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Ein Gemeindevertreter erzählt vom Frust und Ohnmacht im Streit um Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien
Kampf gegen Windmühlen

Timo Lück, Gemeindevertreter von Treplin
Timo Lück, Gemeindevertreter von Treplin © Foto: privat
Mathias Hausding / 19.09.2018, 07:30 Uhr
Potsdam (MOZ) In Treplin (Märkisch-Oderland) gibt es heftigen Streit um einen geplanten Windpark. Ein Gemeindevertreter hält dem Investor vor, geltende Regeln zu ignorieren. Der wehrt sich und beteuert, streng nach Recht und Gesetz zu handeln.

Als er im August zwei zerstörte Horste eines Rotmilans fand, war das Maß für ihn endgültig voll. Timo Lück machte Fotos, stellte die Nester als Beweismittel sicher und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Für den Trepliner Gemeindevertreter sind die Funde Beleg dafür, dass hier jemand um jeden Preis Hindernisse für den Windradbau aus dem Weg räumen möchte.

„Wer könnte daran Interesse haben?“, fragt Timo Lück. Er fängt an zu spekulieren, um gleich zurückzurudern, im Wissen, dass es sich nicht schickt, ohne Beweise Behauptungen aufzustellen. „Wissen Sie, ich fühle mich so ohnmächtig, weil hier viele Dinge falsch laufen“, sagt er. „Ich möchte die Menschen dafür sensibilisieren, die Augen offen zu halten.“ Er erinnert an Fälle im Barnim und der Uckermark, als jüngst von Unbekannten die Horste geschützter Vogelarten entfernt wurden, offenbar um dort grünes Licht für den Windradbau zu erhalten.

„Dabei ist es doch schon komisch, dass wir uns Tiere suchen müssen, um uns Menschen vor den Mühlen zu schützen“, ärgert sich Lück mit Blick darauf, dass es oft tierische Belange seien und nicht etwa menschliche, die zum Baustopp führen können. Wenn nämlich Vogelhorste in gewisser Nähe zum geplanten Rad entdeckt werden. Dass er und andere künftig den Schlagschatten eines Windrads auf ihrem Grundstück erdulden müssten, sei hingegen kein Ausschlusskriterium. Das verstehe er nicht, sagt Timo Lück.

Weil er Kommunalpolitiker und Betroffener ist, steht er dem geplanten Windpark besonders kritisch gegenüber. Zu seinem Bedauern hat die Gemeinde dem Investor UKA ihr Okay gegeben. Ein Vetorecht gegen Windräder hat sie sowieso nicht. Lück findet trotzdem, dass seine Kollegen mehr Widerstand hätten leisten sollen.

Drei Mühlen mit einer Höhe von je 249 Metern sollen in Treplin gebaut werden, 1000 Meter vom nächsten Gehöft entfernt und 1400 Meter von dem Neubaugebiet, in dem Lück wohnt. „Bei der Grundsteinlegung für den Wohnpark war 1994 der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe dabei. Er hob die ausgezeichnete Wohnlage hervor. Jetzt haben wir bald Schlagschatten und vielleicht auch Probleme durch Infraschall“, sagt Lück.

Ihn ärgert vor allem die Höhe der Räder und dass der Investor hier nicht kompromissbereit war. Aber seine Mängelliste ist noch länger. Er hat sie in einem Einspruch zum Bebauungsplan und in einem so betitelten „Hilferuf“ an Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) zu Papier gebracht. Timo Lück prangert an, dass es im Windeignungsgebiet etliche vom Aussterben bedrohte Vogel- und Fledermausarten gebe und dass 22 Obstbäume samt Vogelnestern gefällt werden sollen.

Konfrontiert mit Lücks Vorwürfen, lässt der Investor UKA keines seiner Argumente gelten. „Klimaschutz ist auch Natur- und Artenschutz. Der Wandel des Klimas führt bei Vögeln nachweislich zu deutlichen Verhaltensänderungen. Windenergie ist die treibende Kraft der Energiewende, des größten Klimaschutzprogramms der Geschichte“, sagt Pressesprecher Henrik Oliver von Oehsen. Studien von Ornithologen würden belegen, „dass nur wenige Arten in ihrem Verhalten durch Windenergieanlagen negativ beeinflusst werden“. Für gefällte Bäume gebe es Ersatzmaßnahmen.

Zur Kritik an der Höhe der Räder und den befürchteten Schlagschatten sagt der Sprecher, dass man in dem Rahmen agiere, der von Politik und Verwaltung vorgegeben sei. Die Standards des Immissionsschutzgesetzes seien hoch. Die Regelung zum Schattenwurf sehe vor, dass 30 Minuten täglich und 30 Stunden im Jahr zulässig seien. „Bei Überschreitungen werden Windenergieanlagen durch eine Abschaltautomatik per Sensor angehalten.“

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