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Transparentes Verfahren
Atommüll-Endlager: "Brandenburg hat Formationen, die zu betrachten sind."

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Symbolfoto © Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Mathias Hausding / 14.06.2019, 06:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Sechs Jahre alt sind jene geologischen Karten, die Teile Westbrandenburgs als für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich geeignet erscheinen lassen. "Wir kennen natürlich diese Karten", sagt Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), nun in einem Café in der Potsdamer Innenstadt. Die Behörde tourt gerade durch die Bundesrepublik, um über das "wissenschaftsbasierte und transparente Verfahren" für die Suche nach einem Endlager zu informieren. In Kiel und Schwerin war man schon, Potsdam ist die dritte Station.

"Brandenburg hat Formationen, die zu betrachten sind", sagt König. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hatte 2013 in der Mark Tonsteinformationen in 300 bis 1000 Metern Tiefe ermittelt – und zwar im Raum Potsdam, nahe Brandenburg/Havel, in Teilen der Prignitz sowie im Fläming. Die geologischen Daten hätten sich seitdem nicht verändert, stellt Stefan Studt klar, der als Chef der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) die operative Suche nach einem Endlager leitet. Aber bisherige geologische Daten seien in einem anderen Kontext ermittelt worden. "Wir beginnen bei null. Die Karte ist weiß", betont Studt.

König und Studt erklären, dass es zunächst darum gehe, abstrakt das Prozedere der Suche zu erklären. Im Spätsommer 2020 soll eine erste Karte vorliegen, die eine größere Zahl geeigneter Gesteinsformationen zeigt. Basis sind Daten von 64 Geologie-Ämtern. Im nächsten Schritt gehe es darum, die Standorte in der Tiefe zu erkunden. So regele es die 2017 per Bundesgesetz gestartete Suche. In den verbleibenden Gebieten sollen Vor- und Nachteile abgewogen werden. Wasser gilt als Problem. Radioaktive Stoffe dürfen nicht durch Wasserpfade an die Erdoberfläche gelangen.

"Es geht darum, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen, also die Kriterien für ein Endlager zu definieren und die Bevölkerung sowie örtliche Politiker bei der anschließenden Suche mitzunehmen", so König. "Keine Region wird bevorzugt, keine benachteiligt." Bis jetzt würden die Info-Veranstaltungen sehr sachlich laufen. Ihm sei klar, dass sich das ändern könnte, wenn es konkreter wird. "Unsere Aufgabe ist, eine gute Vorlage zu erarbeiten, auf deren Basis der Bundestag bis 2031 entscheiden soll", erklärt der BfE-Präsident.

Drei sogenannte Wirtsgesteine kommen für ein Endlager, in dem der Müll dann bis zu eine Million Jahre liegen soll, infrage: Salz, Ton und Granit. "Anders als in anderen Ländern sind in Deutschland alle drei Gesteine in ausreichender Mächtigkeit vorhanden", sagt Wolfram König. Bergbauregionen seien nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern nur dann, wenn eine Schädigung des Untergrunds vorliege. Weitere Ausschlusskriterien seien vulkanische Aktivitäten oder Erdbebenrisiken. "Emotionale Beben spielen keine Rolle", sagt Stefan Studt mit Blick auf die Atommüll-Debatten. Mit Blick auf die Bundespolitik hofft er auf ein gutes Ergebnis. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass das Dekret zur Endlagersuche ein einfaches Gesetz sei, das jederzeit geändert werden könne.

Welcher Standort ist geeignet?

Im Jahr 2022 sollen die letzten Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein. Für 1900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen wird ein Endlager gesucht. Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist, kommen als Standort nicht infrage. An geeignete Orte werden Mindestanforderungen gestellt. 300 Meter Gestein sollen zum Beispiel das Endlager von der Erdoberfläche trennen. Eine 100 Meter starke Schicht aus Granit, Salz oder Ton muss es umgeben. Bis zum Jahr 2031 soll die Entscheidung über das Lager fallen. Dann könnten ab 2050 die Abfälle dort eingelagert werden. ⇥mat

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