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Gesetzentwurf
Kabinett billigt vereinfachten Wolfs-Abschuss - Klöckner will mehr

Wenn Wölfe Schafe oder andere Nutztiere reißen, soll es künftig einfacher werden, ihr Rudel durch Abschuss zu verkleinern.
Wenn Wölfe Schafe oder andere Nutztiere reißen, soll es künftig einfacher werden, ihr Rudel durch Abschuss zu verkleinern. © Foto: Carsten Rehder/dpa
dpa / 22.05.2019, 13:16 Uhr - Aktualisiert 22.05.2019, 16:49
Berlin (dpa) Nach Wolfsrissen soll es künftig einfacher sein, die Raubtiere in der Region abzuschießen. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch in Berlin einen Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), der den Abschuss von Wölfen auch dann ermöglicht, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafherde angegriffen hat.

Es können so lange Wölfe geschossen werden, bis es keine Schäden mehr gibt, auch wenn damit ein ganzes Wolfsrudel getötet wird. Die Behörden müssen aber jeden Fall genehmigen, es gibt zeitliche und räumliche Grenzen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, sie halte die Maßnahmen für nicht ausreichend.

Die Pläne sehen vor, dass künftig schon "ernste" Schäden für die Abwehr ausreichen. Sie müssen nicht mehr "erheblich" sein. Das Füttern und Anlocken wilder Wölfe soll ausdrücklich verboten werden, damit sie sich nicht an die Nähe von Menschen gewöhnen. Mischlinge aus Wolf und Hund, sogenannte Hybriden, sollen geschossen werden.

Agrarministerin Klöckner erklärte, angesichts der "rasch zunehmenden Wolfspopulation und den damit ebenfalls zunehmenden Nutztierrissen" halte ihr Ministerium weitere Schritte für nötig. Sie will die "Entnahme einer begrenzten und behördlich spezifizierten Anzahl von Wölfen unter strenger Kontrolle, selektiv und in beschränktem Ausmaß" zulassen, auch wenn es keine Schäden an Nutztieren gab - sprich, der Abschuss soll auch vorbeugend ermöglicht werden, nicht erst als Reaktion auf Schäden. Änderungen könnten nun im parlamentarischen Verfahren kommen, teilte das Agrarministerium mit.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben sich die streng geschützten Wölfe stark ausgebreitet. Die Oberlausitz in Ostsachsen etwa ist eines der am stärksten von Wölfen besiedelten Gebiete in Europa. Seit Jahren gibt es zwischen Ländern und Bund, Tierbesitzern und Tierschützern Streit darüber, wie damit umgegangen werden soll, dass Wölfe immer mehr Schafe und andere Nutztiere reißen.

Das beschlossene Gesetz zum Umgang mit dem Wolf geht dem Brandenburger Landesjagdverband nicht weit genug. „Der strenge Schutzstatus des Wolfes muss aufgehoben werden“, sagte Geschäftsführer Matthias Schannwell der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Schannwell kritisierte außerdem, dass in dem Gesetz die Aussagen über die Rolle der Jäger bei der Entnahme von Wölfen zu schwammig seien. „Wir sind gegen staatliche Wolfsentnehmer, die als bewaffnete Personen in behördlichem Auftrag in unseren Revieren auf Wolfsjagd gehen.“ Schannwell schlug vor, Schutzjagden wie in Skandinavien zu nutzen. In den nördlichen Ländern legten die Behörden eine Abschussquote fest, wenn sich Schäden häuften.

Die Regulierung durch Schutzjagden kann es nach Aussage des Landwirtschaftsministeriums nicht geben. „Wir reden über ein geschützte Art nach internationalem Recht“, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Potsdam. Man könne nicht nach „Gutsherrenart“ entscheiden, welcher Wolf geschossen werden solle, sondern brauche bundeseinheitliche Regeln, die vor Gericht auch Bestand haben. In dem jetzigen Entwurf für ein bundesweites Gesetz zum Umgang mit dem Wolf fänden sich Teile der Brandenburger Wolfsverordnung wieder, ergänzte der Ministeriumssprecher. „Wir fühlen uns damit bestätigt im Umgang mit dem Wolf“.

Dem BUND in Brandenburg geht der bundesweite Gesetzentwurf zu weit. Er sei mit dem Schutzstatus des Wolfes nicht vereinbar, hatte Sprecher Axel Kruschat gesagt. Eine solche Regelung sei nicht zielführend. Sie schade nur dem Naturschutz und helfe auch den Weidetierhaltern nicht.

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