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Mit einer Wasser-Demo und Tausenden von Flaschen machen Umweltschützer auf die Müllflut aufmerksam

Müllflut
Plastikteppich auf der Spree

Maria Neuendorff / 27.09.2018, 07:30 Uhr
Berlin (MOZ) 2000 Plastikflaschen und Dosen verbraucht eine vierköpfige  Durchschnittsfamilie in Deutschland. Um auf die Plastikflut aufmerksam zu machen, demonstrierten am Mittwoch Umweltschützer mit einer spektakulären Bootsdemo auf der Spree.

Während Touristen-Gruppen mit Coffee to go am Spree-Ufer entlang spazieren und die Abgeordneten im Bundestag die Plastikbecher unter die Wasserspender halten, entert plötzlich ein Tross von Solarbooten den Reichstag und rollt auf der Spree einen Teppich aus Plastikflaschen aus. „Ihr nehmt Steuern für Benzin und für Heizöl. Warum nehmt ihr keine Steuern für Plastik?“, ruft Hannes Jaenicke in ein Megafon.

Der Schauspieler ist der prominenteste Unterstützer der  Plastikdemo, mit der Umweltaktivisten an auf die Müllflut aufmerksam machen wollen. „Jede Stunde werden 675 Tonnen Müll im Meer entsorgt, die ganze Arten von Meerestieren bedrohen und als Mikroplastik zurück auf unsere Teller gelangen“, erklärt Jaenicke.

Seit Jahren setzt sich der Deutsch-Amerikaner für bedrohte Elefanten in Afrika und Orang-Utans in Borneo ein und kommt dabei viel herum. „Ob Ruanda, Fidschi, Kenia,  überall gibt es inzwischen Plastikverbote. Deutschland ist dagegen eine Bananen-Republik“, ärgert sich der 58-Jährige sichtlich.

Er weiß, dass es vor allem starke Bilder braucht, um ein Umdenken bei Politik und Verbrauchern zu bewirken. „Ein Video, bei dem ein Forscher einer Riesenschildkröte den Strohhalm aus der blutenden Nase zieht, wurde über elf Millionen Mal angeklickt“, erzählt Jaenicke. Seitdem denke man selbst in US-Staaten über ein Strohhalm-Verbot nach.

Der Macht der Bilder wollen sich nun auch die Umweltaktivisten bedienen und haben dafür 25 000 PET-Flaschen in Netze eingenäht. Unter Trillerpfeifen-Lärm der Unterstützer am Ufer werden sie vor dem Reichstag und Elisabeth-Lüders-Haus über das Wasser gezogen. Mittendrin schwimmt eine acht Meter große Welthalbkugel, die im Müll unterzugehen droht – mahnendes Zeichen gegen den Plastikwahnsinn und als Aufforderung an die Politik, endlich einzugreifen.

„Es wird viel zu wenig getan, man kann nicht immer nur alles dem Verbraucher anlasten“, sagt auch Bettina Hoffmann, Bundestagsabgeordnete der Grünen. In einem Aktionsplan setzt sie sich unter anderem für ein Verbot vom Mikro-Plastik in Kosmetik ein. Dazu seien seit geraumer Zeit Einweg-Flaschen wieder auf dem Vormarsch. „Jährlich fallen bei uns pro Kopf 220,5 Kilogramm Verpackungsabfall an, davon sind 37,6 Kilogramm Plastikmüll“, sagt Hoffmann. „Damit ist Deutschland das europäische Schlusslicht bei der Vermeidung von Verpackungsmüll. Doch die Bundesregierung bleibt tatenlos und ruht sich auf der vermeintlichen Vorreiterrolle des Recycling-Weltmeisters aus.“

Dabei sei die Sache mit dem Recycling sowieso „Schmäh“, sagt der Regisseur Werner Boote. 1999 hat er erstmals einen Zeitungsartikel über die Unfruchtbarkeit von Fischen gelesen und fing an zu recherchieren. Sein Film „Plastic Planet“ wurde zehn Jahre später zum erschreckenden Doku-Klassiker. Inzwischen ist der Österreicher beim Thema Plastik in Textilien angekommen, die bei jedem Waschgang ausgespült werden. „Ich habe mit Waschmaschinenherstellern gesprochen. Alle meinten, keine Chance zu filtern“, berichtet Boote. So landeten die Mikro-Partikel im Binnengewässer und Trinkwasser und niemand wüsste, was das mit Mensch und Natur mache. „Uns steht das Plastik bis zum Hals“, warnt der Regisseur. Er meinte es buchstäblich, springt mit Klamotten in die Spree und sammelt die Flaschen ein, die sich vom Netz gelöst haben.

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