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Landtag
CDU fordert Landesstrategie gegen Einsamkeit

Gesundheitsrisiko Einsamkeit: Die Brandenburger CDU möchte das Thema in den Fokus rücken.
Gesundheitsrisiko Einsamkeit: Die Brandenburger CDU möchte das Thema in den Fokus rücken. © Foto: dpa/Frank Rumpenhorst
Mathias Hausding / 09.05.2019, 06:10 Uhr
Potsdam (MOZ) Die meisten Anrufer sind über 50 Jahre alt und Singles. Sie reden über körperliche Probleme, Ängste und Depressionen.

Am Ende des Gesprächs bedanken sie sich: "Schön, dass es euch gibt, dass ich mit jemand reden konnte." So beschreibt Elke Schilling, was bei "Silbernetz" passiert, einer kostenlosen Telefon-Hotline gegen Einsamkeit, finanziert unter anderem vom Berliner Senat. Schilling, die Initiatorin des Projekts, würde sich freuen, auch in Brandenburg aktiv zu sein. Wenn es nach der CDU im Landtag geht, könnte es bald so weit sein.

Fraktionschef Ingo Senftleben fordert eine Landesstrategie gegen Einsamkeit und hat dazu jetzt ein Zwölf-Punkte-Programm vorgelegt. In Brandenburg leben 172 000 Über-65-Jährige in Einpersonen- Haushalten, auf die gesamte Bevölkerung des Landes gerechnet sind es 480 000 Single-Haushalte. Diese Zahlen und weitere Daten hatte die Landesregierung auf Anfrage der Christdemokraten zusammengetragen.

Runde Tische im ganzen Land

Senftleben zieht daraus das Fazit, dass Einsamkeit Menschen jeden Alters, jeden Hintergrunds und in jeder Region treffen könne. Mobbing in der Schule, Verlust des Arbeitsplatzes, familiäre Brüche oder Krankheit und Gebrechlichkeit – die Ursachen für Einsamkeit seien vielfältig. In der Folge könnten sich für die Betroffenen Risiken wie Alkoholismus oder Spielsucht ergeben. "Wir müssen dieses Thema in die Öffentlichkeit holen und landesweit darüber reden", fordert der CDU-Chef. Es gebe bereits Initiativen, die sich damit befassen, aber kein konzertiertes Vorgehen.

In der zu erarbeitenden Landesstrategie möge die Einrichtung von Runden Tischen auf Ebene des Landes und der Kommunen angeregt werden. Vertreter von Verbänden, Kirchen, Krankenkassen und Kommunen sollen sich austauschen und vernetzen. Außerdem sollen freie Träger bei Kultur- und Beschäftigungsangeboten für einsame Menschen unterstützt werden. Bestehende Angebote zum Miteinander der Generationen möchte die CDU besonders fördern. Über Jugendfreiwilligendienste könnten Besuchsdienste angeboten werden. Außerdem umfasst die von Senftleben umrissene Palette die Förderung von Patenschaften zwischen jungen Familien und älteren Menschen sowie die Einrichtung von Gesprächs-Hotlines wie jener von "Silbernetz".

Elke Schilling ist dementsprechend hoch erfreut über die CDU-Initiative in Brandenburg. Der Kampf gegen die Folgen der Einsamkeit müsse endlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, findet sie. Andere Länder seien hier viel weiter als Deutschland. Um einen Punkt würde sie die Forderungsliste der Christdemokraten gerne ergänzen. "Vor allem ältere einsame Menschen haben oft ein Informations-Defizit. Es fällt ihnen schwer, zum Beispiel über das Internet mögliche Angebote für sie in der Umgebung zu finden." Ziel müsse also sein, "das, was da ist, an die Leute zu bringen."

Auch die märkische Ärzteschaft soll nach dem Willen der CDU ihren Beitrag leisten und Anreize dafür erhalten, einsame Menschen an helfende Hände vermitteln. Karin Harre, Chefin des märkischen Hausärzteverbands, sagt dazu: "Das machen wir Landärzte schon jetzt. Dafür brauchen wir keinen Extra-Ansporn."

Großbritannien als Vorreiter

Vor wenigen Tagen hat die SPD auf Bundesebene die Installation eines Regierungsbeauftragten für Einsamkeit gefordert. In Großbritannien wird das Thema schon deutlich länger als in Deutschland diskutiert. Seit Anfang 2018 hat die dortige Regierung ein Ministerium für Einsamkeit. Ziel sei es, der zunehmenden Vereinsamung von wachsenden Teilen der Bevölkerung entgegenwirken, sagte Premierministerin Theresa May. Dafür wolle man parteiübergreifend Projekte vorantreiben. In einem Interview appellierte Ministerin Mims Davies an junge Familien, Ältere stärker in ihr Leben einzubeziehen und zum Beispiel gemeinsam mit den Großeltern in den Urlaub zu fahren. ⇥mat

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