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Diesel ist derzeit hierzulande deutlich preiswerter als östlich der Oder / Beim Benzin ist es noch andersherum

Tankstellen
„Die Polen tanken jetzt bei uns“

Dietrich Schröder / 03.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 03.01.2019, 08:49
Frankfurt/Slubice (MOZ) Beim deutsch-polnischen Tanktourismus herrscht derzeit ein bisschen verkehrte Welt. Weil der Diesel östlich der Oder über zehn Cent teurer ist als hierzulande, kommen inzwischen Polen nach Deutschland tanken.

„Wir spüren es deutlich. Immer mehr Polen, die hier Lebensmittel kaufen, kommen anschließend noch zum Tanken.“ Das ist von den Mitarbeitern einer Tankstelle zu hören, die gleich neben dem Discounter „Kaufland“ in Frankfurt (Oder) steht. Knapp 1,09 kostete ein Liter Diesel dort am Mittwochvormittag.

Wie zur Bestätigung rollt auch gerade ein Auto mit Küstriner Kennzeichen an eine der Zapfsäulen. „Ich habe meine Tochter zum Frankfurter Bahnhof gefahren, sie studiert in Hannover. Und da ich von den günstigen Preisen gehört habe, bin ich gleich noch zum Tanken hierher gefahren“, verrät sein Insasse.

Der außergewöhnlich günstige Preis – im November kostete der Liter Diesel hierzulande noch fast 40 Cent mehr – resultiert letztlich aus dem aktuell niedrigen Weltmarktpreis für Rohöl. Zum Jahreswechsel war der Preis für ein Barrel (159 Liter) auf 46 Dollar gefallen, Ende Oktober hatte dieser Wert noch rund 72 Dollar betragen.

„Bei uns ist diese Preisminderung leider noch nicht angekommen“, bedauern dagegen die Mitarbeiter einer Shell-Tankstelle am östlichen Oder-Ufer in Slubice. Dafür haben sie registriert, dass Deutsche, die noch mit Dieselfahrzeugen zum Tanken kommen, sich über die Preise wundern. An manchen Tankstellen, die bisher als Service ihre Sprit-Preise auch in Euro anzeigten, sind diese Schilder derzeit verschwunden.

An der Slubicer Station kostete der Liter Diesel am Mittwoch 5,17 Zloty, nach dem aktuellen Wechselkurs von 4,27 Zloty für einen Euro sind das umgerechnet 1,21 Euro. Also 13 Cent pro Liter mehr als am deutschen Oder-Ufer. „Dabei bekommen wir sowohl unser Benzin wie auch den Diesel aus Deutschland, meist aus Schwedt“, fügt der Tankstellenwart hinzu.

Immerhin beim Benzin sind noch die alten Relationen gewahrt. Kostete ein Liter Super in Frankfurt am Mittwoch um 1,24 Euro, so waren es in Slubice nur 1,09 Euro. Freilich war die Differenz auch schon mal größer. „Dahinter steckt die Politik unseres Staates“, mischt sich ein polnischer Kunde ein, der gemerkt hat, worum sich das Gespräch dreht. Die noch weitestgehend in Staatshand befindlichen Energiekonzerne gäben den Preisvorteil nicht so schnell an die Kunden weiter, wie es möglich wäre, vermutet er.

Einen Beleg dafür zu finden, ist freilich schwierig. Tatsächlich hatte das Warschauer Parlament auf einer überraschenden Sondersitzung am 28. Dezember beschlossen, dass die Strompreise in diesem Jahr stabil bleiben sollen. Die Opposition sieht darin ein Wahlkampfmanöver, denn im Herbst steht in Polen die Parlamentswahl an, bei der die Regierungspartei PiS ihren Triumph von 2014 wiederholen will. Neben einer Absenkung der Akzise-Steuer für Strom beschloss das Parlament auch einen Fonds zum Ausgleich der Verluste der Energieunternehmen.

Um all dies aus der Staatskasse zu finanzieren, würden jedoch neun Milliarden Zloty (etwa zwei Milliarden Euro) zusätzlich gebraucht, rechnet die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ vor. Deshalb käme es mehr als gelegen, wenn man jetzt mit dem Sprit mehr Geld einnehmen kann, zumal ja die Preise im Vergleich zum Herbst auch in Polen gesunken sind, nur eben nicht so stark wie in Deutschland.

Wie lange die augenblickliche Situation anhält, kann kaum jemand sagen. Am Mittwoch stieg der Rohöl-Weltmarktpreis im Laufe des Tages um 0,6 Prozent. Der Automobilclub ADAC rät Autofahrern ohnehin, vor dem Tanken die Preise zu vergleichen.

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