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Info-Zentrum zum Wolf
Wo Gefühle auf Fakten treffen

Mathias Hausding / 06.12.2018, 17:59 Uhr - Aktualisiert 06.12.2018, 18:55
Schorfheide (MOZ) Nach sieben Jahren Planung hat Brandenburg seit Donnerstag ein Info-Zentrum zum Wolf. Die kleine Ausstellung im Wildpark Schorfheide setzt auf multimediale Reize und kurze Texte.

Es fängt düster an. Ein abgedunkelter Raum, Bäume im Scherenschnitt an den Wänden, nur ein Vollmond spendet Licht, die Wölfe heulen. „Das ist unser Klischeeraum“, sagt Imke Heyter. Bei einer Test-Führung mit einer Schulklasse habe sich gezeigt, „dass hier schnell die für den Besuch notwendige Ruhe einkehrt, weil alle die Wölfe hören wollen“. An der Wand die erste Info-Tafel: „Wieso heult der Wolf?“ Um mit anderen Wölfen über eine Entfernung von bis zu zehn Kilometern Kontakt aufzunehmen, heißt es unter anderem.

Video

Wolfsinformationszentrum eröffnet

Videothek öffnen

Die Erklärung ist insgesamt sechs Sätze lang. Auch auf den anderen Tafeln setzen die Ausstellungsmacher auf kurze, prägnante Formulierungen. „Maximal 15 Minuten Informationsaufnahme“ wolle man den Besuchern zumuten, sagt Imke Heyter. Niemand solle überfordert werden. Die langjährige Chefin des Wildparks Schorfheide, in dem unter anderem Wölfe im Gehege leben, hat das Konzept gemeinsam mit dem Berliner Museumsgestalter Ulrich Schwarz entwickelt. Ohne erhobenen Zeigefinger Emotionen und Fakten zum Wolf einander gegenüberstellen, darum geht es auf den 200 Quadratmetern im Besucherzentrum des Wildparks.

So ist auch der Hauptraum der Ausstellung aufgebaut. Auf der linken Seite die Gefühle. Kurze Videoanimationen erinnern an Rötkäppchen, den Werwolf oder jene Wölfin, die der Sage nach bei der Gründung Roms eine wichtige Rolle gespielt hat. Andere Videos zeigen typische Verhaltensmuster der Wölfe oder ziehen Parallelen zwischen jagenden Rudeln und Menschenfamilien, die ein geschossenes Wildschwein grillen.

Auf der rechten Seite des Raumes geht es um Fakten. Wie groß werden Wölfe? Was fressen sie? Ein Highlight ist das Skelett eines dreibeinigen Wolfs, der vor fast 20 Jahren in Brandenburg für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das Lieblingsexponat von Imke Heyter ist ein Wolfspelz, den die Besucher anfassen dürfen. Dazu wird erklärt, wie das Wildtier dank seines speziellen Fells ohne Winterschlaf auch Dauerfrost im Wald übersteht.

Und dann geht es nahtlos weiter mit den heiklen Fragen: Sind Wölfe für Hunde, Katzen und Pferde gefährlich? Wie verhalte ich mich bei einer Wolfsbegegnung? Wie reagieren Wölfe auf Kinder, die allein unterwegs sind? Begegnungen etwa beim Waldspaziergang seien sehr selten, aber nicht auszuschließen, heißt es in der Antwort auf die letzte Frage. Im Falle eines Falles gelte: Ruhe bewahren, laut und deutlich sprechen, langsam rückwärts von den Tieren entfernen.

„Wer die Wölfe hasst oder Angst vor ihnen hat, wird sich von der Ausstellung nicht eines Besseren belehren lassen“, glaubt Imke Heyter. Es gehe darum, den vielen Interessierten Wissen über die neuen Nachbarn zu vermitteln. Im Gegensatz zu anderen Ländern habe man in Deutschland keine Erfahrungen im Zusammenleben mit Beutegreifern wie dem Wolf.

Gregor Beyer, Chef der Landnutzer-Vereinigung Forum Natur Brandenburg, hat nach einem ersten Rundgang durch die Ausstellung gemischte Gefühle. „Das Anliegen ist in Ordnung. Auch ich will, dass der Wolf weniger emotional betrachtet wird“, sagt er. Allerdings komme das Thema Herdenschutz und die damit verbundenen Konflikte zu kurz. „Bei dem Thema brennt gerade die Luft“, erinnert er.

Imke Heyter verspricht, dass der Herdenschutz ab dem Frühjahr im Außenbereich behandelt wird: „Wir werden alle zugelassenen wolfssicheren Zauntypen vorstellen, und zwar auf einer gemischten Weide mit Pferden, Ziegen, Rindern und Schafen.“

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