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Immer mehr Berichte über verschwundene Briefe / Konzern spricht von Einzelfällen

Verschwundene Briefe
Deutsche Post am Pranger

Ein Briefkasten der Deutschen Post AG.
Ein Briefkasten der Deutschen Post AG. © Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Mathias Hausding / 16.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 16.01.2019, 07:47
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Beschwerden über die Deutsche Post in der Region reißen nicht ab. Nachdem sich zwei Männer über massenhaft verschwundene Briefe beklagt hatten, melden sich Leser mit ähnlichen Erfahrungen zu Wort.

Ein Frankfurter Hotelier vermisst seit Ende 2017 insgesamt 61 Postsendungen. Ein Briefmarkensammler aus der Oderstadt kommt auf über 40 verschwundene Briefe, darunter auch Einschreiben. Über diese beiden Fälle hatten wir vor einem Monat berichtet. Inzwischen haben sich Leser aus der Uckermark, dem Oderbruch, erneut Frankfurt (Oder) und sogar aus Bayern gemeldet, die ebenfalls Verluste beklagen.

„Auf meine Rückfrage und den Versuch einer Reklamation begegnete man mir mit Achselzucken“, schreibt Helmer Wilke aus Schwedt, der fünf Sendungen vermisst. Kaspar Frey, Jura-Professor an der Viadrina, kommt auf mindestens sieben verschwundene Briefe aus seiner Weihnachtspost, die er am 24. November in Frankfurt abgeschickt hatte: „Ich wollte das zunächst der Post mitteilen, fand aber keine Mailadresse im Netz.“

Christine Wiese aus der Nähe von Letschin sind im November zwei Briefe abhanden gekommen. „Es war von außen erkennbar, dass ich etwas beigelegt hatte.“ Nichts von materiellem, aber von ideellem Wert. „Muss ich jetzt alles selbst befördern? Was ist bloß aus der Institution Post geworden?“, fragt sie sich. Und Katrin Thomauske aus dem fränkischen Niedernberg hat registriert, „dass bereits seit 2016 Standardbriefe zwischen Berlin, Eisenhüttenstadt und meinem Wohnort unverhältnismäßig oft verloren gehen“.

Die Liste der Beschwerden ließe sich leicht fortsetzen. Trotzdem spricht die Post auf Nachfrage lediglich von Einzelfällen. Schließlich transportiere man bundesweit jeden Tag 59 Millionen Briefe. Was der Konzern gegen die offensichtliche Diebstahlserie in Brandenburg unternehme, wollte Post-Sprecher Mattias Persson aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Er könne aber versichern, dass Experten des Unternehmens eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten.

Die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Cottbus erklärten am Dienstag, dass sie derzeit keine bandenmäßigen Fälle von Postdiebstahl auf dem Tisch haben. Am 23. Januar muss sich zumindest ein früherer Post-Mitarbeiter wegen solcher Taten vor dem Amtsgericht Strausberg verantworten. In Chemnitz steht derzeit eine Anfang 2018 aufgeflogene polnische Bande von Postdieben vor Gericht, auf deren Konto auch verlorene Sendungen aus Frankfurt (Oder) gehen sollen.

Auch dieser Tage sammeln an der Oder polnische Subunternehmer im Auftrag der Deutschen Post die Briefe ein. Woran nichts auszusetzen ist, wenn es sich um vertrauenswürdige Leute handelt. Ein Leser unserer Zeitung hat nach eigenen Angaben beobachtet, wie jüngst ein mit Briefen beladener polnischer Transporter für einige Minuten unbewacht und mit geöffneten Hecktüren auf einem Parkplatz in der Frankfurter Innenstadt stand. Ein anderer Mann teilte uns mit, dass die Post kurz vor Weihnachten offenbar Probleme mit dem rechtzeitigen Leeren von Briefkästen hatte. Eine Box sei so voll gewesen, dass man ohne Probleme Sendungen hätte entnehmen können.

Karl-Heinz Stühmer, jener Briefmarkensammler, der zuerst auf die Missstände aufmerksam machte, hat für sich zwei Konsequenzen gezogen. Er steckt keine Briefe mehr in den Kasten, sondern gibt sie stets am Schalter ab. „Eine Problem-Quelle weniger“, sagt er. Wenn möglich gibt er außerdem Sendungen in Sachsen auf, etwa am Wohnort seines Sohnes. „Denn hier ist man ja nicht mehr sicher“, findet Stühmer.

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