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Landwirtschaft
Präzise Kalkung für die Böden

Cornelia Link-Adam / 26.04.2019, 07:00 Uhr
Lietzen (MOZ) Für Bauern ist Boden das wichtigste Produktionsmittel. Der macht es ihnen in Brandenburg nicht leicht. Mehr als 900 000 Hektar zählen landesweit zu den benachteiligten Gebieten. Das ist ein Grund, warum sich unter Federführung der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) etliche Vertreter aus Wissenschaft und Praxis zusammengetan haben, um im EIP-Projekt "pH BB" nach besseren Lösungen bei der Bewirtschaftung der "Märkischen Streusandbüchse" zu suchen.

Eine der Partnerinnen ist die Land- und Forstwirtschaft Komturei Lietzen GmbH und Co. KG. Dort informierte sich Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde über den Stand der Arbeiten. In Brandenburg haben nur auf 26 Prozent der Ackerflächen der Boden einen optimalen pH-Wert. Beim Rest kommt es zu Ertragsminderungen und Verschlechterungen der Bodenfruchtbarkeit durch zu hohe oder zu niedrige pH-Werte. Gründe dafür sind die Variabilität der Böden innerhalb eines Schlags, Kosten und Zeitaufwand für Untersuchungen, Unsicherheiten bei der Info-Auswertung und bei der Entscheidung über die richtige Düngung sowie Probleme bei der Verfügbarkeit und dem Umgang mit geeigneter Düngetechnik.

Abhilfe durch Sensorentechnik

Mithilfe mobiler Bodensensoren sollen wichtige Bodeneigenschaften schnell, kostengünstig und kleinräumig erfasst werden. Methoden zur Verarbeitung der Kartierungsdaten und Ableitungen von Düngungsempfehlungen sollen unter Beachtung der Brandenburger Bedingungen entwickelt werden. Im Ergebnis werden praktikable Lösungen zur teilflächenspezifischen Düngung und Bereitstellung von Steuerungstechnik für die Düngerausbringung erarbeitet. Schließlich sollen auch Schulungen für das präzise pH-Wert-Management angeboten werden – möglichst über die Wintermonate, wenn Bauern auf den Äckern weniger zu tun haben.

Carolin Schilde zeigte sich sehr zufrieden. "Wir wollen die Dinge, die umsetzbar sind in die Betriebe bringen", sagte sie. Ihr sei allerdings auch klar, dass sich nicht jeder Landwirt solche hochauflösende Analyse-Technik anschaffen könne. Gut fand sie, dass im "pH-BB"-Projekt sowohl konventionelle als auch Öko-Bauern zusammen arbeiten. "Die spielt man ja sonst immer gern gegeneinander aus", so ihre Erfahrung. Gern ließ sie sich von Eckart Kramer von der Eberswalder Hochschule den mitgebrachten Proto-Typen einer Multisensorenplattform erklären. Dabei werden Bodenproben auf dem Acker genommen, gleich auf Bodenart, Humusgehalt und pH-Wert untersucht und bei Bedarf passgenau gekalkt. Ähnlich funktionierte auch ein vom Leipnitz-Institut mitgebrachtes Gerät.

Landwirte sehen Erfolgschancen

"Das Projekt läuft sehr erfolgsorientiert", lobte Kramer. Waren es früher nur eine Mischprobe pro Hektar, werden mit dem neuen System bis zu 75 Proben genommen, fügte Dirk Scheibe von der Landwirtschaftlichen Beratung der Agrarverbände Brandenburg (LAB) mit Sitz in Müncheberg an. Es sei eine optimale Kalkung des Bodens je nach Zustand machbar.  Diese Düngung sei für die optimale Nutzung der Fläche unabdingbar. Auch Felix Gerlach, Verwalter der Komturei Lietzen, sieht für das Projekt gute Erfolgschancen. "Es geht mit großen Schritten voran." Änlich äußerten sich Godo Phillip vom Booßener Landwirtschaftsbetrieb als zweiter konventioneller Landwirt sowie Charlotte Kling (uckermärkisches Öko-Gut Wilmersdorf). Die drei Unternehmen sind die von der Wissenschaft begleiteten Pioniere bei "pH-BB". Das praxisorientierte Projekt geht über einen Zeitraum von drei Jahren, so Carolin Schilde.

EIP-Projekte in Brandenburg

22 EIP-Projekte gibt es aktuell in Brandenburg, eines davon ist "ph-BB". Die Europäische Kommission stellt bis 2020 über den Agrarfonds ELER 25,6 Millionen Fördermittel zur Verfügung, um Forschung und Wertschöpfung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu unterstützen. Organisatorisch umgesetzt wird die Arbeit durch Arbeitsgruppen, in denen Landwirte, Wissenschaftler, Berater, Unternehmen sowie Verbände und Vereine  zusammen wirken. Die Probleme der Landwirte bestimmen dabei die Forschungsagenda. Sie sind gleichzeitig Akteure im Prozess der Lösungsfindung und auch die ersten Nutzer der Ergebnisse.⇥co

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