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Immer mehr Menschen kehren in ihre Heimat zurück / Zwei Brandenburger berichten

Rückkehrer
„Mir fehlt gar nichts“

Küchenchef: Manuel Bunke verwöhnt seine Gäste jetzt im Restaurant des Neuzeller Klosterhotels.
Küchenchef: Manuel Bunke verwöhnt seine Gäste jetzt im Restaurant des Neuzeller Klosterhotels. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Christopher Braemer / 24.01.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 24.01.2019, 12:55
Buckow (MOZ) Seit der Wende haben etwa 800.000 Brandenburger das Land verlassen; der Großteil in Richtung Westen. Inzwischen ziehen zahlreiche Ex-Brandenburger eine Rückkehr in Betracht. Lando Wegner und Manuel Bunke sind den Schritt bereits gegangen.

Immer wenn Lando Wegner runter zum Schermützelsee geht, wirkt seine Kindheit greifbar nahe. Der 28-Jährige ist im brandenburgischen Idyll zwischen Seen und Hügeln aufgewachsen. Und in der alten Heimat ist es immer noch wie damals: still – und wunderschön. Neun Jahre lang verdingte sich der gelernte Dachdecker am anderen Ende Deutschlands – im nordrhein-westfälischen Kleve. Doch etwas zog ihn zurück in die alte Heimat.

„Obwohl in Kleve immer etwas zu erleben war, habe ich gemerkt, dass mir etwas fehlt – die Heimat“, erzählt Wegner. „Seitdem ich in Buckow bin, merke ich: Mir fehlt gar nichts. Es ist hier alles so wie es sein soll.“

Ein „Grüß dich“ hier, ein „Mahlzeit“ dort – Lando Wegner kennt man in Buckow (Märkisch-Oderland). Grünes Käppi, blaue Augen und 1,98 Meter Körpergröße: Lando Wegner ist  zurück in Buckow – und das ist nicht zu übersehen. Hier leben noch viele alte Freunde. Dass er zurückgekommen ist, hat aber noch einen anderen Grund; und der heißt Marlen. Als Wegner sie während eines Heimatbesuchs traf, stand für ihn fest: Er muss zurück. Der Rest erledigte sich wie von selbst.

In Buckow fühlt sich Landow Wegner wohl. Er hat eine kleine Werkstatt angemietet, in der er schreinert. „Im Vergleich zu Kleve verdiene ich weniger, aber ich nehme es in Kauf, weil ich hier glücklicher und zufriedener bin“, sagt er.

Knapp 800 000 Brandenburger haben ihrer Heimat zwischen den Jahren 1992 und 2015 den Rücken gekehrt. Zwar wurde ein Teil der Fortzüge durch Zuzüge aus anderen Bundesländern kompensiert. Aber aus Sicht der Landesregierung stellen die ehemaligen Brandenburger bei einer möglichen Rückkehr dennoch ein enormes Potenzial für das Land dar. Die positiven Effekte einer Rückkehr gingen weit über die viel zitierte Fachkräftesicherung hinaus, heißt es in einem Bericht der Staatskanzlei. Die Nachfrage nach Infrastrukturen werde verbessert, die Wohnraumnachfrage vor Ort gesteigert, soziale und familiäre Netzwerke stabilisierten sich. Überdies werde in der Regel auch das zivilgesellschaftliche Engagement gestärkt. So engagieren sich laut einer Studie viele Heimkehrer ehrenamtlich. Auch Lando Wegner. Er organisiert neben der Arbeit Partys.

Verschiedene Initiativen in Brandenburg werben schon seit Jahren um Rückkehrer. Mit Erfolg. Der Trend zeigt: Immer mehr Menschen kehren in ihre alte Heimat zurück beziehungsweise ziehen eine Rückkehr zumindest in Betracht. Vor allem die verbesserte Arbeitsmarktsituation ist ein Grund dafür.

Schwarzer Hut, langer Bart und Lederschürze: Der Mann am Herd wirkt selbstbewusst. Dann geht es los: frisches Gemüse, eine gebratene Tentakel, Zwiebeln, ein bisschen Knoblauch, Croittans – und fertig ist das Mittagsgericht. Manuel Bunke kocht für den Gaumen und die Augen. Vor gut einem Jahr ist der Koch aus Lauschütz, einem Dorf bei Guben (Spree-Neiße), zurück nach Brandenburg gekommen. Mit 17 war er nach Bayern gegangen. Danach kochte er sich um die halbe Welt. Bis ihn eine alte Freundin in die Provinz lockte – nach Neuzelle (Oder-Spree), wo Bunke jetzt Küchenchef im Klosterhotel-Restaurant ist.

Inzwischen ist er angekommen. „Wir sind immer noch in Brandenburg; schlechte Straßen und lahmes Internet. Aber für mich ist es zu Hause“, sagt Bunke. Langweilig ist ihm in dem 4000-Seelen-Dorf nicht. „Es ist nicht Berlin. Hier hat man Ruhe.“ Für Bunke hat Brandenburg aber noch weitere Vorteile: „Hier kann man sich noch ein Haus leisten und in Ruhe ein Kind großziehen“, sagt er.

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