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Stürme, Brände und Dürrejahre stellen Privatleute vor Probleme, denen Forstflächen gehören. Ein Brandenburger vertritt ihre Interessen.

Klimawandel
Wald in Not – und die Besitzer oft auch

Mathias Hausding / 17.05.2019, 09:30 Uhr - Aktualisiert 17.05.2019, 16:00
Frankfurt (Oder) (MOZ) Stürme, Brände und Dürrejahre stellen Privatleute vor Probleme, denen Forstflächen gehören. Ein Brandenburger vertritt ihre Interessen.

Verheerende Feuer und Debatten um die deutsche Klimabilanz haben ihn wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt: den Wald. Es ging ihm schon mal besser als dieser Tage, gleichzeitig wird er mehr denn je zum Beispiel als natürlicher CO2-Speicher gebraucht. Das lenkt den Fokus auf die Waldeigentümer. Knapp 60 Prozent der Flächen in Brandenburg gehören insgesamt 100 000 Privatleuten, von denen sich manche ihrer besonderen Verantwortung nicht bewusst sind.

Das findet zumindest Hans-Georg von der Marwitz, seit Jahresanfang Bundeschef des Waldeigentümerverbands AGDW. Der 58 Jahre alte Landwirt aus der Nähe von Seelow und CDU-Bundestagsabgeordnete, selbst Waldbesitzer, sieht den Forst nach Stürmen, Bränden und Dürreperioden mit anschließendem Schädlingsbefall bundesweit in Schwierigkeiten. Um sie in den Griff zu bekommen, brauche man mehr Unterstützung von der Politik, forderte Marwitz im Redaktionsgespräch mit der Märkischen Oderzeitung. Außerdem müssten sich Menschen, die etwa per Erbschaft an Wald gekommen sind, darüber klar werden, was es heißt, Waldeigentümer zu sein.

"Wir denken nicht in Jahresringen, sondern in Generationen. Was ich heute anpflanze, ernten meine Urenkel. Das ist für viele Menschen gar nicht mehr vorstellbar", sagt Marwitz. "Es geht nicht um Gewinn, sondern um Idealismus. Vor allem im Moment, wo die Märkte komplett am Boden sind."

Im Schnitt besitze bundesweit jeder Waldeigentümer die sehr überschaubare Fläche von drei Fußballfeldern, betont Marwitz. Große Waldbesitzer seien eine kleine Minderheit. "Diese Mischung ist ganz spannend, macht aber die Bewirtschaftung und den Waldumbau kompliziert. Wir haben in Deutschland jedes Jahr etwa 60 000 neue Waldeigentümer, darunter junge und urbane Menschen, die oftmals den Bezug zur Land- und Forstwirtschaft verloren haben. Das bereitet mir große Sorgen. Wie kann ich die Erben überzeugen, dass sie ihrer Verantwortung für den Wald gerecht werden?" Bei diesen Neueigentümern herrsche oftmals die irrige Auffassung vor: "Ach, jetzt habe ich Wald geerbt. Das ist mein Beitrag zum Umweltschutz. Ich bewirtschafte den Wald nicht und kaufe mir einen SUV."

Nur ein bewirtschafteter Wald sei aber ein guter Kohlendioxid-Speicher, der die Klimabilanz verbessere. "Eine gewisse Menge Totholz im Wald ist gut, aber zu viel davon ist eine Brutstätte für Käfer, die sofort das frische Holz angreifen." Marwitz appelliert deshalb an Waldbesitzer, die nichts vom Geschäft verstehen: "Wenden Sie sich an eine Forstbetriebsgemeinschaft in der Nähe und bitten Sie um Bewirtschaftung Ihrer Flächen!"

Teure Schadensbeseitigung

Das sei gerade jetzt wichtig, weil "gigantische Schäden" durch Stürme, Trockenheit und Schädlinge behoben werden müssen, damit der Wald den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden kann. In dem Zusammenhang hat der Waldeigentümer-Verband auch klare Forderungen an die Politik. Ein bereits vorhandenes Programm zur Beseitigung von Extremwetter-Schäden im Wald müsse um 500 Millionen Euro aufgestockt werden, fordert Marwitz. Außerdem brauche man erhebliche finanzielle Unterstützung bei der Wiederaufforstung. Ein im April vorgestelltes Positionspapier der Waldeigentümer umfasst insgesamt elf Punkte, darunter auch die Forderung nach höheren Investitionen in die Züchtung und Erprobung von Baumarten, die mit dem Klimawandel besser klarkommen.

Die Ziele des Waldumbaus in Brandenburg hin zu mehr Mischwald unterstützt Hans-Georg von der Marwitz ausdrücklich. Auch im aktuellen Konflikt mit vielen märkischen Jägern stellt sich der Waldeigentümerverband hinter die Politik des Forstministeriums, also die konsequente Wildbejagung, um Verbiss-Schäden an jungen Bäumen zu reduzieren. "Sind Waldstücke nicht eingezäunt, können Rehe innerhalb kurzer Zeit die Aufforstungsarbeit vieler Jahre zerstören. Gerade angesichts der schon vorhandenen Schäden im Wald, können wir uns das nicht leisten", betont Marwitz.

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