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Weltstottertag
Mit Paddelcamp und Logopädie gegen das Stottern

Eine Karte zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober wird in der Beratungsstelle "Sprechraum" vor ein Plakat mit der Aufschrift "Guten Tttttttttag" gehalten.
Eine Karte zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober wird in der Beratungsstelle "Sprechraum" vor ein Plakat mit der Aufschrift "Guten Tttttttttag" gehalten. © Foto: dpa
dpa / 20.10.2018, 13:34 Uhr - Aktualisiert 20.10.2018, 16:20
Potsdam (DPA) Stottern muss kein unabwendbares Schicksal sein. Das zeigen Angebote für Betroffene, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aus aktuellem Anlass rückt die Sprechstörung ins Rampenlicht.

Stotternden Menschen in Brandenburg bietet sich ein relativ breites Spektrum an Möglichkeiten, um die Sprechstörung zu heilen oder zumindest zu lindern. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Welttages des Stotterns am 22. Oktober. Die Palette reicht dabei von Therapien bis hin zu Selbsthilfegruppen.

"Schätzungsweise ein Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung stottert. Das wären in Brandenburg etwa 25 000 Menschen", sagte Filippo Smerilli vom "Stottern und Selbsthilfe Landesverband Ost". Dieser vertritt die Interessen Betroffener in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Prozentsatz laut Smerilli etwas höher - bei schätzungsweise 1,4 Prozent. Diese Zahlen sind dem Verband zufolge seit Jahren konstant. "Weil sich Stottern nicht wie andere Krankheiten unmittelbar heilen oder sich sein Auftreten im Vorfeld verhindern lässt", erklärte der Mitarbeiter des Verbandes. Vor allem bei Erwachsenen sei in der Regel keine Heilung mehr möglich.

Leichter beeinflussen lasse es sich bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren. "Hier sind die Chancen eines völligen Verschwindens der Symptome sehr gut, wenn rechtzeitig eine geeignete logopädische Therapie begonnen wird", berichtete Smerilli.

Rund 80 Prozent der Kinder überwinden nach Angaben des Bundesverbandes für Logopädie das Stottern. Laut seiner Sprecherin Nikola Depel ist zwischen zwei großen Gruppen von Sprechstörungen zu unterscheiden: derjenigen bei der Bildung von Lauten, also Artikulationsstörungen, sowie jener mit Redeflussstörungen, also Poltern oder Stottern.

"Nicht jedes stotternde Kind braucht eine Therapie", betonte Depel. Die Herausforderung bestehe darin, mehr Informationen darüber zu gewinnen, welche Veränderungen durch welche Methoden und Therapieformate zu erwarten sind.

Im Erwachsenenalter hilft es Betroffenen oft, in einer Selbsthilfegruppe unter Gleichgesinnten über die Probleme zu sprechen. Zudem sind einige aus der Region Potsdam regelmäßig in den Berliner Gruppen präsent. "Die Selbsthilfe bietet Betroffenen eine Vielzahl von Informationen sowie Möglichkeiten zum Erfahrungs- und Wissensaustausch, etwa auf Seminaren oder bei Wochenendaktivitäten", sagte Smerilli. Die einzige Gruppe von "Stottern und Selbsthilfe" in Brandenburg existiert in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz).

Mit Atem-, Sprech- und Meditationstechniken versucht Hans Liebelt jedes Jahr in einem Paddelcamp bei Templin (Uckermark) den Stress, den das Stottern mit sich bringt, zu reduzieren. Der Sprechtrainer stotterte selbst einst stark und bekam das Problem schließlich durch regelmäßige Übungen "in den Griff". Im Camp stehe gleichzeitig der Freizeitspaß mit Gleichgesinnten ganz oben an.

Claudia Walther vom Bundesverband Logopädie rät Betroffenen, sich umfassend zu informieren, bevor sie Stotter-Seminare besuchen. Hier könne ihr Verband eine Reihe an Kontakten vermitteln. Walther warnt jedoch: "Wer Erwachsenen verspricht, das Stottern heilen zu können, ist meist nicht seriös."

Eine zentrale Anlaufstelle mit dem Schwerpunkt Stottern gibt es für die Brandenburger seit diesem Jahr im nahen Berlin. Die sogenannte "Sprechraum-Beratungsstelle" mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern ist ein Projekt des "Stottern und Selbsthilfe Landesverbands Ost", das aus Mitteln des Bundes gefördert wird. Smerilli: "Das ist bezogen auf stotternde Menschen bundesweit zum ersten Mal überhaupt der Fall."

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