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Produktion läuft weiter
„Lila Bäcker“ stellt Insolvenzantrag

Eine Brötchentüte sowie ein Kaffeebecher der Bäckereikette "Lila Bäcker".
Eine Brötchentüte sowie ein Kaffeebecher der Bäckereikette "Lila Bäcker". © Foto: Jens Büttner/dpa
dpa / 16.01.2019, 07:21 Uhr - Aktualisiert 16.01.2019, 16:41
Neubrandenburg/Pasewalk (dpa) Von der Insolvenz der Bäckereikette „Lila Bäcker“ (Pasewalk) sind alle fünf Firmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg betroffen. „Es handelt sich um eine Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung“, erläuterte am Mittwoch eine Sprecherin des Amtsgerichtes Neubrandenburg, wo die Insolvenz am Dienstag angemeldet worden war. Ursache sei Zahlungsunfähigkeit.

Die Produktion und der Verkauf in den rund 400 Filialen sollen mit Insolvenzausfallgeld über die Arbeitsagenturen zunächst bis Ende Februar 2019 weiter gesichert sein.

Bei den rund 2700 Beschäftigten habe die Nachricht große Unsicherheit ausgelöst, sagte Jörg Dahms von der Gewerkschaft NGG. So blieben demnach Kraftfahrer in Brandenburg am Mittwoch zu Hause, auch Verkäuferinnen kamen nicht, weil am 15. Januar kein Lohn auf ihrem Konto war. Nach Angaben der Mitarbeiter seien die Verkaufszahlen seit Wochen zurückgegangen, sagte Dahms.

Gruppeninsolvenz und Insolvenz in Eigenverwaltung sind Spezialfälle des Insolvenzrechts. Bei der Gruppeninsolvenz können die Insolvenzverfahren einer Unternehmensgruppe bei einem Insolvenzgericht zusammengefasst werden; bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das Management des Unternehmens im Amt.

Ein Sprecher des Hauptgesellschafters Deutsche Beteiligungs AG (DBAG/Frankfurt/Main) nannte hohen Druck im Wettbewerb der Branche wie durch Backstationen bei Discountern, höhere Mindestlöhne und nicht ausreichende Maßnahmen zur Umstrukturierung als Ursachen. Der Umsatz der Gruppe, die auch als „Unser Heimatbäcker“ firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen und 2018 bei „geplant 130 Millionen Euro.“

Die Backkette hat drei Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Hauptstandorte in Pasewalk, Neubrandenburg und Gägelow bei Wismar liegen, und zwei Firmen im brandenburgischen Dahlewitz.

Die DBAG hatte die Geschäftsführung erst Anfang 2018 gewechselt. Der jetzige Geschäftsführer, der die Vorgänger-Chefetage für die schlechte Geschäftslage verantwortlich gemacht hatte, soll einen Sanierungsberater bekommen. Im Februar 2018 war bereits 220 Mitarbeitern gekündigt worden. Dabei wurden Kuchenproduktionen und Verwaltungsstandorte in Dahlewitz, Pasewalk und Gägelow geschlossen.

Die NGG kritisierte das Vorgehen bei der Insolvenz: Die aktuelle Geschäftsführung habe über elf Monate kein neues Konzept erkennen lassen. Eine Mitarbeiterin des Betriebsrates sagte: „Wir haben das Vertrauen in die jetzige Geschäftsführung verloren.“ Mit der Insolvenz büßten etliche Mitarbeiter auch ihre Ansprüche aus bis zu 300 angesammelten Überstunden ein. Der aktuelle Geschäftsführer war am Mittwoch unterwegs zu einer Betriebsversammlung in Dahlewitz und zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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