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Mehr Pflegefälle
Fachkräfte-Mangel spitzt sich zu

Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims. In der Brandenburger Pflegebranche hat sich der Fachkräftemangel verschärft.
Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims. In der Brandenburger Pflegebranche hat sich der Fachkräftemangel verschärft. © Foto: dpa-Zentralbild/Jens Büttner
dpa / 24.11.2018, 09:00 Uhr - Aktualisiert 24.11.2018, 19:09
Potsdam (dpa) Obwohl die Zahl der Pflegefachkräfte in Brandenburg steigt, spitzen sich die personellen Engpässe in einigen Bereichen zu.

Während es bundesweit zu wenig Altenpflegefachkräfte gibt, mangelt es laut Bundesagentur für Arbeit in Brandenburg, als einzigem Land im Osten, seit Juni auch an Fachpersonal in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie bei der Geburtshilfe. Für Andreas Heil vom Sozialverband Volkssolidarität besteht im ambulanten Bereich bereits der „Pflegenotstand“. Ralf Franke, Verdi-Gewerkschaftssekretär in Cottbus, sieht auch bei der Krankenhauspflege eine „prekäre Lage“.

Ende 2017 haben rund 132 400 Brandenburger Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, knapp 19 Prozent mehr als 2015. Die Zahl der Pflegekräfte erhöhte sich im selben Zeitraum aber nur um acht Prozent auf 37 400. Dabei nahmen die Pflegefälle deutlich stärker zu als prognostiziert. 2013 gab es rund 103 000 Pflegefälle, für 2017 war ein Anstieg auf 116 300 Fälle errechnet worden. Wie die Prognose von 133 200 Pflegefällen im Jahr 2023 dürfte auch die Ausbildungsplanung der Realität weit hinterher hinken.

Dass es bislang gelang, die Versorgung zu sichern, ist vor allen den Beschäftigten geschuldet - nicht ohne Folgen. Nach Beobachtungen Frankes sind Pflegekräfte häufiger und länger krank als Arbeitnehmer anderer Branchen Brandenburgs. Nach Angaben von Pflegeexperten Heil waren Krankenpfleger nach dem jüngsten Brandenburger Kassen-Krankenreport im Jahr im Schnitt 14 Tage arbeitsunfähig. In der Altenpflege seien es 19 Tage, bei Pflegehelfern sogar 23 gewesen. „Ein Pflegehelfer in der ambulanten Versorgung ist fast doppelt so lang krank, wie Arbeitnehmer in anderen Branchen.“

Aus der Not greifen Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste zunehmend auf Leiharbeitsfirmen zurück. „Die Dienstpläne werden oftmals auf die Leiharbeitskräfte zugeschnitten, die Stammbelegschaft muss darunter leiden“, hat Franke beobachtet.

Diese Entwicklung verfolgt auch das Brandenburger Gesundheitsministerium mit Sorge. In der Antwort auf eine Anfrage der SPD im Landtag heißt es, durch den zeitlich befristeten Einsatz von Leiharbeits- und Honorarkräften bestehe „die Gefahr, dass diese die für Fachkräfte vorbehaltenen Aufgaben hinsichtlich der Planung, Steuerung und Evaluation des individuellen Pflege- und Betreuungsprozesses nicht vollumfänglich wahrnehmen können“.

Die Hauptursache für den Personalmangel sieht Franke in der im Verhältnis zu Berlin und westlichen Bundesländern zu niedrigen Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen in Brandenburg. Nach 2006 seien alle kommunalen Krankenhäuser aus dem Arbeitgeberverband und dem Flächentarifvertrag ausgestiegen. Berliner Krankenhäuser, wie die Charité oder die Vivantes-Kliniken, die an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gebunden sind, „saugen regelrecht Personal aus Brandenburg ab“.

Im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum beispielsweise verdiene eine Pflegefachkraft zwischen sechs bis sieben Prozent weniger als in der Charité. „In einem kleineren kommunalen Krankenhaus wie dem Elbe-Elster-Klinikum sind es sogar 17 Prozent.“

Vielen Kliniken würden höhere Investitionszuschüsse des Landes helfen. Doch die in den Beratungen für den nächsten Doppelhaushalt veranschlagten Mittel erreichten lediglich ein Drittel des von den Krankenhäusern auf 250 Millionen Euro geschätzten Bedarfs, sagt Franke. Bei höheren Zuschüssen hätten die Krankenhäuser auch mehr Spielraum, um wieder in den Flächentarifvertrag einzusteigen.

Auch Heil kann sich eine „vermittelnde Rolle der Landes“ vorstellen. So könne die Landesregierung „helfen, dass es zu transparenten Verhandlungen über die Kostenerstattungen in der ambulanten Pflege kommt“. In den Jahren 1999 bis 2009 seien die Vergütungen der Leistungen nicht erhöht worden. Diese Finanzierungslücke spiegele sich bis heute wider. Für ihn ist klar: „Ohne höhere Entgelte werden wir die Abwanderung aus Brandenburg nicht stoppen.“

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