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Vermummte randalieren in Ferienanlage
Verängstigte Schulklasse aus Frankfurt (Oder) reist ab

Am gegenüberliegenden Ufer des Spremberger Stausees ist eine Frau Opfer einer Vergewaltigung geworden.
Am gegenüberliegenden Ufer des Spremberger Stausees ist eine Frau Opfer einer Vergewaltigung geworden. © Foto: Frank Hilbert/LR
Annett Igel-Allzeit und Marcel Laggai / 11.04.2019, 19:45 Uhr - Aktualisiert 12.04.2019, 09:29
Bagenz (LR) Wilde Gerüchte über eine tote und eine angeblich von Ausländern vergewaltigte Frau am Bagenzer Stausee haben zu einer Attacke auf eine Ferienanlage geführt. Zurück blieben verängstigte Schüler.

Seit Mittwoch jagt ein Gerücht das nächste. Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook behaupten, es habe am Bagenzer Stausee eine Tote gegeben, eine Frau sei von Ausländern vergewaltigt worden – und niemand unternehme was. Die aufgeheizte Stimmung zieht Kreise – und am Abend passiert es.

Mit der Parole „Ausländer raus“ zieht eine Gruppe Vermummter zur Ferienanlage Seenland in Bagenz. Baseballschläger und Zaunlatten sollen sie bei sich getragen haben. Und pyrotechnische Erzeugnisse, die sie auf das Grundstück werfen. Die Ferienanlage war jahrzehntelang eine beliebte Jugendherberge an der Talsperre Spremberg. Auch in dieser Woche ist hier eine Schulklasse aus Frankfurt (Oder) untergebracht. Ein Vater, der als Betreuer der Schüler mitreiste, schildert die nächtliche Situation: „Ich hörte draußen einen Knall und wollte nachsehen, ob einer der Schüler sich einen Spaß erlaubt.“ Außerhalb der Herberge habe er dann die vermummte Gruppe gesehen. „Sie warfen mehrere Gegenstände in Richtung Gebäude“, schildert er das Geschehen.

Vermutlich ist es einem der Gäste zu verdanken, dass nicht mehr passiert: Er springt nach Aussagen von Zeugen in seinen Kleintransporter und schaltet die Scheinwerfer an. Daraufhin sollen die Vermummten das Weite gesucht haben.

Die Polizei geht erst am Donnerstag in die Öffentlichkeit. Nach mehrfachen Nachfragen bestätigt sie in einer gemeinsamen Presseinformation mit der Staatsanwaltschaft Cottbus, dass es die Attacke gegeben hat. Dabei sei niemand verletzt worden. Die alarmierten Polizisten hätten nach der Gruppe von Vermummten gesucht. Auch ein Polizeihubschrauber sei eingesetzt worden. Sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 18 und 26 Jahren seien vorläufig festgenommen worden.

Auslöser der Attacke auf die Ferienanlage waren Falschinformationen, die über die sozialen Medien verbreitet worden waren. Dort war laut Kriminalpolizei von der „Vergewaltigung einer Frau und einer noch nicht bestätigten Toten am Stausee“ die Rede, von „mehreren verdächtigten Migranten“, von denen zwei „stiften gegangen“ sein sollen.

Am Donnerstag stellen die ermittelnden Behörden endlich klar, „dass es entgegen der Behauptungen in den sozialen Medien den Fund einer toten Frau am Stausee zu keiner Zeit gegeben hat“. Richtig sei hingegen, dass die Polizei wegen des Verdachts einer Vergewaltigung am Stausee am 3. April gegen Unbekannt ermittelt. Die mutmaßliche Sexualstraftat soll am Montag, 8. April, angezeigt worden sein.

In der Gemeindeverwaltung stehen am Donnerstag die Telefone nicht still. Dieter Perko (CDU), der Bürgermeister, sucht den Kontakt zum Eigentümer der Anlage. „Camper, die seit Jahren kommen, Leute, die erstmals ihren Urlaub in Bagenz planen, rufen uns an. Und natürlich auch beunruhigte Einwohner und Nachbarn“, sagt Dieter Perko.

Ronny Schiele, der Ortsvorsteher von Bagenz, schüttelt den Kopf: „Es ist schlimm, wie das in sozialen Medien läuft. Wir sind hier doch mitten in der Saisonvorbereitung.“ Der Eigentümer der Ferienanlage möchte sich derzeit nicht zur nächtlichen Attacke äußern. Neben Zimmern für Gruppen bietet er Pensionsräume an. Montagearbeiter finden bei ihm eine preiswerte Bleibe. In einer Küche können sie sich selbst versorgen. Er sehe durch diese Aktion nun seine Existenz gefährdet.

Die Schulklasse, die bis Freitag bleiben und in den Geburtstag einer Schülerin reinfeiern wollte, reist aufgrund des Vorfalls bereits am Donnerstag ab. Der sie begleitende Vater ist froh, dass sich die Schüler mittlerweile halbwegs beruhigt haben. „Die Klasse war nach der Attacke so aufgekratzt und auch verängstigt, dass wir Erwachsene sie erst gegen 3 Uhr in der Nacht besänftigen konnten“, erklärt er.

Bürgermeister Perko hofft, dass der Vorfall und auch die mutmaßliche Vergewaltigung schnell aufgeklärt werden. Gemeinsam mit dem Betreiber der Anlage lädt er zu einer Einwohnerversammlung am kommenden Mittwoch in den „Dorfkrug“ ein. „Der Betreiber will sein Konzept vorstellen – einfach, um mal mit den immer wieder auftauchenden Gerüchten aufzuräumen.“ Einen „Maulkorb verhängt“ bekommen, wie in den sozialen Medien erklärt wird, habe er von der Polizei nicht, sagt Perko.

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