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An der A13 sollen sich Unternehmen ansiedeln, die mit erneuerbaren Energien produzieren

Erneuerbare Energien
Grünes Gewerbe auf grüner Wiese

Balkone spenden Schatten im Sommer: Entwurf des Bürogebäudes im Gewerbegebiet bei Ragow, auch das soll umweltfreundlich gestaltet werden.
Balkone spenden Schatten im Sommer: Entwurf des Bürogebäudes im Gewerbegebiet bei Ragow, auch das soll umweltfreundlich gestaltet werden. © Foto: Soltkahn AG
Ina Matthes / 06.10.2018, 11:30 Uhr
Ragow (MOZ) Ein grünes Gewerbegebiet plant ein Berliner Architekt nahe Schönefeld. Eine erste Firma will im nächsten Jahr dort starten – mit alten Doppeldecker-Bussen.

Sonne und Wind sollen die Energie liefern für ein neues Gewerbegebiet an der A 13 in Ragow (Kreis Dahme-Spree). Der Architekt Tassilo Soltkahn plant dort ein Areal für Firmen, die sich komplett mit erneuerbarem Strom versorgen.

Zum Teil selbstgemacht, zum Teil angeliefert: Eine Solaranlage mit sechs bis zehn Megawatt Leistung soll den Sonnenstrom produzieren. Außerdem ist noch ein Wasserstoffkraftwerk vorgesehen, das mit Hilfe von Brennstoffzellen Energie erzeugt. Der Wasserstoff wird über die Ontras-Pipeline angeliefert, die Erdgas nach Berlin bringt. Zusammen mit dem Gas kann sie aber auch bis zu zwei Prozent Wasserstoff liefern. Der schwimmt auf dem Erdgas wie der Ölfilm auf dem Wasser und kann einfach abgeschieden werden. Zunächst werde das Kraftwerk mit Wasserstoff aus der Industrie arbeiten, erläutert Soltkahn. Später soll dann mit Hilfe von Windenergie Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden. Bei diesem Vorhaben arbeitet der Architekt mit der Windkraftfirma Enertrag zusammen.

Produktionsbetriebe nur aus erneuerbaren Energien speisen? „Wir schaffen das“, ist Soltkahn überzeugt. Sein Architekturbüro in Berlin und Rangsdorf beschäftigt 20 Mitarbeiter, die Wohnungs-, Gewerbe- und Industriebauten in ganz Deutschland, in den USA, Polen, Großbritannien oder der Türkei entwerfen. Einen ersten Bauherren für das neue Gewerbegebiet nahe Berlin gibt es schon und der kommt selbst aus der grünen Branche: die Tassima AG aus Schönefeld. Das im Frühjahr 2018 von Gesellschaftern aus Fahrzeug-, Hallenbau und Reisebranche gegründete Unternehmen rüstet historische Doppeldecker-Busse, wie sie auf Stadtrundfahrten unterwegs sind, auf Elektroantrieb um. Einen ersten Bus zeigte Tassima vor kurzem auf der Automobilmesse IAA in Hannover. Rund 100 Busse im Jahr will das Unternehmen mit der Engineering-Partner IAV GmbH und dem Zulieferer Ziehl-Abegg Automotive modernisieren.  Die Gesellschafter, die teils selbst Sight-Seeing-Busse betreiben, planen zunächst, Berliner Diesel-Oldtimer  umzurüsten. „Auch andere Städte, wie Lissabon und Budapest haben sich gemeldet“, sagt Tassilo Soltkahn.

Im Januar soll Baubeginn für Tassima sein. Eine Produktionshalle und ein Verwaltungsgebäude sind vorgesehen. Schon im zweiten Halbjahr 2019 will Tassima erste Diesel-Busse umbauen. Energie will Soltkahn auch in einem geplanten Bürohaus sparen. Der Bau mit Glasfronten und geschwungenen Balkonen bekommt eine sogenannte Betonkernaktivierung. Das heißt, in die Decken des Rohbaues werden Schläuche eingelassen, durch die das Wasser zum Heizen fließt. Das Verfahren eignet sich für Verwaltungsgebäude, wo in allen Räumen etwa die gleiche Temperatur herrschen soll, erläutert der Architekt. Für Wohnhäuser mit warmem Wohn- und kühlen Schlafzimmer ist dieses Verfahren hingegen nicht geeignet. In einem Bürohaus kann man aber so die Temperatur mit wenigen Grad Schwankung um die 22 Grad halten und muss dann entsprechend nur einen Temperaturabfall ausgleichen. Oder das Haus im Sommer entsprechend kühlen – das funktioniert nach diesem Prinzip auch.

Weitere Interessenten für das Gewerbegebiet in Autobahn- und Flughafennähe gibt es nach Aussagen Soltkahns bereits. Hersteller von Stromspeichern zum Beispiel oder Datenzentren, die ihren Energiebedarf erneuerbar decken wollen. „Aber auch Handwerksbetriebe haben schon angefragt.“

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