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Wirtschaftsgipfel
Zusammenarbeit ist ausbaufähig

Noch Luft nach oben: Junge Gründer in Berlin-Brandenburg wünschen sich einen Campus für junge Firmen im Speckgürtel der Hauptstadt. Damit sollen die Vorteile beider Regionen besser genutzt werden.
Noch Luft nach oben: Junge Gründer in Berlin-Brandenburg wünschen sich einen Campus für junge Firmen im Speckgürtel der Hauptstadt. Damit sollen die Vorteile beider Regionen besser genutzt werden. © Foto: dpa/Markus Scholz
Nina Jeglinski / 10.11.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 11.11.2018, 16:07
Bad Saarow (MOZ) Digitalisierung, Globalisierung, Metropolregionen, Ostdeutschland, das waren die Stichworte, die auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow am meisten genannt wurden. Politiker, Verwaltungsfachleute und Wirtschaftsvertreter diskutierten, wie es mit der Region weitergehen soll.

„Negative Berichterstattung über ostdeutsche Städte wie Dresden und Chemnitz, Aufmärsche von Pegida, Wahlerfolge von der AfD, Fachkräftemangel, Abwanderung von hochqualifizierten Leuten – mit welchen Mitteln können und wollen die ostdeutschen Bundesländer dagegenhalten?“, fragte Veranstalter Frank Nehring. Vor allem Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern, stellte einen Gegenentwurf vor. Er vertrete die Metropolregion Hamburg, zu der die Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie der Stadtstaat Hamburg gehören. Was die Großstadt Hamburg nicht mehr leisten kann, zum Beispiel genug Wohnraum und großflächige Gewerbegebiete in der Stadt bereitzustellen, würde sich auf das Umland verlagern. „Wir arbeiten Hand in Hand mit sämtlichen Verwaltungsebenen“, sagt der Minister.

Nicht ohne Stolz hielt er Berlin und Brandenburg vor, dass es „im Norden ein Flächenkataster“ gebe, aus dem sich jeder Investor das passende Stück Land heraussuchen könnte. Mit „Pragmatismus und Realismus“ gehe Hamburg voran und binde die Umlandregionen mit ein. Daraus sei eine Atmosphäre entstanden, in der sich alle Beteiligten als „Gewinner sehen“. In Hamburg gäbe es, anders als in anderen Großstädten, weder Wohnungsmangel noch Fachkräftemangel. Im Gegenteil, die Bedingungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer seien so gut, wie lange nicht.

Nicht alle im Publikum hörten das gerne, vor allem nicht die Vertreter aus Sachsen und Thüringen, dort existiert auch eine Metropolregion, doch die Städte Leipzig und Dresden finden nicht zueinander. Auch die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg, die ebenfalls eine Metropolregion bilden, ist nach Mehrheit der Forumsteilnehmer ausbaufähig.

Christian Henschel, Gründer des Berliner Start-ups Adjust, bemängelte, dass es in Berlin und Brandenburg zwar „gefühlt 10 000 Förderungsprogramme und 100 000 Verwaltungsangestellte gibt, aber keine Bürofläche und keinen Campus für junge Firmen“. Er warf der Politik vor, zu langsam zu sein und aktuellen Entwicklungen viel zu bürokratisch zu begegnen. „Warum baut ihr keinen Campus in den Speckgürtel von Berlin?“, fragte Henschel, der in Frankfurt an der Oder geboren wurde, dort seine erste Firma gründete und 2012 in Berlin das Mobile Measurement Unternehmen Adjust hochzog. Die Firma analysiert für App-Anbieter, wie die User deren Produkte nutzen.  Zu den Kunden zählen nach eigenen Angaben Zalando, Microsoft und Yelp, vor allem in China und in Südkorea wächst das Unternehmen.

Henschel bekam Unterstützung von Rainer Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalts. Er mahnte, dass Berlin für ganz Ostdeutschland wichtig sei. „Das, was dort passiert oder eben auch nicht, strahlt auf alle ostdeutschen Bundesländer ab“, sagte der Magdeburger Regierungschef. Es sei nicht nur höchste Zeit, dass der Berliner Großflughafen BER endlich in Betrieb gehe, sondern auch, dass der Ruf Ostdeutschlands verbessert werde.

Besorgt über das Bild von Ostdeutschland zeigten sich auch die beiden Gründer Maria Peichnick, Geschäftsführerin von Wandelbots in Dresden, und Frank Wolf, Gründer von Staffbase aus Chemnitz. Beide warnten davor, dass der Osten politisch kippen könnte. Sollten die Landtagswahlen im kommenden Jahr in Sachsen einen AfD-Politiker zum Ministerpräsidenten machen, dann würden zahlreiche ausländische Mitarbeiter dem Freistaat den Rücken kehren. Bereits jetzt würden Fachkräfte aus Asien und den USA sich erkundigen, wie ernst die Reisewarnungen, die unter anderem die Schweiz für das Bundesland Sachsen ausgegeben habe, zu nehmen seien. Wolf berichtet, dass seine ausländischen Mitarbeiter während der Ausschreitungen Ende August in Chemnitz mit dem Taxi ins Büro gekommen seien – aus Angst in Chemnitz als dunkelhäutiger Mensch angegriffen zu werden.

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