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Die neue Show im Friedrichstadt-Palast sprengt optisch alle Dimensionen

Vivid-Grand-Show
Von einem anderen Stern

Futuristisch: Bei der Revue „Vivid“, die am Donnerstagabend Premiere im Berliner Friedrichstadt-Palast feierte, sind nicht nur die Kostüme schrill und bunt, sondern auch die 3D-Bühnenbilder.
Futuristisch: Bei der Revue „Vivid“, die am Donnerstagabend Premiere im Berliner Friedrichstadt-Palast feierte, sind nicht nur die Kostüme schrill und bunt, sondern auch die 3D-Bühnenbilder. © Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch
Maria Neuendorff / 13.10.2018, 13:00 Uhr
Berlin (MOZ) Revue-Theater war gestern: Die neue „Vivid“-Show im Friedrichstadt-Palast ist ein fantastisches Spektakel aus modernstem Ballett, Modenschau, Artistik und 3D-Effekten. Kreiert hat sie eine Frau aus Las Vegas.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein Manko hat diese neue Show: Man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Von den fantastisch-galaktischen Kostümen der Tänzer ist eines atemberaubender als das andere. Dazu wird das 60-köpfige internationale Ensemble von spektakulären Illusionen umrahmt. Riesige bunte Schmetterlinge wippen elegant mit ihren Flügeln, Laserstrahlen fluten den Raum. Als wäre die breiteste Bühne der Welt nicht groß genug, wird noch über den Seitenrängen getanzt. Artisten verschwinden einfach im Technikdach. Fern am Horizont spielt eine 17-köpfige Live-Band.  Dazu tanzt eine Roboterarmee durch die Stuhlreihen.

Die neue Grand Show kann man eigentlich nur mit Superlativen beschreiben. Zwölf Millionen Euro wurden in die Produktion gesteckt. Zum ersten Mal in der Geschichte des 99-jährigen Revuetheaters hat eine Frau den Hut auf. Regisseurin Krista Monson kommt aus Las Vegas und hat den Tänzern leuchtende Drehscheiben auf die Köpfe gesetzt. Alles glitzert und funkelt.  Die Zeiten der Rüschenröckchen und Busladungen voller Senioren sind endgültig passé. Mal fühlt man sich wie auf dem Fetisch-Fest der Gay-Community, dann wieder wie in einem Pariser Bordell. Und irgendwie immer wie auf einem anderen Stern.

Die futuristisch-verspielten Kostüme sind wie schon in den Vorgänger-Shows der vergangenen Jahre wieder einmal grandios. Las Vegas ist bieder dagegen. In Berlin spielt die Musik. So extravagant ist keine noch so abgefahrene Modenschau. Allein schon die Hüte stammen vom Designer Philip Treacy, der sonst Modelle für die Queen, Lady Gaga und Madonna kreiert.

Und auch das Premieren-Publikum kleidete sich, als würde es zur Oscar-Verleihung gehen. Spontan erhebt man sich am Donnerstagabend zu Standing Ovations, als Muskelmänner  auf schwingenden Maulschlüsseln Saltos schlagen.

Dazu füllen atemberaubende 3D-Projektionen den halben Saal aus. Mal wähnt man sich in einem modernen Planetarium, mal auf dem Festival of Lights. Artisten schweben durch die Galaxie, um plötzlich mit einem Urknall zu verschwinden.Eine Frau zieht ihren Partner am Seil nur mit dem Kiefer an die Decke. Auch beim Paartanz werden die Geschlechterrollen außer Kraft gesetzt.  Frauen mit Bubiköpfen und im Frack wirbeln Männer in langen weißen Gewändern umher.

Es gibt immer wieder Anlehnungen an das alte Berlin. Da singt Marlene Dietrich im weißen Anzug. Josephine Baker beißt lasziv in eine Banane. Mancher Tänzer trägt nicht mehr als einen Hut vor dem Schritt.

Die legendäre Girlsreihe dagegen ist in hautengem schwarzweißem Lack gekleidet. Futuristische Heiligenscheine drehen sich auf den Köpfen der Tänzerinnen, während sie die Beine zum Takt schwingen. Im Jahr 2018 tanzt man auch mal im Kreis oder über dem Parkett.

Das wirkt berauschend modern und katapultiert das Revue-Theater in ein neues Zeitalter. Etwas schmal dagegen ist die Geschichte. Ein Mädchen wird aus dem Publikum entführt und verwandelt sich in eine Androidin. In der kalten Roboterwelt sucht sie nach dem Sinn des Lebens.

Die Songs wurden von einem internationalen Komponistenteam geschrieben, zu dem auch Arne Schumann und Josef Bach gehören. Das Duo hat bereits mit Max Herre und Star-DJ Paul van Dyk gearbeitet.

„Kontrolle ist nur dazu da, um sie loszulassen“, singt die Hauptfigur am Schluss. Ein Motto, das nicht für die Show gilt. Selbst im wilden schrillen Urwald wird synchron getanzt. Und so hat sich der Friedrichstadt-Palast neu erfunden, ohne mit seinen Traditionen zu brechen.

Vivid Grand Show im Friedrichstadt-Palast, Friedrichstraße 107, Karten ab 25 Euro unter Telefon 030 2326 2326 oder www.palast.berlin

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