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Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen besucht am Sonntag das Luftbrückenfest und will mit Kindern Schokoladenfallschirme basteln. 50 000 Besucher werden erwartet.

Tempelhof
Candy-Bomber kommt zum Jubiläum

Kommt immer gerne zurück: Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen auf dem Vorfeld des Flughafens Tempelhof
Kommt immer gerne zurück: Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen auf dem Vorfeld des Flughafens Tempelhof © Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Maria Neuendorff / 11.05.2019, 11:00 Uhr
Berlin (MOZ) Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen besucht am Sonntag das Luftbrückenfest und will mit Kindern Schokoladenfallschirme basteln. 50 000 Besucher werden erwartet.

Bis zum Schluss war nicht klar, ob er mit seinen 98 Jahren noch einmal einfliegen wird: Am Freitag kam dann die freudige Nachricht: Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen besucht das große Volksfest auf dem Flughafen Tempelhof, mit dem Berlin am Sonntag das Ende der Blockade vor 70 Jahren begehen will. Am  Stand des Alliiertenmuseums im Hangar 5 will der "Candy-Bomber" mit Kindern ins Gespräch kommen und mit ihnen Schokoladenfallschirme basteln, wie er sie selbst während der Luftbrücke über Berlin abwarf.

Der ehemalige Pilot der U.S. Air Force, der 1948 für die jüngsten Berliner  in der von den sowjetischen Besatzern abgeriegelten Stadt Süßigkeiten regnen ließ, symbolisiert wie kein Zweiter die Geschichte der Berliner Luftbrücke. Auch vor 70 Jahren war es ein Gespräch mit Kindern, das ihn auf die Idee brachte. Als der junge Pilot gerade die Rosinenbomber filmt, wie sie mit ihrer überlebenswichtigen Fracht im Minutentakt in Tempelhof einfliegen, sieht er hinter dem Stacheldrahtzaun rund 30 Kinder stehen.

"In gebrochenem Schulenglisch erzählten sie mir von sich. Fast eine Stunde verbrachte ich mit ihnen", schreibt er in seinen Erinnerungen, die die Hilfsorganisation Care in ihrer Jubiläumsbroschüre veröffentlichte. Halvorsen findet damals in seiner Hosentasche zwei Kaugummis. "Ich teilte sie, gab sie den Kindern. Sie teilten nochmals, sogar das Papier, und rochen daran. Da beschloss ich, mehr Süßigkeiten zu bringen. Jeder hätte das getan."

Beim dritten Mal erwischt

Anfangs bittet Halvorsen noch den Co-Piloten und den Ingenieur um ihre Süßigkeitenrationen. Damit er beim Abwurf kein Kind verletzt, bastelt er aus Taschentüchern kleine Fallschirme. Die Kinder erkennen ihn schon von weitem, weil er beim Landeanflug mit den Flügeln wackelt. "Alles klappte wie geplant. Wir wiederholten das Ganze. Beim dritten Mal wurden wir erwischt."

Im ersten Moment gab es ein Donnerwetter von den Vorgesetzten. Doch Luftbrückenchef General Tanner unterstützt die Idee und lässt sie sogar ausweiten. Irgendwann werden sogar in Amerika Fallschirme gebastelt und Halvorsen und seine Candy-Crew haben täglich 425 Kilo Süßigkeiten zum Abwurf zur Verfügung.

Insgesamt werden während der Blockade 1948/49 in elf Monaten in fast 230 000 Flügen über 2,1 Millionen Tonnen Waren eingeflogen. Denn eine Versorgung der Stadt mit lebensnotwendigen Gütern über Land- und Wasserwege ist jetzt nicht mehr möglich, nachdem die Sowjets nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen die Straßen und Schienen abschnitten.

50 unveröffentlichte Fotos

"Das Ende der Blockade ist ein besonderes Datum in der Geschichte der Stadt", betont der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der das kostenlose "Fest für die ganze Familie" eröffnen wird. "Die damalige Hilfe der Alliierten für Deutschland war keine Selbstverständlichkeit. Die Solidarität war nicht nur überlebenswichtig, sondern hat auch Mut und Kraft zum Durchhalten gegeben."

Wie viele Berliner hat Müller einen persönlichen Bezug zur Luftbrücken-Geschichte. Seine  Familie hat im Kaiserkorso gewohnt, die letzte Straße vor dem Flughafengebäude.  "Mein Vater hat zu den Kindern gehört, die in Tempelhof den Abwurf von Süßigkeiten erwarteten."

Auf dem Fest soll es unter anderem eine Ausstellung mit rund 50 bislang unveröffentlichten Schwarz-Weiß-Fotos von Matthias Heisig geben. Unter der Überschrift "Luftbrücke begreifen" sind in Hangar 5 mehrere Talk-Runden mit Zeitzeugen und Historikern geplant. In Hangar 4 können sich Besucher auf einer 70 Meter langen Sound- und Videoinstallation in die damalige Zeit zurückversetzen.  Auf dem Flughafen-Vorfeld wollen sich auf einer "Allee der Alliierten" die beteiligten Nationen präsentieren.

Echte Rosinenbomber werden dann aber erst Mitte Juni am Berliner Himmel zu sehen sein. Ein privater Verein will vom 10. bis zum 17. Juni Maschinen aus ganz Europa, aus den Vereinigten Staaten sowie aus Südafrika zu einem "Luftbrückenfest zum Anfassen" nach Deutschland und Berlin lotsen. Ob dafür die Behörden aber die Genehmigung erteilen werde, sei laut Müller noch offen.

Anfahrt und Programm

Das Fest der Luftbrücke findet am Sonntag von 12 bis 19 Uhr auf dem Flughafen Tempelhof statt. Herzstück sind das Vorfeld sowie Hangar 4 und 5.

Neben Ausstellungen, Zeitzeugengesprächen und Videoinstallationen wird historische Technik gezeigt und Livemusik gespielt. Zudem gibt es einen großen Kinder- und Familien-Bereich mit Mitmachaktionen.

Das Festgelände ist ausschließlich über das Tempelhofer Feld zu erreichen. Vom S-Bahnhof Tempelhof ist ein Bustransfer eingerichtet. Der Eintritt ist frei. Mit Taschenkontrollen ist zu rechnen. Infos und Anfahrtsskizze im Internet: www.fest-der-luftbruecke.de ⇥neu

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