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Henrik Wendorff bricht eine Lanze für den Artenschutz und räumt Defizite ein

Bauernpräsident
Die Insekten sind unsere Mitarbeiter

Es grünt so grün: ein Blühstreifen neben einem Maisfeld in Frankfurt (Oder)
Es grünt so grün: ein Blühstreifen neben einem Maisfeld in Frankfurt (Oder) © Foto: dpa/Patrick Pleul
Mathias Hausding / 02.03.2019, 08:00 Uhr
Potsdam (MOZ) In Brandenburg formiert sich eine Volksinitiative für mehr Artenschutz. Als Reaktion darauf hat die wegen des Bienensterbens in der Kritik stehende Bauernschaft am Freitag freiwillige Maßnahmen für mehr Artenschutz vorgestellt.

„Als Landwirte sind wir auf Insekten angewiesen. Sie sind quasi unsere Mitarbeiter“, betonte Bauernpräsident Henrik Wendorff. „Dieser Verantwortung müssen wir uns in Zukunft verstärkt stellen. Was bislang für den Artenschutz getan wird, reicht bei weitem nicht.“

Die Bauern würden 50 Prozent der Landesfläche bearbeiten und seien deshalb in besonderem Maße in der Pflicht, räumte Wendorff ein. „Aber es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alleine schaffen wir das nicht.“ Der Bauernpräsident erinnerte hier an zunehmenden Verkehr und rege Bautätigkeiten im Land, an Lichtverschmutzung und an penibel gepflegte Rabatten und „tote“ Gärten, in denen nichts blüht. All das trage zum Artensterben bei.

Gleichwohl wolle man mit gutem Beispiel vorangehen, auch um nicht ständig in der Kritik zu stehen, sagte Wendorff. Bereits im vergangenen Jahr hätten sich 100 märkische Landwirte an einer Blühflächenaktion beteiligt und insgesamt 300 Hektar Acker kostenlos zur Verfügung gestellt. Um die Zahl der Blühflächen in diesem Jahr zu erhöhen, bittet der Landesbauernverband um Spenden. Landnutzer könnten dann auf Antrag aus diesem Topf Geld für den Saatgut-Kauf erhalten, für einen Hektar wären es 60 Euro.

Wirkungsvoller wäre es freilich, wenn sich das Land ebenfalls zum Artenschutz bekennen würde, so Wendorff. Brandenburg sei das einzige Flächenland, dass bislang kein Blühflächenprogramm habe, kritisierte er. Mit rund sechs Millionen Euro pro Jahr könne man 10.000 Hektar Blühflächen einrichten.

Lothar Lucke, Chef des Brandenburger Imkerverbands, unterstützt die Initiative des Landesbauernverbands. Er forderte aber auch, dass die Landwirte den Pestizid-Einsatz verringern. „Wenn man darauf verzichtet, mit Chemikalien auch noch um die letzten paar Prozent Ertragssteigerung zu kämpfen, hilft das den Wildbienen.“ Lucke appellierte an die Bauern, Werbeversprechen von Pestizid-Händlern kritisch zu hinterfragen. Mit Blick auf die voraussichtlich nach Ostern startende Volksinitiative warnte er jedoch davor, wie leider in Bayern geschehen den Landwirten die Alleinschuld am Artensterben zuzuschieben.

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