Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zahl der Ausbildungsplätze für Pädagogen steigt von 650 auf 1000

Mehr Studienplätze
Die Lehrer-Uni rüstet auf

Einmalig: Die Uni Potsdam ist brandenburgweit der einzige Standort, an dem Lehrer ausgebildet werden.
Einmalig: Die Uni Potsdam ist brandenburgweit der einzige Standort, an dem Lehrer ausgebildet werden. © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Mathias Hausding / 11.02.2019, 18:44 Uhr - Aktualisiert 11.02.2019, 20:47
Potsdam (MOZ) Mehr Studienplätze, zusätzliche Professuren und neue Ausbildungsgänge – das Lehramtsstudium in Brandenburg erhält ein großes Update. Die Uni Potsdam verspricht außerdem, die derzeit hohe Abbrecherquote zu senken.

In einem ersten Schritt soll es ab dem kommenden Wintersemester 150 zusätzliche Studienplätze für künftige Pädagogen geben. Konkret geht es um mehr Lehrer für die Sekundarstufe, also ab Klasse 7. Den größten Zuwachs gibt es in den Fächern, Englisch, Mathe und Sport. In Phase zwei werden die Ausbildungskapazitäten ab Herbst 2020 um weitere 200 Plätze erhöht. Hier profitiert dann auch der Grundschulbereich. Neu ins Programm kommt zudem der Studiengang Förderpädagogik. Außerdem bildet Brandenburg seine Kunstlehrer ab 2020 wieder selbst aus. Die Kooperation mit Berlin habe sich nicht bewährt, hieß es zur Begründung.

In den Augen von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sind die am Montag im Detail verkündeten Neuerungen „ein großer, großer Sprung nach vorne“. Unter dem Strich wird es also künftig pro Jahr 1000 Studienplätze für das Lehramt geben. Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) betonte, dass man sich an den konkreten Bedarfen orientiert habe. Groß seien demnach derzeit die Engpässe in Sport, Fremdsprachen und Naturwissenschaften. Für die beiden konmmenden Jahre sind dafür je 16,5 Millionen Euro in den Landeshaushalt eingeplant. Weitere 44 Millionen Euro stehen für die Errichtung neuer Lehr- und Forschungsgebäude auf dem Campus in Golm zur Verfügung.

Andreas Musil, Vize-Präsident der Uni Potsdam, betonte, dass der Ausbau nicht irgendwann starte, sondern bereits in vollem Gange sei. Baulich greife man zunächst auf Container-Lösungen zurück, bis die neuen Gebäude errichtet seien. Derzeit arbeite man an den Ausschreibungen für 20 zusätzliche Professuren. Er hob hervor, dass die Uni unter anderem Experten für die Medienbildung suche, um künftige Lehrer fit für die Herausforderungen der Digitalisierung zu machen. Insgesamt 120 Menschen, Wissenschaftler und Bürokräfte, werden im Zuge der Kapazitätserweiterung Arbeit finden.

Die Uni Potsdam ist landesweit der einzige Standort, an dem Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden. Vor rund einem Jahr gab es im Landtag große Empörung über die mit 35 Prozent sehr hohe Abbrecherquote im Lehramtsstudium. Da Uni-Vertreter seinerzeit keine Angaben zu Gegenmaßnahmen machen konnten, hat die Politik nun den Druck erhöht. Ziel müsse eine Verringerung auf 25 Prozent sein, stellte Martina Münch klar.

Musil umriss auch, wie das gelingen soll. So wolle man mit gezieltem Marketing die am besten geeigneten Studierenden gewinnen. Gerade in der Anfangsphase des Studiums sollen außerdem zusätzliche Kurse und Übungen den Neulingen dabei helfen, in die mitunter komplizierte Materie hineinzufinden. So kapitulieren viele künftige Lehrer an den Herausforderungen etwa in Mathe, weil sie dort mit „richtigen“ Mathe-Studenten mithalten müssen, obwohl sie später „nur“ Zehntklässler unterrichten wollen. Mit ständigen Beratungsangeboten während des Studiums wolle man künftig dafür sorgen, dass sich alle Studierenden gut aufgehoben fühlen, versprach Musil.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Hartmut Scheffer 17.02.2019 - 18:54:14

Die richtige Mathematik

Es muss im Zuge der Bologna-Reform gewesen sein, also schon vor mindestens 15 Jahren, dass ich davon hörte, Lehramtsstudenten sollten mathematisch die gleichen Anforderungen erfüllen wie richtige Mathematiker. Eine solche, mit Verlaub, hirnrissige Idee kann nur ein Nichtmathematiker haben. (In anderen Fächern mag es ähnlich sein, das kann ich nicht beurteilen.) Aber ein wenig rechnen sollte doch jeder können: Ein Lehramtsstudent soll also die komplette Mathematik, dazu noch ein zweites Fach und außerdem eine pädagogische Ausbildung absolvieren, und das in der gleichen Studienzeit wie andere Studienrichtungen? Man muss schon sehr viel Idealismus aufbringen! Außerdem müssen doch die für diese Entscheidung Verantwortlichen gedacht haben, die Mathematik sei brotlose Kunst und Mathematiker sollten froh sein, dass sie wenigstens als Lehrer gebraucht werden. Mein Tipp: schicken Sie doch mal einen Reporter in die Spur mit folgenden Fragen: Wozu braucht man Mathematik und Mathematiker heutzutage überhaupt? Hat es ein ordentlicher Mathematiker nötig, mit Schülern herumzuärgern oder verdient er ohne dies viel besser?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG