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Studie zur A 24
Tempolimit 130 hat Zahl der Unfälle halbiert

Weniger Unfälle, weniger Verletzte: Eine Studie aus Brandenburg zeigt die Vorteile eines Tempolimits von 130.
Weniger Unfälle, weniger Verletzte: Eine Studie aus Brandenburg zeigt die Vorteile eines Tempolimits von 130. © Foto: dpa/Patrick Seeger
Mathias Hausding / 29.01.2019, 20:30 Uhr - Aktualisiert 30.01.2019, 17:22
Potsdam (MOZ) Deutschlandweit wird seit Tagen über Für und Wider eines Tempolimits auf Autobahnen gestritten. Befürworter einer Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer erhalten nun unerwartet Argumentationshilfe durch eine schon etwas ältere Studie aus Brandenburg. Das hiesige Verkehrsministerium hat nämlich im Jahre 2007 untersuchen lassen, welche Auswirkungen die Einführung des Tempolimits auf einem 62 Kilometer langen Abschnitt der A 24 zwischen den Dreiecken Wittstock/Dosse und Havelland hatte.

Bis Ende 2002 gab es auf der vierstreifig ausgebauten Strecke keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Dann wurde wegen hoher Unfallzahlen ein Tempolimit von 130 eingeführt. Ergebnis: Die Unfallzahlen wurden annähernd halbiert. Aus 654 schweren Unfällen in drei Jahren ohne Tempo-Begrenzung wurden 337 schwere Unfälle in drei Jahren mit maximal Tempo 130. Die Zahl der Verunglückten sank in dem Zeitraum ebenfalls deutlich von 838 auf 362, ein Minus von 57 Prozent.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass im zweiten Zeitraum auf der Straße pro Tag im Schnitt 1800 Autos weniger unterwegs waren. Außerdem geben die Autoren der Studie zu bedenken, dass „von 2004 bis 2006 allgemein ein Rückgang der Unfälle auf brandenburgischen Autobahnen zu verzeichnen war“.

Dennoch fällt das Fazit eindeutig aus: Tempo 130 führt zu weniger Unfällen, weniger Verletzten und weniger Toten. Um das am Beispiel der A 24 zu belegen und Faktoren wie die allgemein steigende Verkehrssicherheit herauszurechnen, haben die Experten auf die sogenannte Unfallkostenrate zurückgegriffen. Um zu prüfen, wie sicher eine Straße ist, werden in der Forschung die dort entstehenden Schäden in Kosten umgerechnet – auch Verletzungen oder sogar Menschenleben. Unter dem Strich habe demnach die Einführung des Tempolimits die Unfallkostenrate um 26,5 Prozent gesenkt.

Mit diesen Erkenntnissen gaben sich die Studienautoren noch nicht zufrieden. Sie untersuchten auch den Verkehrsfluss ohne und mit Tempolimit. So sank das gefahrene Durchschnittstempo nur wenig. Ohne Tempolimit fuhren die Pkw im Schnitt 137 Stundenkilometer schnell, mit Begrenzung auf Tempo 130 waren es 127 Kilometer pro Stunde. Hinzu kommt: Weil das Tempolimit den Verkehrsfluss harmonisiert, erhöht sich die Kapazität eines Fahrstreifens um 100 Fahrzeuge pro Stunde.

In ihrem Resümee gehen die Experten davon aus, dass ein flächendeckendes Tempolimit von 130 auf Autobahnen gut für die Allgemeinheit sei. Die zusätzlichen Kosten durch längere Fahrtzeit würden weniger ins Gewicht fallen als der Gewinn durch geringere Unfallkosten.

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Hartmut Sucker 30.01.2019 - 14:21:24

Die Behörde hat alles richtig gemacht. Die Politik versagt.

Bei der bestehenden Rechtslage in Deutschland kann man die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit um 20 km/h überschreiten, ohne ein Bußgeld und Punkte zu kassieren. Die meisten Autofahrer nutzen diesen „Spielraum“ aus. Aus technischen und rechtlichen Gründen gehen die Tachometer der PKW etwas vor. Bei einer Tempoanzeige von 140 km/h fährt das Fahrzeug tatsächlich ca. 131 bis 135 km/h, bei Tacho 150 fährt man ca 140 - 144 km/h. Die externen Messgeräte der Verkehrsüberwachung messen aber die tatsächliche Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Wenn man unterstellt, dass Fahrzeugführer bei einem Limit von 130 km/h versuchen, nach Möglichkeit mit nahezu 150 km/h zu fahren, sind die Meßergebnisse der v. g. Studie plausibel. Die Häufung von Unfällen auf der A 24 in Richtung Hamburg (und nicht in der Gegenrichtung!) zwischen dem Autobahndreieck und Kremmen ist ein uraltes Lehrstück der Verkehrstechnik: Mehrere Verkehrsströme vereinigen sich mit limitierter Geschwindigkeit, die Anzahl der Fahrzeuge im Verhältnis zur Streckenlänge wird größer. Der rechte Fahrstreifen ist weitgehend von langsameren LKW ausgelastet, links reihen sich die schnelleren Fahrzeuge auf. Wird die Geschwindigkeitsbegrenzung kurz hinter einem solchen Knoten aufgehoben, so beschleunigen alle Fahrzeugführer auf der linken Spur, allerdings in unterschiedlichem Maße, bestimmt vom dem Wollen (des Fahrzeugführers) und vom Können (des Fahrzeugs). Zwangsläufig läuft das stärker beschleunigende Fahrzeug auf ein „langsameres“ auf. Dies vollzieht sich im Regelfall gleichzeitig vielmals in einer langen Kolonne von Fahrzeugen. Häufig wird dabei zu dicht auf den Vorausfahrenden aufgefahren. In einer solchen Situation mit sehr hoher Verkehrsdichte reicht eine geringfügige Störung des Verkehrsflusses, zum Beispiel ein plötzliches Bremsen des zehnten Vorausfahrenden, um einen Auffahrunfall oder einen Folgeunfall wegen eines abrupten Ausweichens zu verursachen. Hebt man die Geschwindigkeitsbegrenzung erst nach einer größeren Fahrstrecke auf, können sich die Fahrzeugführer mit ihren unterschiedlichen Wunschgeschwindigkeiten in diesem Beruhigungsabschnitt auseinandersortieren. Die allgemeine Verkehrsgefährdung wird vermindert, mit den beschriebenen Folgen. Die gleiche Erscheinung kann man übrigens auf dem südlichen Berliner Ring zwischen dem Schönefelder Kreuz nach Westen bis zur Abfahrt Rangsdorf beobachten: Erst nach Passieren der Abfahrt Rangsdorf fließt der Verkehr einigermaßen gleichmäßig. Nur ist die Autobahn dort dreistreifig, die Auswirkungen der Verkehrsverdichtung nach dem Knoten sind weniger drastisch.

Ralf Cornelius 30.01.2019 - 08:04:45

Viel gewollt, wenig erreicht

Das ist das Problem mit der Argumentation. Man legt auf den Tisch was geht, doch nicht Masse, sondern Klasse ist entscheident, mal abgesehen davon, dass die A24 ein ganz schlechtes Beispiel für Verallgemeinerungen ist. Hier gab es im benannten Zeitraum eine bis heute ungeklärte Häufung an Unfällen, das Boulevard vermutete seinerzeit gar überidische Kräfte (Wasseradern). Dann kommt man selbst zur Erkenntnis, dass das Limit mit einem allgemeinen Rückgang an Unfällen einhergeht. Aha! Die Crash-Anzahl hat sich halbiert, die Unfallkostenrate ging aber nur um knapp ein Viertel zurück. Hä! Doch die Krönung ist die krude Mathematik. Bei 130 kmh fuhren die Autos im Durchschnitt 127. Das darf man getrost in den Bereich der Märchen verbannen, ohne nähere Kenntnis der Messumstände. Wer auf einer begrenzten Autobahn eine Durchschnittgeschindigkeit in Nähe der Begrenzung fährt war dort wahrscheinlich allein unterwegs. Die Argumentationslinie passt zur grünen Politik, egal, wie weit sie von der Wahrheit entfernt ist.

Kalinka Humperdinck 30.01.2019 - 06:57:07

Christlich-sozialer Klartext

Eine Halbierung der Unfälle ist gegen den gesunden Menschenverstand, und eine ständige Gängelung dazu! ;-)

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