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Berlin will eigene S-Bahnen für Milliardensumme kaufen

Die Tür einer S-Bahn am Ostbahnhof öffnet sich nach der Ankunft am Gleis. Die Berliner Landesregierung will Teile der S-Bahn neu organisieren und dafür selbst Züge kaufen.
Die Tür einer S-Bahn am Ostbahnhof öffnet sich nach der Ankunft am Gleis. Die Berliner Landesregierung will Teile der S-Bahn neu organisieren und dafür selbst Züge kaufen. © Foto: dpa/Paul Zinken
dpa / 06.11.2018, 16:51 Uhr
Berlin (dpa) Die Berliner Landesregierung will Teile der S-Bahn neu organisieren und dafür selbst Züge kaufen. Die Pläne von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) gingen am Dienstag durch den Senat. Demnach sollen in den nächsten Jahren rund 1200 Waggons für bis zu 3,2 Milliarden Euro angeschafft werden.

„Wir wollen und müssen den Berliner S-Bahn-Verkehr verbessern und ausbauen“, teilte Günther mit. Eine leistungsfähige S-Bahn sei unverzichtbar für die wachsende Metropole. Berlin und Brandenburg bräuchten „zuverlässige, moderne und gut ausgestattete Fahrzeuge“.

Dafür will der Senat aus SPD, Grünen und Linken nun die Weichen stellen. Bis Ende 2021 soll entschieden werden, wer in Zukunft die S-Bahnen auf der Ost-West-Stadtbahn und der Nord-Süd-Trasse betreibt. Dafür werden auch neue Wagen benötigt. Auf den Strecken sind jeden Tag Zehntausende Menschen unterwegs.

Die Züge sind oft überfüllt. Fahrgäste wurden am Dienstag am Ostkreuz auch von Ausfällen und Unterbrechungen überrascht. Grund waren Probleme mit zwei Stellwerken. „Ein Software-Update der Stellwerke hat nicht geklappt“, erklärte ein Bahnsprecher.

Der Abschnitt zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof wird derzeit von zwei auf vier Gleise ausgebaut, am Wochenende war es bereits zu Sperrungen gekommen. Auch am Dienstagmorgen fielen Züge aus oder fuhren verspätet. Viele Pendler stiegen auf Busse und U-Bahnen um.

„Auf der U5 war die Hölle los“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Zahlreiche Menschen benutzten die Linie als Umleitung zum Alexanderplatz. Die S-Bahn hatte bereits die Zahl der Ersatzbusse erhöht. „Zwischen dem Alexanderplatz und Karlshorst waren 27 statt der geplanten 20 Busse unterwegs“, sagte der Bahnsprecher.

Die Landesregierung muss den S-Bahn-Verkehr auf den beiden Teilstrecken für die Zeit nach 2028/2030 neu vergeben. Das Vergabeverfahren soll in einem Jahr starten. Bisher ist eine Tochter der Deutschen Bahn zuständig. Sie kauft, wartet und fährt die Züge. Das muss in Zukunft nicht mehr zwingend in einer Hand liegen.

Unternehmen können sich zum Beispiel auch nur für die Instandhaltung bewerben. Günther erhofft sich davon, dass mehr Unternehmen ein Angebot abgeben. Das soll Geld sparen - ebenso wie der Aufbau eines landeseigenen Fahrzeugpools. Zusätzlich zu den 1200 Waggons könnten rund 180 weitere Wagen geordert werden.

Die neuen S-Bahnen sollen in den Jahren 2026 bis 2033 kommen. Der Senat schätzt die Kosten auf 2,8 bis 3,2 Milliarden Euro. Erste Gelder werden bereits zurückgelegt. In einem Nachtragshaushalt, den der Senat am Dienstag auf den Weg brachte, sind 300 Millionen Euro eingeplant. Das Geld soll an eine noch zu gründende landeseigene Gesellschaft fließen.

„Das derzeit stattfindende Chaos auf Straße und Schiene in der Stadt zeigt, wie sehr die Infrastruktur unter den letzten Senaten auf Verschleiß gefahren wurde“, kritisierte der FDP-Abgeordnete Henner Schmidt, der mit seiner Partei im Abgeordnetenhaus in der Opposition sitzt. Der Zukauf von neuen Zügen sei zu begrüßen, es brauche aber auch einen Ausbau der Gleise und eine modernere Leittechnik.

Bisher gehören die S-Bahn-Züge der Deutschen Bahn. Auf der Ringbahn gehen die Waggons nach 15 Jahren auf die Stadt über, auf den anderen Strecken nicht, wie eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung sagte. Dort will der Senat die Züge nun von Anfang an kaufen.

Auf Gewerkschaftsseite stößt die Idee, dass ein Unternehmen die S-Bahn fährt und eine andere Firma sie reparieren könnte, auf Kritik. Ein zuverlässiger Betrieb sei nur möglich, wenn der Betrieb „mit allem, was dazu gehört, aus einer Hand angeboten wird“, hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Montag mitgeteilt.

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