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In Europa gibt es genügend Beispiele für die Rettung dieser geschichtsträchtigen Anwesen - auch in Brandenburg.

Viadrina
Ein Schloss für jedermann - Konferenz zu Nutzungskonzepten

Schlösser sind vielfach keine reinen Adelssitze mehr, zu dem das gemeine Volk keinen Zutritt hat. In Europa gibt es genügend Beispiele für die Rettung dieser geschichtsträchtigen Anwesen - auch in Brandenburg.
Schlösser sind vielfach keine reinen Adelssitze mehr, zu dem das gemeine Volk keinen Zutritt hat. In Europa gibt es genügend Beispiele für die Rettung dieser geschichtsträchtigen Anwesen - auch in Brandenburg. © Foto: Patrick Pleul/dpa
dpa / 02.10.2018, 12:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (dpa) Wie können alte Schlösser und Herrenhäuser in Europa heute genutzt werden? Damit beschäftigen sich etwa 50 Wissenschaftler, Denkmalschützer, Politiker und Vertreter aus der Tourismusbranche ab Donnerstag (4.10.) auf einer internationalen Konferenz an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Im Mittelpunkt stünden dabei der Erhalt der geschichtsträchtigen Anwesen, ihre Bedeutung gerade für strukturschwache ländliche Regionen sowie Netzwerke nichtstaatlicher Kulturerbestätten, sagt Paul Zalewski, Professor für Denkmalkunde an der „Viadrina“ und gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner (Oder-Spree) Veranstalter der Konferenz.

Auch die Situation von Schlössern und Gutshäusern in Ostdeutschland soll bei dem viertägigen Treffen thematisiert werden. Professor Zalewski sieht eine positive Entwicklung in der Mark. „Neben der öffentlichen Hand haben sich in Brandenburg viele kreative und wagemutige Köpfe gefunden, die privat in diese Immobilien investiert haben und für sie eine neue Verwendung fanden“, sagt er. Begünstigt werde diese Situation durch die Nähe zu Berlin. Seien es doch häufig der Großstadt und der dort inzwischen verlangten Mietpreise überdrüssige Investoren, die sich ihr Schloss in der märkischen Provinz suchten, sagt der Viadrina-Wissenschaftler.

Das Beispiel der nach der Wende gegründeten Schlösser GmbH verdeutliche aber, wie schwer die alten Gemäuer neuen Nutzern zu vermitteln sind. Die gemeinnützige Gesellschaft war 1992 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Brandenburger Landesregierung gegründet worden, um 18 einstige märkische Adelssitze vor dem Verfall zu retten und für sie möglichst neue Perspektiven zu finden.

Mehr als 90 Millionen Euro wurden investiert, die Anwesen sind in Schuss, so dass die Denkmalstiftung die GmbH auflösen möchte. Verhandlungen mit dem Brandenburger Finanzministerium laufen seit über einem Jahr, doch noch ist unklar, wer die Häuser übernimmt. Kommunen, in denen die Anwesen stehen, sehen sich finanziell überfordert, ebenso wie Pächter. „Wir haben Zeit, müssen nichts überstürzen“, sagt Stiftungssprecherin Ursula Schirmer, die Ergebnisse frühestens für nächstes Jahr erwartet.

„Gerade auch ihr historischer Wert und die mit dem Denkmalschutz verbundenen Auflagen erschweren neuen Besitzern oder Nutzern den Neustart“, erklärt Professor Zalewski. Nach seinen Schätzungen gibt es in Brandenburg insgesamt noch etwa ein Viertel dieser historischen Herrenhäuser, für die sich bisher niemand interessierte, so dass sie oftmals zu Ruinen verkommen seien. Als Beispiel nennt er das aus dem 17. Jahrhundert stammende ehemalige Rittergut in Wulkow, einem Ortsteil von Lebus (Märkisch-Oderland).

Zum Vergleich: Das zur Gemeinde Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) gehörende, nur wenige Kilometer entfernte und aus gleicher Zeit stammende Schloss Wulkow ist seit Jahren ein beliebtes Hochzeits- und Tagungshotel. Private Investoren hatten es 1992 von der Treuhandanstalt erworben und ausgebaut.

„Solche positiven Beispiele wollen wir nach ihren Betriebskonzepten analysieren und Impulse oder Handlungsempfehlungen für potenzielle Nutzer zusammentragen“, beschreibt der Wissenschaftler das Ziel der Tagung an der Europa-Uni. Schloss Wulkow gehört neben fünf weiteren ehemaligen Adelssitzen am Sonntag (7.10.) zu den Stationen einer Exkursion der Konferenzteilnehmer. „Wir wollen dabei die Bandbreite an Nutzungsmöglichkeiten zeigen - von dem privaten Wohnsitz mit öffentlichen Veranstaltungen wie in Sieverdorf (Oder-Spree) bis zum Kultur- und Tagungszentrum der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in Neuhardenberg“, erläuterte der Professor.

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