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Zugleich wird es für sie schwerer, Lehrer zu finden und halten.

Bildung
Immer mehr Kinder besuchen Freie Schulen

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Symbolbild © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
dpa / 26.01.2019, 16:33 Uhr
Potsdam (dpa) In Brandenburg wächst die Zahl der Schulen in freier Trägerschaft und mit ihr die Schülerzahl. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit besuchten über 32 000 Schüler die 176 Einrichtungen im Land, teilte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Privatschulen Berlin-Brandenburg (VDP), Volker Symalla, mit. Laut Bildungsministerium in Potsdam entspricht das einem Anteil von knapp elf Prozent der gesamten Schülerschaft Brandenburgs. Vor zehn Jahren seien es nur 7,2 Prozent gewesen.

„Viele freie Schulen sind seit der Wende aus einer Notsituation heraus entstanden“, sagte Symalla. Damals hätten Vereine und Elterninitiativen dem „Schulsterben“ entgegenwirken wollen. Der Staat habe zudem die Trägerschaft von Einrichtungen in „Brennpunktbereichen“ weitergegeben. Heute lockten die freien Schulen eher mit ihren speziellen Angeboten wie naturnahem oder praxisbezogenem Unterricht. Außerdem sei Zweisprachigkeit ein Kriterium, weshalb sich Eltern für eine private Schule entscheiden.

„Viele Eltern werden zunehmend unzufriedener mit staatlichen Schulen“, sagte Helge Neumann-Jacobsen vom Landeselternrat. Sie ist Vizeschulelternsprecherin am Gymnasium des „Leonardo da Vinci Camus“ in Nauen (Havelland). Die Hauptprobleme öffentlicher Schulen seien Lehrermangel, Unterrichtsausfall und Mobbing. An vielen freien Schulen gebe es zudem kleinere Klassen, wodurch Schüler individueller gefördert werden könnten.

Unterschiede zum Rahmenlehrplan oder zu den Schulabschlüssen gegenüber öffentlichen Einrichtungen gibt es nicht. „Anders ist oft nur die Art der Unterrichtsmethode“, erklärte Symalla. Darüber hinaus könnten freie Schulen viel flexibler und schneller auf Probleme reagieren. „Wir haben keinen so großen Verwaltungsapparat“, sagte der VDP-Geschäftsführer.

Speziell am „Leonardo da Vinci Campus“ sind die Lehrer nach Angaben von Neumann-Jacobsen im Alterdurchschnitt jünger als an vielen staatlichen Schulen. „Gerade an den Grundschulen besteht die Hälfte der Lehrerschaft aus Quereinsteigern“, sagte Symalla. In bis zu 300 Schulungsstunden würden sie innerhalb von zwei Jahren bei fortlaufender Tätigkeit auf den Lehrerberuf vorbereitet.

Konkurrenz in Sachen Lehrer machen den freien Schulen aber zunehmend die staatlichen. Auch sie setzten nun auf Quereinsteiger. „Und können oft mit mehr Geld und die Aussicht auf Verbeamtung punkten“, sagte Symalla. Die staatlichen Zuschüsse für die freien Schulen machten nur etwa 60 Prozent dessen aus, was öffentliche Schulen erhielten.

„Ersatzschulen bekommen einen Betriebskostenzuschuss“, sagte Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Der Zuschuss ergebe sich aus der Multiplikation der Schülerzahlen mit den sogenannten Schüler-Ausgabensätzen. Zudem würden Zuschüsse für Ganztagsangebote, für Unterricht in der flexiblen Eingangsphase, für die Betreuung der praktischen Ausbildung und des Praktikums sowie für sonstiges pädagogisches Personal für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gewährt. Förderprogramme von Bund, Land und Europäischer Union stünden den freien Schulen ebenfalls offen.

Solange sie vom Land jedoch nicht voll gefördert werden, müssen die freien Schulen ein Schulgeld erheben, erläuterte Symalla. Das richte sich nach den Einkommen der Eltern. Für Kinder einkommensschwacher Eltern gebe es auch Stipendien. „Eigentlich ist es ungerecht, weil die Eltern doppelt zahlen“, sagte der VDP-Geschäftsführer. Einmal Steuern für öffentliche und dann Beiträge für die private Schule.

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