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Nachsorgeklinik
Erholsamer Abschluss eines dramatischen Jahres

Ganz in Familie: Claudia Lutzke, die zehnjährige Tochter Lena, die Zwillinge Finn (r.) und Ben sowie ihr Vater Daniel Schmiedel fühlen sich in der Kindernachsorgeklinik Bernau gut betreut.
Ganz in Familie: Claudia Lutzke, die zehnjährige Tochter Lena, die Zwillinge Finn (r.) und Ben sowie ihr Vater Daniel Schmiedel fühlen sich in der Kindernachsorgeklinik Bernau gut betreut. © Foto: Irina Voigt
Irina Voigt / 08.12.2018, 12:00 Uhr - Aktualisiert 21.12.2018, 11:59
Bernau (MOZ) Vier Wochen Reha-Aufenthalt in der Kindernachsorgeklinik in Bernau liegen hinter Familie Lutzke. Ein erholsamer Abschluss eines anstrengenden und dramatischen Jahres, wie Claudia Lutzke berichtet.Irina Voigt hat für die MOZ-Adventsaktion zugunsten der Kindernachsorgeklinik den bewegenden Bericht der Mutter notiert.

„Schon als die Kinder noch in meinem Bauch waren, war klar, dass mit einem etwas nicht in Ordnung ist. Ein Baby entwickelte sich prächtig, aber das andere hatte Probleme. Die Ärzte, die das Wachsen daher besonders aufmerksam verfolgten, erkannten, dass sein Herz ein Loch hatte.

Für uns stand nie die Frage, uns gegen ein Kind zu entscheiden. Die Ärzte hatten uns nicht viel Hoffnung gemacht, und alle rechneten auch noch mit anderen Behinderungen. Später, als Finn und Ben vor 13 Monaten in der Leipziger Uniklinik auf die Welt kamen, war klar: Ben hatte große Schwierigkeiten beim Atmen. Die Anbindung zur Lunge war einfach nicht da. Schon als er vier Wochen alt war, musste er zum ersten Mal operiert werden. Ihm wurde ein Shunt (Verbindungsstück) eingesetzt. Um die Pulmonalarterie zu erweitern, wie die Fachleute dazu sagen. Inzwischen hat er schon zum zweiten Mal eine solche Operation über sich ergehen lassen.

Aber wir sind auch sehr froh, dass nicht alle Prophezeiungen der Ärzte wahr geworden sind. Das zehrt an der ganzen Familie, und Ben brauchte alle Kraft, um zu überleben. Es grenzt an ein Wunder, was so ein kleines Kind überstehen kann. Der Vater, Daniel Schmiedel, kam so oft er konnte ins Krankenhaus. Aber weil er Lokführer ist, ist seine Zeit immer recht knapp. Jetzt sind die Jungs 13 Monate alt. Der Zwillingsbruder kann derweil schon laufen und kommt überall ran, hat fünf Zähne und ist sehr selbstbewusst. Bei Ben dauert das alles etwas länger. Aber er macht große Fortschritte.

Zeit, uns als Familie richtig kennenzulernen, blieb uns bisher nicht viel. Nur seinen Bruder Finn hatte ich immer in meiner Nähe. Die große Schwester Lena, die schon zehn Jahre alt ist, sahen wir während der Krankenhausaufenthalte nur selten. Immerhin waren es von uns zu Hause im erzgebirgischen Stollberg bis zur Klinik eine Stunde Weg. Jetzt geht es Ben schon viel besser, vor allem, seit wir in der Kindernachsorgeklinik in Bernau sind.

Hier nehmen sich alle viel Zeit, sich um den Kleinen, aber auch um seinen Bruder und seine große Schwester zu kümmern. Die hat hier sogar einen Freund gefunden. Und freut sich über die vielen Angebote von Reiten bis Töpfern. Der muntere Finn bringt alle zum Lachen.

Vor allem aber über Ben wird sein Physiotherapeut in Leipzig staunen. Der Junge wollte nämlich nie auf dem Bauch liegen. Das tat ihm zu weh. Ist ja klar, bei den vielen Operationen, und andauernd will jemand was von ihm. Blut abnehmen, Untersuchungen und solche Dinge. Nun aber kann er sich selbst umdrehen. Und auch auf dem Bauch liegen. Sogar der Vater staunt darüber, das hätte er in der kurzen Zeit nicht für möglich gehalten. Und Ben kann schon ganz flink krabbeln. Das erweitert seinen Aktionsradius ganz gewaltig, und er ist nicht mehr zu bremsen.

Noch stehen weitere Operationen an. Wir hoffen, dass alles so mitwächst, wie die Ärzte es sich vorstellen und wir es uns wünschen. Aber wir sind optimistisch, dass wir das gemeinsam schaffen werden. Und vielleicht können wir dann die nächste Reha auch als Familie schon in der neuen Klinik in Strausberg verbringen.

Es ist hier sehr schön, wir sind in Wandlitz in dem Haus untergebracht, in dem einst Lotte und Walter Ulbricht – der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR – wohnten. Historisch gesehen ist das spannend. Aber praktisch ist es nicht.

Wenn wir von einer Behandlung zur anderen wollen oder zum Schwimmen, müssen wir in dieser Jahreszeit jedes Mal die Kinder an- und wieder ausziehen. Schön wäre es, wenn wir diese Gänge innerhalb eines Gebäudekomplexes machen könnten. So, wie die Baupläne für die neue Kindernachsorgeklinik in Strausberg das zeigen. Die dortige Umgebung im Wald und direkt am See soll wunderschön sein. Jetzt, wo wir selbst betroffen sind, sehen wir, wie wichtig es ist, dass sich Leute wie der Stiftungsgründer Peter Fritz und seine Frau Ingeborg für  Familien mit chronisch kranken Kindern einsetzen. Und das eben auch für alle Familienmitglieder.“

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Die Kindernachsorgeklinik Berlin Brandenburg gGmbH ist die einzige Klink mit dem Behandlungskonzept der Familienorientierten Rehabilitation in den neuen Bundesländern. Die Finanzierung der Nachsorgeklinik durch die Zuschüsse von Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern reicht nicht aus. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie schwer kranke Kinder und ihre Familien. Schenken Sie Hoffnung, Kraft und Zuversicht. Wir sagen von Herzen danke, dass es Sie gibt. Spendenkonto: Sparkasse Barnim IBAN DE50 1705 2000 3000 0098 40 BIC WELADED1GZE Verwendungszweck: Adventsaktion MOZ 2018 Ansprechpartnerin: Claudia Wilke, 03338 458620, info@familien-nachsorge.de Kindernachsorgeklinik Berlin Brandenburg gGmbH, Bussardweg1, 16321Bernau

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