der Zukunft zu werfen, das da plötzlich Visasvis des Roten Rathauses angedockt hat.  Die „erste vollautomatische modulare barrierefreie Toilette der Welt“, wie die Wall-Ingenieure stolz ihre neueste Erfindung nennen, unterscheidet sich vor allem optisch von seinen abgerundeten, raumschiffartigen Vorgängern, in denen sich seit Anfang der 90er-Jahre vor allem Touristen und Rollstuhlfahrer erleichtern konnten. Die neue Generation hat die Form eines eleganten Quaders, die glatte Keramikfassade ist nicht nur schwer zu beschmieren, sondern sieht aus wie Marmor. Die emaillierten Innenwände sind wie das Toilettenbecken antibakteriell beschichtet und leicht zu reinigen. Laser informieren automatisch Techniker, wenn das Klo verstopft ist.

„Der Vorgänger war schon ein gutes Produkt. Nun hat man ihn nochmal verbessert“, freut sich Dominik Peter. Der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbandes hatte große Sorge vor einem Betreiberwechsel, nachdem der Senat den Betrieb der öffentlichen WCs nach 25 Jahren neu ausgeschrieben hatte. Zeitweise wurde über Dixi-Klos als Übergangslösung diskutiert. Doch dann erhielt die Firma Wall, die in Berlin 172 Automaten-Klos zu stehen hat und ihre „Stadtmöbel“ in Velten (Oberhavel) produziert, erneut den Zuschlag. „Wir freuen uns über die Absicht, bis zu 370 Toiletten über uns betreiben zu lassen“, sagte Wall-Chef  Patrick Möller am Dienstag bei der Präsentation. Damit stünde dem Veltener Werk der größte Auftrag in der Geschichte bevor, 75 Arbeitsplätze seien für die kommenden Jahre gesichert.

Neue Toiletten sollen zunächst in Friedrichshain-Kreuzberg (27), Spandau (7) und Reinickendorf (7) aufgestellt werden. Die Entwickler haben die City-Klos in Modulbauweise konzipiert. So können sie je nach  Standort und Bedarf auch mit zusätzlichen Toiletten oder auch in Kombination mit einem Kiosk erbaut werden. So hat der Prototyp neben der typischen, geräumigen Rollstuhlkabine mit Babywickeltisch nebenan noch eine weitere kleinere Einzelkabine. Auf der Rückseite befinden sich zudem zwei kostenlose Urinale. Die sehr schmale Wand schützt hier allerdings nicht wirklich vor Blicken. Dafür haben die beiden Pissoirs ebenfalls  Handwaschbecken.

Die Kabinen sind mit  Sensor-Raumüberwachung ausgestattet. „Wenn jemand nur eine Zigarettenschachtel liegen lässt, geht die automatische Reinigung, die unter einer Minute dauert, wie gewohnt in Gang“, erklärt Wall-Ingenieur Michael Wittner. Bei vergessenen Aktentaschen, Babyschalen oder Hunden werde sie von Kollegen in der Notruf-Zentrale so lange ausgesetzt, bis der vergessliche Besitzer seine Sachen gerettet hat. Für die Nutzer lassen sich die Türen zudem in Zukunft nicht nur über Münzeinwurf, sondern auch über Apps öffnen. Mit dem Handy kann man dann nicht nur bezahlen, sondern auch das nächstliegendste Örtchen orten.

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