Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Durchfallquote bei der theoretischen Prüfung steigt auf über 42 Prozent / Rätselraten über die Ursachen

Hohe Durchfallquote
Sind Fahrschüler zu faul zum Lernen?

Anspruchsvolle Aufgaben: Immer weniger Brandenburger schaffen die Führerschein-Prüfung im ersten Anlauf.
Anspruchsvolle Aufgaben: Immer weniger Brandenburger schaffen die Führerschein-Prüfung im ersten Anlauf. © Foto: dpa/Swen Pförtner
Mathias Hausding / 29.01.2019, 07:00 Uhr
Potsdam (MOZ) In Hessen rasseln 31,4 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung, in Brandenburg sind es laut Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) 42,4 Prozent. Obwohl die Fragen bundesweit aus dem gleichen Topf kommen. Was sind die Gründe für diese enormen Unterschiede?

Knapp 41 500 theoretische Prüfungen wurden laut den aktuellsten Zahlen des KBA 2017 in Brandenburg absolviert. In fast 18 000 Fällen ist es schief gegangen. In Berlin sieht es noch trüber aus. Blickt man auf die Deutschlandkarte, ergibt sich ein Ost-West-Gefälle. Die Durchfallquote ist jenseits der Elbe durchweg niedriger als hierzulande.

„Natürlich sind die Menschen in Brandenburg nicht dümmer“, stellt Jens-Peter Schultze klar, Niederlassungsleiter der Dekra in Oranienburg. Die Gesellschaft organisiert die Prüfungen im Land. Auch auf die hiesigen Fahrlehrer singt Schultze ein Loblied. „Sie haben eine hohe Berufsehre, machen eine super Arbeit.“

Aber woran liegt es dann, dass die Durchfallquote in Brandenburg so hoch ist? Jens-Peter Schultze betont, dass er nur Vermutungen anstellen könne. Aus Gesprächen habe er den Eindruck gewonnen, dass in der Mark die Mentalität verbreitet sei, es bei der theoretischen Prüfung im ersten Anlauf zunächst ohne großen Lernaufwand zu probieren. „Wenn es nicht klappt, kann ich mir für den zweiten Versuch etwas mehr Zeit zum Lernen nehmen“, so die mögliche Logik mancher Prüflinge.

Die Ursachenforschung des Strausberger Fahrlehrers Heiko Düring geht in eine ähnliche Richtung. „Einmal durchfallen ist Pflicht“, so würden manche an die Sache herangehen. „Lernen ist ihnen unangenehm.“ Diesen Leuten komme entgegen, dass man die Prüfung seit einigen Jahren im 14-Tage-Rhythmus beliebig oft wiederholen kann. Hier hänge es auch vom Engagement der einzelnen Fahrschule ab, wann die Leute zur Prüfung dürfen. „Wir schicken sie erst, wenn sie bei uns eine Vorprüfung bestanden haben“, sagt Düring.

Viktoria Voigt von der gleichnamigen Fahrschule in Frankfurt (Oder) hat die Nachricht von der hohen Durchfallquote sehr beschäftigt. In ihren Augen ist die Ursache klar: Die gestiegene Zahl von Migranten unter den Fahrschülern. Die Sprachprobleme seien sehr groß. Aber taugt das als Erklärung für die Unterschiede zu anderen Bundesländern? Gibt es in den West-Ländern weniger Migranten unter den Fahrschülern als in Brandenburg?

Klar ist laut der Statistik des Kraftfahrzeugbundesamts lediglich, dass die Durchfallquote in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen ist, genauso wie die Zahl der Prüflinge insgesamt. Das dürfte auch auf Zugewanderte zurückzuführen sein.

Daniel Milde, Fahrlehrer aus Bernau, sagt zumindest, dass er es in seiner Schule so gut wie nie mit Einwanderern zu tun habe. Für ihn steht fest: „Viele Fahrschüler sind nicht fleißig genug. Manche klemmen sich dahinter, manche nicht.“ Finanziell falle es kaum ins Gewicht, wenn man für eine erfolgreiche Prüfung mehrere Anläufe benötige. Man müsse dann keine zusätzlichen Stunden buchen und bezahlen.

Daniel Milde würde sich wünschen, dass sich die Fahrschüler mehr Gedanken darüber machen, wie und womit sie lernen. „Da läuft vieles über Apps. Aber wenn ich mir die genauer anschaue, sind da oft nur 300 jener 1000 Fragen drin, aus denen für die bundesweit einheitlichen Prüfungen ausgewählt wird“, sagt Milde.

Bei den praktischen Fahrprüfungen liegt Brandenburg mit einer Durchfallquote von 31,4 Prozent im Mittelfeld. Hessen ist hier mit nur 23 Prozent ebenfalls top. Am höchsten ist die Quote in den Stadtstaaten. „Es ist natürlich schwieriger, die Prüfung im dichten Verkehr zu bestehen“, gibt der Dekra-Experte Jens-Peter Schultze zu bedenken.

In Hessen kann man sich übrigens den eigenen Erfolg nicht erklären. „Wir sind seit zehn Jahren Spitze, aber ich rätsele seitdem vergeblich, woran das liegen könnte“, sagt Helmut Schmidt, der Vizechef des hessischen Fahrlehrer-Verbands.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG