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Polens Präsident kommt am Unabhängigkeitstag ins grenznahe Gorzów, während in Warschau Chaos droht

Zu Besuch
Patriotische Lieder am Lagerfeuer

Der polnische Präsident Andrzej Duda
Der polnische Präsident Andrzej Duda © Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Dietrich Schröder / 09.11.2018, 07:45 Uhr
Frankfurt/Gorzow (MOZ) Polen begeht am Sonntag den 100. Jahrestag der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. Auch in zahlreichen grenznahen Orten gibt es dazu Feiern, zu denen die Brandenburger eingeladen sind. Nach Gorzów kommt gar das Staatsoberhaupt.

Damit hätte keiner der rund 120 000 Einwohner von Gorzów gerechnet. Am großen Feiertag, den Polen an diesem Sonntag begeht, wird Staatspräsident Andrzej Duda  ausgerechnet den Ort nahe der deutschen Grenze besuchen. „Er wird gegen 20.30 Uhr zunächst eine Ansprache im Slowianski-Park halten und anschließend mit den Bewohnern patriotische Lieder am Lagerfeuer singen.“ So kündigte es der Wojewode Wladyslaw Dajczak an.

Auf die Frage, warum der Präsident ausgerechnet das frühere Landsberg an der Warthe ausgesucht hat, gab es dagegen keine Erläuterung. Schließlich gehörte der Ort vor 100 Jahren – als Polen am Ende des Ersten Weltkriegs seine Unabhängigkeit wieder erlangte –  noch zu Brandenburg. Erst infolge des Zweiten Weltkriegs wurden die deutschen Bewohner vertrieben und die Stadt polnisch.

Doch mit den Feierlichkeiten tut sich die Warschauer PiS-Regierung ohnehin schwer. Nachdem die früheren Staatspräsidenten Lech Walesa, Alexander Kwasniewski und Bronislaw Komorowski erklärt hatten, dass sie nicht mit den Vertretern der national-konservativen Partei an einem Festakt teilnehmen würden, lud man auch keine ausländischen Staatsgäste ein.

Übrig blieb ein Unabhängigkeitsmarsch in Warschau, der freilich seit Jahren von extrem rechten Organisationen wie der „Allpolnischen Jugend“ und dem „Nationalen Lager“ dominiert wird.  Weil auch noch eine Protestaktion der Polizeigewerkschaft eskalierte und sich Tausende Beamte krankschreiben ließen, um ihre Forderung nach einem besseren Gehalt zu untermauern, drohte das Chaos.

Am Mittwoch verbot die Warschauer Bürgermeisterin, die der liberalen Oppositionspartei PO angehört, den Marsch aus Sicherheitsgründen. Staatspräsident Duda verkündete wenige Stunden später, dass es am Sonntagmittag einen von der Regierung organisierten Umzug geben soll. Zu diesem seien alle Polen eingeladen, zur Absicherung würde auch die Armee eingesetzt. Möglicherweise ließ Duda den abendlichen Termin in der Provinz auch deshalb ansetzen, um zu zeigen, dass Polen für ihn nicht nur aus den großen Städten besteht, in denen die PiS-Partei bei den kürzlichen Kommunalwahlen empfindliche Niederlagen erlitt.

Im Gorzower Slowianski-Park beginnen die Feiern – wie in vielen anderen Ortenauch – schon am Sonnabend mit Straßenläufen, Blaskonzerten, historischen Inszenierungen und Essen aus der Gulaschkanone. In Stettin gibt es eine große Kunstaktion auf dem Solidarnosc-Platz neben der Philharmonie, für die 100 Künstler Fahnen zum Jubiläum gestaltet haben. Und weil der große Feiertag auf einen Sonntag fällt, wurde der Montag vom Parlament auch noch kurzerhand zum Feiertag erklärt, an dem die meisten Polen nicht arbeiten brauchen.

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