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Die aus Nordamerika eingeschleppten Räuber sind in Brandenburg inzwischen flächendeckend verbreitet / Wachsende Gefahren für die Nester von Brutvögeln

Waschbärplage
Verband bläst zur intensiven Fallenjagd

Süß, aber gefährlich: Waschbären sind auch in Brandenburg eine Gefahr für viele Brutvögel.
Süß, aber gefährlich: Waschbären sind auch in Brandenburg eine Gefahr für viele Brutvögel. © Foto: dpa/Lenhard Klimek
Mathias Hausding / 03.01.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 03.01.2019, 09:42
Potsdam (MOZ) Der Deutsche Jagdverband (DJV) zeigt sich besorgt über die zunehmende Verbreitung von Waschbär, Marderhund und Mink und fordert eine intensive Fallenjagd. In Brandenburg stößt die Initiative jedoch auf Skepsis.

Laut DJV haben sich die Waschbärbestände seit bundesweit mehr als verdoppelt. Brandenburg ist besonders betroffen. Nur in Sachsen-Anhalt sind die aus Nordamerika stammenden Tiere noch stärker verbreitet als in der Mark. Das ist nicht nur für Grundstücksbesitzer lästig, die jene Allesfresser unerwünscht zu Besuch haben. Vor allem die Brutvögelbestände leiden vielerorts unter den Attacken hungriger Waschbären, die gut klettern und schwimmen können.

Der Deutsche Jagdverband verlangt deshalb von Politik und Naturschutzverbänden ein Bekenntnis zur Fallenjagd. Mehr als jeder dritte erlegte Waschbär werde auf diese Art lebend gefangen und dann getötet. Diese Quote gelte es zu erhöhen.

Der Naturschutzbund (Nabu) in Brandenburg lehnt das ab. „Fallen sollten nicht das Mittel der Wahl sein, denn niemand kann garantieren, dass darin nur die gewünschten Tiere landen“, gibt Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder zu bedenken. Manche Arten versetze es in erheblichen Stress, stundenlang eingesperrt zu sein. Beim sehr seltenen Iltis etwa müsse man damit rechnen, dass er das Eingesperrtsein nicht überlebt.

Der Nabu rät, Waschbär, Marderhund und Mink punktuell auf klassische Art dort zu bejagen, wo es Probleme gibt. Die Gefahren für die Gelege vieler Arten durch jene von Menschen eingeschleppten Räuber seien durchaus groß, räumt die Nabu-Expertin ein. „Sie verfügen über Jagdtechniken, auf die hiesige Vögel evolutionsbiologisch nicht vorbereitet sind.“

Die Brandenburger Jägerschaft hat die Herausforderung erkannt. Im vergangenen Jagdjahr wurden laut offizieller Statistik 188 Minke, 7207 Marderhunde sowie die Rekordzahl von 35 785 Waschbären erlegt. Hier wurde das Vorjahresergebnis um 27 Prozent übertroffen. Der Barnim hat daran mit über 5000 erlegten Waschbären den höchsten Anteil.

Dort kann man mit dem Fallenjagd-Appell des DJV wenig anfangen. „Fallenjagd will bei uns kaum jemand machen, weil es sehr aufwändig ist“, sagt Peter-Claus Neigenfind, Sprecher des Jagdverbands Bernau. Eine solche Falle müsse zweimal am Tag kontrolliert werden. Die damit verbundene Fahrerei rechne sich nicht, denn nicht einmal das benzingeld werde erstattet. Die klassische Ansitzjagd auf Waschbären an Gewässern klappe gut, betont Neigefind.

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