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Festakt
Mit Talaren und Gottes Segen

Dietrich Schröder / 08.05.2019, 07:30 Uhr
Posen (MOZ) Die Szenerie mutet ein wenig an wie im Mittelalter: Zwei Herolde und ein Orchester schreiten dem Festzug voran, der am Dienstag im westpolnischen Poznan (Posen) vom auf einer Insel in der Warthe gelegenen Dom in die Innenstadt zieht.  Rektor Andrzej Lesicki und seine Kollegen aus der Leitung der Adam-Mickiewicz-Universität tragen dazu ihre zinnoberrot gefärbten Talare.

Mit etwas Abstand folgen die Dekane und Räte der 15 Fakultäten, deren Gewänder jedoch türkis oder grün sind. "Der Umzug folgt dem historischen Pfad, den die Gründer der Universität vor genau 100 Jahren eingeschlagen haben", erläutert Ewa Bielewicz-Polakowska. Denn am 7. Mai 1919 war die Alma mater offiziell gegründet worden. Damals noch unter dem Namen "Uniwersytet Piastowski", mit dem unterstrichen werden sollte, dass man sich auf jahrhundertealte polnische Traditionen berief.

Gründung nach Erstem Weltkrieg

Die Zugehörigkeit der Stadt zu Preußen, die im Zuge der Zweiten Polnischen Teilung 1793 begonnen hatte, war erst wenige Monate zuvor mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Großpolnischen Aufstand beendet worden. Die Piasten-Universität übernahm denn auch die Gebäude der "Preußischen Königlichen Akademie zu Posen".

"Die akademische Bildung in Poznan begann aber schon viel früher", erfährt man auf der Internetseite der Hochschule. Polens König Sigismund III. Wasa hatte schon 1611 den damaligen Jesuitenkolleg Posen das Privileg erteilt, Magister- und Doktorentitel zu erteilen. Seinerzeit befand sich die Einrichtung jedoch interessanterweise im Clinch mit der bis dahin einzigen polnischen Uni in Krakau, die gegen die Erhebung der Posener  Hochschule in Universitäts-Rang intervenierte.

Auch die drei Jahrhunderte später gegründete Uni sollte schon bald tragische Zeiten erleben: Nach dem erneuten deutschen Überfall im September 1939 wurde Posen als Teil des Warthegaus annektiert. Die polnische Universität wurde umgehend geschlossen, dafür zum Sommersemester 1941 eine deutsche "Reichsuniversität Posen" mit mehreren Fakultäten eröffnet, die bis 1945 bestand.

Ab 1939 im Untergrund

Einige polnische Lehrkräfte aus Posen konnten sich jedoch der Untergrund-Universität in Warschau anschließen  und bildeten unter dem Namen "Uniwersytet Ziem Zachodnich" (Universität der Westgebiete) bis August 1944 über 2000 Studenten aus. "In den Jahren 1950 und 1951 wurde ein Teil der Organisationseinheiten der Universität in unabhängige Hochschulen umgewandelt, die heutige Medizinische Universität Poznan Karol Marcinkowski (UMP), die Universität für Naturwissenschaften in Poznan (UPP) und die Sporthochschule Eugeniusz Piasecki", erläutert Ewa Bielewicz-Polakowska. 1955 erhielt die Uni dann den Namen von Adam Mickiewicz, dem großen polnischen Dichter und Patrioten, der im 19. Jahrhundert das Streben um Polens Unabhängigkeit unterstützte. Heute hat die Alma mater knapp 50 000 Studierende und ist damit die drittgrößte Unversität des Nachbarlandes.

Collegium direkt an der Oder

Vor diesem historischen Hintergrund gewinnt die Tatsache, dass die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) seit mehr als zwei Jahrzehnten  mit der Adam-Mickiewicz-Uni aufs engste verbunden ist, noch an Bedeutung. Beide Hochschulen betreiben gemeinsam  das Collegium Poloncum in Slubice, das derzeit rund 400 Studierende zählt und ein europaweit einzigartiges Kooperationsmodell ist.

Die Präsidentin der Viadrina, Julia von Blumenthal, gehörte denn am Dienstag auch zu den Ehrengästen der 100-Jahr-Feier und überbrachte die besten Grüße und Wünsche. Als Beleg für ihre Unabhängigkeit hatte die Universität auch den früheren polnischen Regierungschef und heutigen Präsidenten des Europäischen Rates, Donald Tusk, eingeladen, der der national-konservativen Regierung in Warschau eher ein Dorn im Auge ist. In seiner Festrede beschäftigte sich Tusk denn auch mit der Frage, wie es um die Freiheit der Hochschulen im heutigen Polen bestellt ist. Am 23. Mai soll das Posener Jubiläum auch am Collegium Polonicum mit einer Festveranstaltung gefeiert werden.

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