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Prozess
Frauen im Gewaltrausch – und jetzt auf der Anklagebank

Gleich drei junge Frauen müssen sich wegen des Mordversuchs an einem Mann vor Gericht verantworten.
Gleich drei junge Frauen müssen sich wegen des Mordversuchs an einem Mann vor Gericht verantworten. © Foto: dpa/Sven Hoppe
Mathias Hausding / 08.06.2019, 08:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Meist sitzen vor Gericht Männer auf der Anklagebank. Und nicht selten wird ihnen vorgeworfen, Frauen etwas angetan zu haben.

Ab kommenden Freitag heißt es vor dem Frankfurter Landgericht quasi verkehrte Welt: Gleich drei junge Frauen müssen sich wegen des Mordversuchs an einem Mann verantworten.

Die Gewaltorgie soll sich am 16. November 2018 zugetragen haben. Los ging es demnach in Eisenhüttenstadt. Weitere Tatorte waren Frankfurt sowie ein Wald hinter der Grenze in Polen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die drei Angeklagten, 19, 21 und 30 Jahre alt, die Tat vorab gemeinsam geplant haben. Die Verabredung sei gewesen, den 36 Jahre alten Mann zunächst mit einem Mixgetränk und Tabletten bewusstlos zu machen, um ihn anschließend im Wald zu töten.

Alle drei Angeklagten stammen aus Ostbrandenburg. Zwei der Frauen sollen versucht haben, den gemeinsamen Plan in die Tat umzusetzen. Der dritten Frau wird deshalb lediglich Verabredung zum Mord vorgeworfen. Die Ankläger unterstellen den beiden Haupttäterinnen, bereits mit der Verabreichung des ersten in Wasser aufgelösten Tablettenmixes den möglichen Tod ihres Opfers billigend in Kauf genommen zu haben.

Wie aus einem billigen Krimi

Auf einer anschließenden Autofahrt sollen sie dem Mann mit Tötungsabsicht den nächsten Tabletten-Cocktail eingeflößt haben. Als der Tod nicht eintrat, sollen sie über die Grenze nach Polen gefahren sein, in einen Wald bei dem Dörfchen Grzmiaca, auf der Höhe von Eisenhüttenstadt an der Oder gelegen.

Was sich dort dann abgespielt haben soll, klingt wie aus einem Drehbuch für einen billigen Krimi. Um eine Gelegenheit zu finden, den Mann anzugreifen, sollen die beiden Frauen ihn gebeten haben, etwas aus dem Kofferraum zu holen. In dem Moment haben sie ihn laut Staatsanwaltschaft mit einem Wagenheber auf den Kopf geschlagen. Der Versuch, mit einem Messer auf seine Schulter einzustechen, schlug fehl. Die Stiche gingen ins Leere.

Daraufhin kam angeblich eine der Frauen auf die Idee, den Mann mit dem Auto zu überfahren. Beide sollen sich wieder in den Wagen gesetzt haben und im Rückwärtsgang auf den Mann zugehalten haben. Sie trafen ihn wohl an der linken Hüfte, er ging zu Boden. Daraufhin sollen die Beschuldigten wieder ausgestiegen sein und ihr Opfer erneut mit dem Wagenheber sowie einer Bierflasche attackiert haben, bis der Mann einen unbeobachteten Moment zur Flucht nutzte. Er erlitt ein  Schädel-Hirn-Trauma, Verletzungen am Bauch sowie Prellungen am ganzen Körper.

Die Angeklagten und das Opfer kannten sich vor den Taten, so viel ist klar. Über die möglichen Motive wollte ein Gerichtssprecher zunächst nichts sagen: "Das erscheint mir nach einem Blick in die Akte etwas unübersichtlich. Ich will darüber nicht spekulieren." Für den Prozess vor der neu eingerichteten 1. Strafkammer unter dem Vorsitz von Dirk Kreckel sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt.

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