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Landrat fordert einheitliche Regelungen

Ungleichheit
Heimkinder kämpfen um ihr Taschengeld

Die Unterschiede in Brandenburg beim Taschengeld sind gravierend: In Brandenburg/Havel und Oberhavel erhalten Kinder ab dem dritten Geburtstag Taschengeld – in der kreisfreien Stadt 6,10 Euro monatlich, im Landkreis vier Euro.
Die Unterschiede in Brandenburg beim Taschengeld sind gravierend: In Brandenburg/Havel und Oberhavel erhalten Kinder ab dem dritten Geburtstag Taschengeld – in der kreisfreien Stadt 6,10 Euro monatlich, im Landkreis vier Euro. © Foto: dpa/Oliver Berg
Ulrich Thiessen / 12.02.2019, 06:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Rund 1000 Kinder leben in Brandenburg in Heimen. Im vergangenen Jahr haben sie einen eigenen Landesrat gegründet. Wichtigste Forderung: Ungleichheiten bei der Zahlung von Taschengeld überwinden.

Landkreise und kreisfreie Städte regeln in ihren Satzungen, wie viel Taschengeld stationär untergebrachte Kinder jeweils erhalten. Die Unterschiede im Land sind gravierend: In Brandenburg an der Havel und Oberhavel erhalten Kinder ab dem dritten Geburtstag Taschengeld – in der kreisfreien Stadt 6,10 Euro monatlich, im Landkreis vier Euro. Im Barnim wird ab dem fünften Geburtstag gezahlt (6,65 Euro),  in der Uckermark ebenso (6,70 Euro); andere Kreise beginnen mit dem sechsten Geburtstag – etwa Oder-Spree (sechs Euro) oder Elbe-Elster (dort soll das Taschengeld in dieser Altersgruppe von fünf auf acht Euro in diesem Jahr angehoben werden). Die Landeshauptstadt belässt es bei fünf Euro ab sechs Jahren.

Die Unterschiede sind bei jungen Erwachsenen noch größer. Brandenburg an der Havel zahlt ab 18 Jahren 114,50 Euro monatlich an Taschengeld. Im Barnim sind es 25,60 Euro. Noch in diesem Jahr soll dort das Taschengeld auf 68,89 angehoben werden. In der Uckermark sind es 66,30 Euro, in Märkisch-Oderland 51,10 und in Oberhavel 40 Euro ab 16 Jahren. Falls die Jugendlichen dort ihrer Schul- und Ausbildungspflicht nachkommen, werden 60 Euro gezahlt. In Elbe-Elster gibt es zusätzlich 25 Euro zu Geburtstagen und zu Weihnachten. In Oder-Spree können 100 Euro Zuschuss für ein Fahrrad beantragt werden.

Tanja Redlich, die im Bildungsministerium für den Bereich zuständig ist, berichtet, dass die Kinder und Jugendlichen die Unterschiede als ungerecht empfinden. Vor allem, wenn sie aus unterschiedlichen Landkreisen kommend in einer Wohngruppe leben und verschiedene Beträge erhalten.

Der im vergangenen Herbst gegründete Kinder- und Jugendhilfe Landesrat (KJLR) hat aktuell eine Umfrage unter den Heimkindern gestartet. Vorsitzender André Rohloff erklärt, dass es auch darum geht, was die Kinder mit dem Geld bestreiten müssen. So gibt es Berichte, dass in einigen Heimen Geld zurückbehalten wird für den Fall, dass etwas kaputt gemacht wird. Der Landesrat selbst will eine Debatte zu einem angemessenen einheitlichen Taschengeld anstoßen und eine entsprechende Empfehlung an die Jugendämter schicken. Außerdem baut der 16-Jährige auf die Unterstützung der Politik.

Im Bildungsausschuss des Landtages hat das Thema noch keine Rolle gespielt. Dort wird auf die Konnexität verwiesen – das heißt: Wenn das Land eine Vereinheitlichung will, muss es das Taschengeld zur Landesaufgabe erklären und die Kosten selbst tragen. Dazu scheint die Bereitschaft gering zu sein.

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