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Zahl der Stellen in Brandenburg wächst - darunter sind viele Teilzeitjobs / Firmen stellen unter anderem mehr Beschäftigte aus Polen ein

Arbeitsmarkt
Brandenburg wird attraktiver für Ausländer

Ina Matthes und Andreas Wendt / 26.03.2019, 08:30 Uhr
Berlin (MOZ) Auch in diesem Jahr wächst der Arbeitsmarkt. Die Agentur für Arbeit rechnet mit 15 000 neuen Stellen in Brandenburg. Besetzt werden sie zunehmend auch durch Ausländer. Ein großes Problem bleibt die Jugendarbeitslosigkeit.

Brandenburgs Arbeitsmarkt wird attraktiver für Ausländer. Von den rund 14 500 Stellen, die im vergangenen Jahr neu entstanden, wurden rund 9500 von Ausländer besetzt. Also rund zwei Drittel. "Das hat uns alle überrascht", sagt Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. "Es zeigt, dass die Unternehmen sehr häufig nur noch diese Option haben, die Alternative wäre Vakanz", sagt Becking. "Diese ausländischen Beschäftigten leisten einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufwuchs in Brandenburg."

Insgesamt hat sich die Zahl der beschäftigten Ausländer  in den vergangenen vier Jahren nahezu verdoppelt. Sie machten im vergangenen Jahr rund 6,4 Prozent der Beschäftigten aus – insgesamt 54­ 000 Männer und Frauen. Polen sind mit 24 500 Personen die stärkste Gruppe, gefolgt von Rumänen, Türken, Syrern, Russen und Bulgaren. Allerdings ist ein großer Teil dieser Menschen in gering qualifizierten Helferberufen beschäftigt.

Becking sieht in der Gewinnung ausländischer Arbeitskräfte einen Trend, der sich angesichts der demografischen Entwicklung fortsetzen werde. "Brandenburg braucht den Zuzug von außen." Denn trotz der Dämpfung der Konjunktur bleibt der Arbeitsmarkt bisher robust. Auch für 2019 wird ein Zuwachs bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erwartet – um rund 15 000. Dieser Anstieg um 1,8 Prozent ist der höchste im Vergleich mit den anderen ostdeutschen Ländern. "Trotz mancher Unwägbarkeiten wie dem Brexit hat unsere positive Prognose weiter Bestand. Die ersten Daten vom Arbeitsmarkt bestätigen bisher den erwarteten Beschäftigungszuwachs."

Allerdings steigt auch der Anteil der Teilzeitarbeit stetig. Rund ein Drittel der Beschäftigten (31 Prozent 2018, 27 Prozent 2014) arbeiten nicht voll. Zugleich steckt im Teilzeit-Sektor aber auch ein Potential dafür, den Fachkräftemangel zu verringern. So könnte eine bessere Kinderbetreuung Frauen Chancen auf einen Vollzeitjob eröffnen.

Auch der Zustrom Geflüchteter macht sich auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg bemerkbar. Etwas über 3500 Geflüchtete haben im Vorjahr und im Januar 2019 einen Job am ersten Arbeitsmarkt  gefunden. Rund 4700 Geflüchtete waren im Januar arbeitslos. Viele kommen in Helfer-Jobs unter, vor allem in der Gastronomie, Zeitarbeitsfirmen sowie Verkehr und Lagerwirtschaft. Die Agentur für Arbeit sieht es als Ziel an, Geflüchtete zu integrieren und zu Fachkräften auszubilden. Nach den aktuellen Zahlen befanden sich im August 2018 rund 400 junge Geflüchtete aus acht Ländern in Brandenburg in einer dualen Ausbildung. Das waren mehr als doppelt so viele wie 2017.

Eine Konkurrenz zu deutschen Bewerbern sieht Becking nicht: "Wir haben nicht das Problem einer Verdrängung. Im Gegenteil: Wir brauchen jeden für die vielen offenen Ausbildungsstellen."  Diese nehmen in Brandenburg weiter zu – im September 2018, zum Abschluss des Ausbildungsjahres, verzeichneten die Arbeitsagenturen in Brandenburg 1850 unbesetzte Lehrstellen. Tatsächlich dürfte die Zahl höher liegen, weil Arbeitgeber Stellen teils nicht mehr melden, die sie über Jahre nicht besetzen konnten.

Lehrstellen bleiben frei - und zugleich ist die Jugendarbeitslosigkeit vergleichsweise hoch. Sie lag im Dezember mit acht Prozent bei den 20 bis 25-jährigen Jugendlichen und fünf Prozent bei den 15 bis 20-Jährigen über dem bundesweiten Durchschnitt ( 5,1 bzw. 3,3 Prozent) Sie liegt teils auch über der allgemeinen Arbeitslosenquote in Brandenburg, die im Dezember vergangenen Jahres 5,9 Prozent betrug.

Ein Teil der Jugendlichen findet nach der Schule den Anschluss ins Berufsleben nicht. In einigen Regionen Brandenburgs liegt dabei die Zahl der Schulabbrecher im zweistelligen Bereich: In Prignitz und Uckermark liegt sie bei elf Prozent. Die Agentur für Arbeit will deshalb das Netz der Jugendberufsagenturen ausweiten. Sie bieten Berufsberatung, Jugendhilfe, Schuldner- und Suchtberatung unter einem Dach und sollen Jugendliche mit Problemen auffangen.

Eine andere Schwierigkeit ist die ungleichmäßige Verteilung der Ausbildungsplätze im Flächenland Brandenburg. Während es in der Uckermark und Oberhavel deutlich zu wenig gemeldete Lehrstellen für die Bewerber gibt, besteht in Potsdam, in der Prignitz und in Potsdam-Mittelmark ein Überangebot. Bernd Becking wünscht sich, dass noch mehr Betriebe ausbilden. Zugleich unterstreicht er, wie wichtig es ist, die Mobilität der Jugendlichen zu fördern und dort neue Wege zu suchen. In diesem Zusammenhang wies Becking auf die Notwendigkeit schneller Bahnverbindungen hin: Den Ausbau der Bahnverbindung zwischen Cottbus und Berlin sieht er nicht nur als eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Strukturwandel in der Lausitz, sondern auch ein  Muss für die Gewinnung von Fachkräften am neuen Flughafen BER und in der umliegenden Region.

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