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Mieterschutz
Rettung unter einem Dach

Laden zum Protest-Fest: Die Hausgemeinschaft der Krossener Straße 34 wehrt sich gegen drohende Verdrängung.
Laden zum Protest-Fest: Die Hausgemeinschaft der Krossener Straße 34 wehrt sich gegen drohende Verdrängung. © Foto: Hausgemeinschaft
Maria Neuendorff / 23.05.2019, 07:30 Uhr
Berlin (NBR) Die Fassade des Gründerzeithauses an der Ecke Krossener/Boxhagener Straße ist noch unsaniert. Farbenfroh wird es erst im grünen Gemeinschaftshof  mit Aprikosenbaum, wild rankendem Wein, Bambus und Gemüsebeeten. Die Großstadtoase haben die Bewohner in den vergangenen Jahren gemeinsam aufgebaut. Kinder klettern auf Bäume und toben auf dem Trampolin, während die Eltern in der Hängematte lesen, mit den Nachbarn plaudern oder einfach nur der Meise beim Nestbau zusehen.

Doch die typische Berliner Idylle könnte bald vorbei sein. "Jetzt hat es auch uns erwischt", schreibt die Hausgemeinschaft Krossener Straße 36 in einem öffentlichen Hilferuf. Das Haus wurde an einen Münchener Investor verkauft. "Nun kämpfen wir gegen die drohende Verdrängung und für langfristig bezahlbare Mieten", sagt Jeanette Brabenetz. Eine Lösung hat Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, schon vorgeschlagen. Über eine Dachgenossenschaft könnten nicht nur die Krossener 36, sondern auch andere Häuser erworben werden. Denn Genossenschaften werden seit kurzem extra gefördert. Zusätzlich müsste ein Bankkredit aufgenommen werden, und Bewohner müssten Genossenschafts-Anteile kaufen oder diese über faire Mieterhöhungen mitfinanzieren. Es müssen aber nicht alle Mieter mitmachen. Über einen Kiezfonds sollen auch Nachbarn bei der Sicherung der Häuser helfen.

Derzeit prüft Friedrichshain-Kreuzberg das Vorkaufsrecht für 13 Mietshäuser mit insgesamt 200 Wohnungen, die die neue Dachgenossenschaft übernehmen könnte. Weil das Haus zum Milieuschutzgebiet Boxhagener Platz gehört, kann der Bezirk bei Verkäufen sein Veto einlegen. Friedrichshain-Kreuzberg hat von diesem Recht bisher 19 Mal Gebrauch gemacht und ist damit Spitzenreiter in Berlin. Doch die Häuser sind teuer, das Geld der städtischen Wohnungsunternehmen, die die Immobilien dann meist für die Bezirke kaufen, reicht nicht für alle Problemfälle. Deshalb die Idee mit der Dachgenossenschaft.

Wenn das Beispiel funktioniert, könnte es in Berlin Schule machen. Auch wenn die Genossenschaftsanteile bei 500 Euro pro Quadratmeter liegen, sind die meisten Reaktionen auf die Idee im Kiez positiv. "Wir sind für alle Lösungen offen, Hauptsache unser Haus wird nicht zur Spekulationsmasse", sagt  Jeanette Brabenetz. Die 42-jährige Kunsthistorikerin wohnt seit 20 Jahren in der Krossener Straße. Sie mag die Mischung in ihrem Haus, in dem zehn Kinder, aber auch Studenten in WGs, Arbeiter, Akademiker und Selbstständige leben. "Jeder kennt jeden. Man passt gegenseitig auf die Kinder auf, organisiert zusammen Grillabende oder Familienfeten."

Und ein großes Protest-Fest mit politischen Diskussionen, Musik und Immobilien-Haie-Angeln für Kinder am kommenden Sonnabend von 15 bis 18 Uhr. "Wir wollen, dass die Öffentlichkeit genauer wahrnimmt, was seit einiger Zeit und wohl auch zukünftig auf dem Wohnungsmarkt in Berlin passiert", erklärt Brabenetz. Und den Bezirk zum schnellen Handeln auffordern. Denn die Frist für das Vorkaufsrecht endet am 10. Juni 2019.

Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten

Wenn ineinem Milieuschutzgebiet ein Haus veräußert wird, bekommt der Bezirk seit 2015 die Gelegenheit, ein Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Bis Ende Januar 2019 haben mehrere Bezirksämter in insgesamt 39 Fällen das Mittel angewandt und damit 1174 Wohnungen staatlich gesichert. Allerdings sind viele Fälle noch nicht rechtskräftig. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 213,6 Millionen Euro. Die Bezirke kooperieren dabei meist mit den landeseigenen Wohnungsunternehmen, die die Immobilien kaufen. ⇥neu

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