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OVG-Entscheidung
Umstrittener Insektizid-Einsatz vorerst gestoppt

Ein Hubschrauber steht zu Betankung mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel in einem Gewerbegebiet und wartet auf die Starterlaubnis. Nach einer Beschwerde des Naturschutzbunds (Nabu) hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mit einem Beschluss die weitere Ausbringung eines umstrittenen Insektizids gestoppt.
Ein Hubschrauber steht zu Betankung mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel in einem Gewerbegebiet und wartet auf die Starterlaubnis. Nach einer Beschwerde des Naturschutzbunds (Nabu) hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg mit einem Beschluss die weitere Ausbringung eines umstrittenen Insektizids gestoppt. © Foto: dpa-ZB/Bernd Settnik
dpa / 18.05.2019, 09:30 Uhr - Aktualisiert 18.05.2019, 14:34
Potsdam (dpa) Der umstrittene Einsatz eines Insektizids gegen einen Kiefern-Schädling wurde von Naturschützern gerichtlich gestoppt. Der Nabu fordert als Alternative einen Waldumbau.

Nach dem Einsatzstopp des Insektizids "Karate Forst flüssig" in Brandenburg hat der Naturschutzbund (Nabu) eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft gefordert. Vorrang müssten natürliche Formen des Pflanzenschutzes haben, sagte der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch am Samstag. Dazu zähle ein Umbau des Walds hin zu Mischwäldern. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte am Freitag das Versprühen des Insektizids gegen den Schädling "Nonne" in Brandenburg stoppt.

"Dem Beschluss kommt aus Sicht des Nabu [...] grundsätzliche Bedeutung zu", erklärte Schmitz-Jersch. Künftig werde das Versprühen von Insektiziden nur unter erheblich engeren Bedingungen und bei Sicherstellung des Artenschutzes möglich sein.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte gegen das Versprühen des Insektizids mit Hubschraubern im Landkreis Potsdam-Mittelmark geklagt. Während das Verwaltungsgericht Potsdam den Einsatz für zulässig erklärte, stoppte das OVG am Freitag das Versprühen des Gifts. Nun muss sich das Verwaltungsgericht erneut damit befassen. Die Naturschützer befürchten durch das Insektizid eine schwerwiegende Schädigung des gesamten Öko-Systems.

Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade betonte, der Einsatz sei notwendig, um die Wälder vor dem Schädling zu retten. "Von den rund 7700 Hektar befallenen Kiefernwäldern wurden bislang rund zwei Drittel behandelt", sagte Schade am Samstag auf Anfrage. Für das restliche Drittel gebe es nur noch ein Zeitfenster von zwei Wochen. "Dann ist der Einsatz nicht mehr sinnvoll", sagte der Sprecher.

Schade betonte, bei dem Einsatz des Insektizids gehe es nicht um eine politische Entscheidung. "Die Empfehlung wurde vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgesprochen."

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke nannte die Entscheidung des OVG am Samstag eine "schallende Ohrfeige" für Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Gericht hatte in seinem Beschluss am Freitag moniert, dass "die Genehmigungsbehörde die erforderlichen naturschutzrechtlichen, insbesondere artenschutzrechtlichen Prüfungen nicht durchgeführt" habe.

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Einsatzstopp Jörg Vogelsänger Karate Jens - Uwe Schade Waldumbau

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